Start // Artikeln // Kultur // Geschichte // Die Mythen leben im Geld auf
Integrationszentrum Mi&V e.V. – Mitarbeit und Verständigung

Die Mythen leben im Geld auf

Die ersten uns bekannten antiken Münzen wurden von den Abbildungen der Götter und Helden, wunderschöner Frauen und schrecklicher Wesen geschmückt.

Seitdem sind mehr als zwei Jahrtausende vergangen und diese interessante Tradition hat auch heute nicht ihre Aktualität verloren. Schon lange glaubt keiner an Zeus und Poseidon, es werden keiner Opfergaben den olympischen Göttern mehr gebracht, man erwartet keine Zärtlichkeit oder Grausamkeit (und es ist nicht klar, was schlimmer ist!) von eigensinnigen und eifersüchtigen Göttinnen und hat keine Angst von dem dunklen Königreich des Hades. Jedoch sind die Figuren der antiken Mythen in ihrer Mehrheit auf dem Geld unserer Zeit zu sehen.

 

 

Spiele, die den Göttern gewidmet sind

 

In der Vorstellung der alten Griechen wurden die Olympischen Spiele von Herakles (bei den Römern Herkules) veranstaltet nachdem er die Armee des Zaren Augias besiegte und ihn selbst mit einem Pfeil tötete, der in das Gift der Hydra getunkt war. So rächte sich der Sohn des Zeus und der Alkmäne an dem Herrscher des Eleia für eine alte Kränkung. Nach dem Sieg opferte Herakles reichlich den olympischen Göttern und verkündete, dass seit diesem Moment alle vier Jahre die besten Athleten Griechenlands in verschiedenen sportlichen Disziplinen gegeneinander antreten werden, zu Ehren seines mächtigen Vaters.

Das Abbild des Zeus ist ein häufiger Gast auf den Geldscheinen der Mittelmeerstaaten. Als Prototypen dafür dienen in der Regel antike Statuen. Wie auf dem griechischen Geldschein in Höhe von 1000 Drachmen aus 1970. Oder auf der maltesischen Silbermünze in Höhe von 500 Lira aus 200, die den vier Jahrtausenden der griechischen Mythologie gewidmet ist.

Puc 2 

Bild 2 Griechenland – 1000 Drachmen aus 1970 – das Abbild des Zeus.

Puc 3 

Bild 3 Malta – 500 Lira aus 2000.

 

Die Heldentaten des Herakles*

Herakles ist eines der meist abgebildeten auf den Geldscheinen unserer Zeit Figuren der antiken Mythen. Und, wahrscheinlich, der unglücklichste aller mythischen Helden, dessen Schicksal im Olymp noch vor seiner Geburt besiegelt wurde.

Puc 4 

Bild 4 Frankreich – 10 Franc aus 1965.

Als die majestätische Hera erfuhr, dass ihr liebeshungriger Ehemann zum wiederholten Mal sie mit einer sterblichen Frau betrogen hatte, schwor sie den Neugeborenen zu töten und schickte zu ihm zwei große Schlangen. Aber das Baby erwürgte diese und ging somit als Sieger aus seinem allerersten Kampf im Leben hervor. Danach musste er noch viele schwere, gefährliche und einfach schreckliche Prüfungen bestehen. Einst, im Sturm des Wahnsinns, welcher auf ihn von der rachsüchtigen Hera geschickt wurde, tötete er zwei seiner Söhne aus der Ehe mit der thebanischen Prinzessin Megara. Er dachte, dass sich die Jungs in schreckliche Monster verwandelt hätten und erschlug sie mit seinem Schwert. Jedoch wurde das berühmteste Kind aus allen außerehelichen Kindern des Zeus durch seine großen Heldentaten während des zwölfjährigen Dienstes beim feigen König Eurystheus berühmt.

Auf den 1000 Franc aus 1943 – eines der schönsten Geldscheine, die jemals in Paris gedruckt wurden – befindet sich die Symbolik von mindestens sieben der zwölf Heldentaten** des Herakles.

 Puc 5

Bild 5 Frankreich – 1000 Franc aus 1943г.

