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Wir fluchen nicht unflätig

Was machen diese… Menschen? Sie haben gegen das Allerheiligste ausgeholt, gegen die große und mächtige russische Sprache. Die Staatsduma und all ihre Mitglieder und Nicht-Mitglieder haben das Gesetz erlassen, dass ab jetzt in den Massenmedien und in der Öffentlichkeit nicht mehr unflätig geflucht werden darf. Wahrscheinlich wurde das dafür gemacht, damit die russischen Menschen nicht mehr ehrlich und vom ganzen Herzen ihre Meinung über ihre schwachsinnigen Abgeordneten sagen können. In dem Sinne – wer sind die und wo sollen die hin.

 

In April 2013 ist der Präsident auch dahin gegangen: er unterschrieb dieses wunderbare Gesetz. Interessant ist, dass die Liste der Flüche in dem Gesetz nicht veröffentlicht wurde. So nach dem Motto, das Volk kennt ja selbst seine Sprache. Naja, wir müssen nicht zum ersten Mal gegen unsere geliebte Regierung antreten. Seit Jahrhunderten lehr uns das Leben der Gewandheit und der Cleverness. Z.B. das Wort „poz“[1] kommt aus dem Jiddischen, aber viele verstehen es richtig. Sogar ein Adjektiv wurde dazu geschaffen – „pozovatyj“. Wenn man den BIP in den Massenmedien einfach *** nennen möchte… oder zumindest Herr P., wäre das denn ein Fluch? Zum Glück, gibt es ein fast äquivalentes Wort – „Mudak“[2]. Das ist ureigen und originär. Und was interessant ist, dieses Wort kann nicht zu den Flüchen zählen.

Es gibt noch so einen immer schlecht rasierten Herren namens Sergej Zheleznyak. Das ist nicht der, der nach Odessa wanderte und sich verlief. Sergej arbeitet hart als Vize-Sprecher der Staatsduma. Bei der Partei „Russland aufessen“ oder so etwas Ähnliches. Er ist durch seinen Kampf gegen die Adoption russischer Kinder von verfluchten amerikanischen Burguois bekannt. Also, dieser… Politiker ist auch durch den Kampf gegen die russische Schimpfsprache bekannt. Ihm steht wohl die russische Schimpfsprache bis zum Hals.

Sergej ist ebenfalls ein echter Kämpfer gegen die Propaganda der Homosexualität. Was ziemlich komisch ist, wegen seiner leicht unrasierten…also seinem leicht unrasierten Gesicht. Welches so typisch für die Vertreter der nichttraditionellen sexuellen Orientierung ist. Obwohl er hat eine Ehefrau, Kinder. Jedoch studieren die Kinder des russischen Patrioten im Ausland. Obwohl sowohl die Ehefrau, als auch die Kinder, behindern ja wohl kaum das Entstehen echter Gefühle. Weiß nicht. Ich habe es nicht ausprobiert und ich will es auch nicht.

Aber die männliche Liebe, von außen, heiße ich gut: je weniger von uns, desto mehr für uns. Die lesbischen Spielchen verdienen meiner Meinung nach die strengste Strafe. Tübing wird nicht von der Menschheit vergessen, aber seine sexuellen Vorlieben schon. Wie auch die Orientierung von Rambo, Wilde oder Tschaykovskij. Lasst sie leben, auch wenn sie einander… bis zum Tode lieben. Sie sollen sich bloß nicht an den Kindern vergreifen und keinen missbrauchen. Und wer wird sich nach zehn oder zwanzig Jahren daran erinnern…?

Oder nehmen wir die Abgeordnete der Bärenpartei, Elena Mizulina. Lena ist die Autorin des Gesetztesprojekts bezüglich des Verbots der Propaganda des nichttraditionellen Sexes unter Minderjährigen. Dieses… gute Projekt war dafür gefacht gegen… zu kämpfen. Naja, es ist klar mit was. Was für eine andere Art Sex können Minderjährige haben? Meine Erinnerung sagt mir; er kann entweder gut oder nicht so gut sein.

Ich weiß nicht, ob Madame Mizulina diesen nichttraditionellen Sex ausprobiert hat oder ob ihr das jemand angeboten hatte. Vielleicht hatte die Arme ja keine Chance. Aber sie hat doch eine Beschwerde bei der Staatsanwaltschaft eingereicht. Sie wurde beleidigt. Womit, fragt sich? Durch den Vorschlag oder durch sein Fehlen?

Nehmen wir z.B. die Sängerin, die öffentlich das Rauchen und Absinthtrinken propagandiert. Sie kämpft auch für das Glück russischen Kinder. Obwohl, wegen mangelhafter Bildung schreibt sie darüber mit Fehlern. Dafür singt sie aber. Und tanzen – da kann man den Blick nicht davon abwenden. Wie eine Robbe im Zoo. Was, wie sich herausstellt, die Pomoren mit Hilfe einer einfachen Axt aus einem Stück Holz machen können.

