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Integrationszentrum Mi&V e.V. – Mitarbeit und Verständigung

Die Theatergruppe auf großer Leinwand

Unter Leitung der Schauspielerin und Theaterpädagogin Jana Lissovskaia befassten sich 15 Jugendliche mit der Kunst des Schauspiels (Projekt des Tolstoi Hilf- und Kulturwerks Hannover e.V.)

 

Jugendliche lernten mit Körper und Stimme umzugehen, sie entwickelten ihre Fantasie und lernten die assoziative Arbeitsweise kennen. Die Teilnehmer*innen arbeiteten mit Texten, analysierten sie, trainierten das Gedächtnis, um später einen Text auswendig zu lernen, trainierten ihre Konzentrationsfähigkeit, improvisierten. Mit der Sprache des Theaters drückten sie aus, was sie bewegt. Ab Anfang 2020 bereitete Jana Lissovskaia mit den Jugendlichen ein Theaterstück mit dem Titel „Birken, Borschtsch und Blini“ vor, welches im Schauspielhaus im Juni aufgeführt werden sollte, aber aufgrund der Corona-Pandemie ausfallen musste und stattdessen als Video gedreht wurde.

Vor elf Jahren hatte Jana Lissovskaia in Hannover bereits ein Theaterstück namens „Utopiemaschine“ vorbereitet, die von der Anpassung der Kinder und Jugendlichen aus Russland und der ehemaligen UdSSR an die neue Gesellschaft handelt.

Die Kursleiterin Jana Lissovskaia: „Wir haben das Projekt schon vor einem Jahr geplant in Kooperation mit dem Staatstheater Hannover. Wir hatten eine Dramaturgin, Janny Fuchs, beauftragt, die für uns das Drehbuch schrieb auf Grundlage von Interviews, Erinnerungen, Videos und Familienfotos. Der Film basiert auf dem sogenannten Verbatim-Verfahren, also dass aus Interviews ein Skripttext gemacht wird, der von den Schauspieler*innen gelernt wird und so diejenigen die Figuren spielen, die das Interview einst gegeben haben. Ich mag die Gruppe, sie ist sehr vielfältig und generationenübergreifend, es sind außer uns Jugendlichen auch Leute mittleren und höheren Alters dabei, die bei dem Videodreh mitspielen. Das ist sehr interessant, weil sie auf einmal das Alter verlieren und alle eines Alters sind. Natürlich waren wir mit Schwierigkeiten konfrontiert aufgrund der Corona-Pandemie, wir wollten ursprünglich ein Theaterstück machen, das wir im Juni uraufführen wollten. Durch diese Pandemie wurden wie dazu gezwungen, das Format zu ändern zu einem Filmprojekt. Das Gleiche, was wir als Theaterstück aufführen wollten, haben wir in einem Film aufgenommen. Wir haben vor echten Objekten, draußen gefilmt und es nahm Gestalt eines Films an. Die Jugendlichen lernten, mit Tontechnik, Lichteinstellungen und Requisiten umzugehen. Sie lernten den Prozess des Filmemachens kennen. Zum Projektende ist der Film fertig geworden, im Februar wird er leinwandreif geschnitten, wir fügen alle Puzzleteile zusammen. Im Laufe der Zeit ist aus einzelnen Jugendlichen, die sich gegenseitig nicht kannten, ein synchron atmender Organismus zusammengewachsen, was mich sehr freut, weil sie von dieser Idee begeistert und angsteckt wurden, das schweißt sie zusammen. Ich hoffe, dass wir auch in Zukunft diese erforschende theatralische Arbeit machen können.“

Einige der Teilnehmer*innen waren noch nie in Russland. Einige gehören der Gruppe der „Russischversteher“ an, also die, welche die Sprache ihrer Eltern passiv verstehen, aber sie praktisch nicht sprechen. Andere Jugendliche kommen aus der „jüngeren Emigration“, die vor zwei bis drei Jahren hierher eingewandert und der deutschen Sprache nicht komplett mächtig sind.

Nelly (17): „Vor einem Jahr bekam ich eine vollkommen unerwartete Möglichkeit, theatralische Kunst bei Jana Lissovskaia zu lernen. Ich habe mich gescheut, Deutsch zu sprechen, aber nach den Kursen fühle ich mich selbstsicherer. In einem Film mitzumachen war mein Traum und der ist in Erfüllung gegangen! Ich bedanke mich beim Team und den Organisator*innen für die unabhängigen Erfahrungen und Erinnerungen.“

Tamara (17): „Ich bin froh, an dem Projekt teilgenommen zu haben. Es hat noch einmal meine Liebe zu Theater und Schauspiel bestätigt. Die Leute sind total nett und wir sind zu einer Crew geworden. Wir wurden zu Freunden, wir haben uns so gut verstanden, wir haben uns sogar privat getroffen. Besonders Spaß gemacht hat das Filmedrehen. Ich hoffe, dass das Projekt weitergehen wird. Die Leiterin ist super nett.“

Aleksandra (18): „Ich fand den Prozess des Filmedrehens interessant. Es war immer lustig bei uns, wenn etwas nicht geklappt hatte, hatten wir gelacht. Ich habe neue Freundschaften geschlossen und ich bin immer gerne zu der Theatergruppe gegangen. Ich würde gerne weiterhin am Projekt teilnehmen.“

Larissa: „Ich bin gemeinsam mit meinem Enkel zur Theatergruppe gegangen. Jana ist sehr professionell, im Projekt habe ich viel Neues gelernt. Meiner Meinung nach ist das Projekt sehr gut auf die Jugendlichen zugeschnitten, sie lernen sich zu entfalten.“

Kirill (18): „Ich mag die Leute hier, die ich kennengelernt habe. Den Prozess des Filmedrehens fand ich sehr interessant.“

Amalia (19): „Ich liebe Schauspielern. Es hat sehr Spaß gemacht, ich habe viel Erfahrung im Schauspielern gesammelt, z. B. durch die Improvisationsübungen. Die Atmosphäre war einzigartig, weil wir dieselbe Sprache gesprochen haben und viel miteinander gelacht haben. Natürlich würde ich weiter am Projekt teilnehmen, ich sehe hier eine Chance, sich in meiner Leidenschaft weiterzuentwickeln. Früher war ich ein schüchternes Mädchen aus Moldawien, doch heute bin ich durch das Projekt zu einer selbstbewussten Persönlichkeit geworden. Das Beste: Ich habe viele neue Leute kennengelernt; ich bin nun mit Nelly befreundet, eine wahre Freundin. Ich möchte mich bei Jana Lissovskaia und bei all den anderen bedanken, die an dem Projekt teilgenommen haben, denn für mich war das eine große Erfahrung.“

Das Projekt war laut den Teilnehmer*innen sehr interessant, abwechslungsreich und machte großen Spaß.

Video:

https://www.youtube.com/watch?v=nuLbdx2fcs8

 

Valentin Leibmann

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