Wer schreit am lautesten: Haltet den Dieb? Klare Sache. Wer kämpft am aktivsten mit der Propaganda der Homosexualität? Klare Sache, solche langhaarigen Jungs wie Mamontow. Oder der Abgeordnete der St. Petersburger Duma Milonow. Er hat sogar in St. Petersburg ein Gesetz initiiert bezüglich der „Homos“ und ihrer Propaganda. Irgendwie kümmern den Großteil der russischen und nicht russischen Einwohner des Landes die Probleme der Päderasten nicht besonders. Und den Herrn Milonow schon. Wenn ein Chihuaha einen Elefanten anbellt dann ist das lustig. Wenn irgendein Milonow gegen die Sängerin Madonna auftritt, dann ist das dumm und traurig.

Und warum richten all diese Kämpfer gegen die Homosexualität ihren wahrhaftigen Zorn nicht auf die russische Estrade. Oder auf die Kirche. Dort gibt es genug Akteure, die mit exquisiter Liebe zu Gleichgeschlechtlichen sündigen. Naja, dafür gab es kein Kommando.

Nehmen wir doch Wladimir Solovyov, der immer charakteristisch angezogen auftritt, Fast wie diese… Äußerlich und von der Herkunft her sieht er liberal aus, aber die „Liberasten“ kann er überhaupt nicht leiden. Obwohl, er hat das auch niemals verheimlicht, wo er hauptberuflich arbeitet.

Deswegen lädt Wowa zu seinen Shows die gleichen Personen ein. Wie dieser…. Prokhanow. Ein großer, wissen Sie, Kämpfer für Grund und Orthodoxie und gegen die verfluchten Liberalen.

Aber wieso mag er diese Liberalen nicht? Ich mag sie übrigens in unserer russischen Ausführung auch nicht. Vor allem die aus der liberal-demokratischen Partei. Die Liberalen sind die, die für jegliche Freiheit sind. Obwohl unser, wie es scheint, nur für die Wahrheit Ihrer eigenen Tasche auftreten. Und die Gründlichen, die sind mehr für die Völkerschaft, die Orthodoxie und, fast hätte ich gesagt, für den Absolutismus. Aber die Zeit wird zeigen, wie lange das anhält.

Interessant ist, dass die letzten 300 Jahre der Geschichte von Russland gerade durch den Kampf der Völkerschafliebenden und der Liberalen bestimmt werden. Die Völkerschafliebenden haben öfter gesiegt. Zum Unglück für Mutter Russland. Dieses ganze nationalbewusste ewige Pack schenkte unserer Geschichte Niederlagen in dem Krieg in Krym, in dem japanischen Krieg und auch im Ersten Weltkrieg.

Der Zweite Weltkrieg wurde von Patrioten gewonnen, aber nicht von den Nationalisten. Die Atombombe erfunden und den ersten Satelliten hinaufgeschickt haben die russischen Liberalen.

Und all diese Idioten, die dem Volk in den A**** ******** wollen, werden vergessen. Obwohl, es scheint, dass der „A****“ nicht verboten wurde. Man kann nicht das verbieten, wo einem alles dran vorbeigeht, was bei uns gemacht wird.

Und noch was. Eine Volksweisheit sagt: für jeden listigen A****, entschuldigen Sie die Ausdrucksweise, gibt es da etwas mit einer Schraube. Können wir denn nicht, im Rahmen des Großen und Mächtigen, einen gesetzlichen Ausgang aus der heutigen traurigen Situation finden? Selbstverständlich. Schauen Sie mal, das lateinische Wort „Penis“ wurde nicht verboten. Wenn man dieses Wort öffentlich nutzt demonstriert man somit sein Bildungsniveau und die Allgemeinkultur. Natürlich, unsere Idioten „auf den Penis schicken[3]“ ist nicht so angenehm. Und auch irgendwie beleidigend…

Es ist um die russische Sprache schmerzlich. Und interessant ist, wie die Briefe von, z.B. Iwan dem Großen oder die Tagebücher von Alexander Pushkin jetzt wiedergegeben werden. Oder einige seiner Gedichte.

Und, ein Abschlusswort. Wir schimpfen nicht unflätig, wir sprechen so. Denn unser Leben ist so.

 

S. Aleksandrow (Hannover)

Aus dem Russischen von Yevgeniya Marmer

 

 

 



[1] Geschlechtsorgan – wird im russischen Sleng genutzt, sowohl ironisch, als auch negativ. (Anmerkung des Übersetzers).

[2] Wichser

[3] Russischer Schimpfausdruck – wenn man jemanden sagen will, das er verschwinden soll, dann sagt man „Geh zum Penis“ (Anmerkung des Übersetzers).

русская православная церковь заграницей иконы божией матери курская коренная в ганновере

Über IF: S. Aleksandrow (Hannover)

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