 

Obwohl, die sind nicht chronologisch abgebildet. In der oberen linken Ecke befindet sich die Kerynitische Hirschkuh (vierte Heldentat). Danach folgt der nemeische Löwe (erste Heldentat), die Hydra (zweite Heldentat), der kretische Stier (siebte Heldentat), Zerberos (die elfte Heldentat) und der erymanthische Eber (fünfte Heldentat). Auf beiden Seiten von der zentralen Abbildung des Götterboten Hermes wird die letzte, die zwölfte Heldentat des Herakles – die Äpfel der Hesperiden, abgebildet. Dabei zeigt die Szene links Herakles, der die Himmeldecke statt des Titanen Atlas hält. Ein ähnliches Bild schmückt die griechische Münze in Höhe von 100 Drachmen aus 1999, die zu den 27. Olympischen Spielen in Sydney (2000) gestanzt wurde.

 Puc 6

Bild 6 Griechenland – 100 Drachmen aus 1999.

 

Und auf dem Bild rechts gibt der berühmte Held die goldenen Äpfel der Athene, die später diese in die Gärten der Hesperiden, der Töchter des Atlas, zurückbrachte. Vor den Füßen des Herakles kann man den Hüter der Unterwelt sehen – den dreiköpfigen Hund Zerberos.

Wenn man die Mythen genau liest, so kann man leicht die Fehler sehen, die von den Malern bei verschiedenen Abbildungen gemacht wurden. Z.B. kann bei Herakles, der die Himmeldecke hält, auf den Schultern ein Kissen sehen. In Wirklichkeit gab es keins. Als der Held verstand, dass Atlas nicht vorhat seine schwere Last zurückzunehmen und überlegte sich eine List: „…halt mal die Himmeldecke noch ein Minute, ich mache aus dem Gras ein Kissen, um dieses unter das Ende zu legen, denn das tut mir sonst in den Schultern weh“. Und sobald der Titan ihn einwechselte, nahm Herakles mit den Worten: „Ich hielt die Himmeldecke, solange du die Äpfel der Hesperiden holen warst, aber ewig die ganze Last des Himmels auf den Schultern tragen will ich nicht“ die verzauberten Früchte und verschwand.

Noch eine Ungereimtheit bei den Abbildungen auf dem Geldschein in Höhe von 1000 Franc liegt in der Löwenmähne, die auf den Schultern des Helden wie ein Mantel liegt. In den Mythen über Herakles wird gesagt, dass er „die Pfoten des Tieres um seine Brust knotete, und das Fell vom Kopf ihm als Helm diente“. D.h., also überhaupt nicht so, wie das auf dem Geldschein abgebildet ist.

 

Der Nemeische Löwe

Übrigens, das Fell auf den Schultern des Herakles wurde nicht vom Nemeischen Löwen, sondern vom Kythaironischen Löwen abgezogen. Er tötete ihn bei der Jagd in den Bergen Kithairon, als er noch jung war. Der Nemeische Löwe, das Kind von Typhon und Echidna, unterschied sich mit seiner unglaublichen Größe sehr stark von den uns bekannten Raubtieren.

Puc 7 

Bild 7 – Zypern – 100 Mils aus 1975 – Herakles, der auf dem Fell des Nemeischen Löwen sitzt.

 

Seine Höhle hatte zwei Ausgänge. Die modernen Löwen leben nicht in Höhlen. Also kann man annehmen, dass Herakles eine der letzten Vertreter der ausgestorbenen Löwenart tötete – den Höhlenlöwen (lat. Panthera leo spelaea).

Die einzige Abbildung heute dieses prähistorischen Raubtieres auf einer Münze befindet sich auf 5 Rubel von 2008 (Silber), die mit der kleinen Auflage von 500 Stück, die von Transnistrien gestanzt wurden. Das ist eine stilisierte Abbildung des mächtigen Tieres, das in der Eiszeit auf dem Territorium des heutigen Naturparks „Kolkotova Balka“ lebte.

Puc 8

Bild 8 Transnistrien – 5 Rubel aus 2008

 

Herakles versperrte einen der Ausgänge mit Steinen und wartet auf die Ankunft des Raubtieres. Als es dunkel wurde kam der Löwe aus der Höhle und wurde sofort von dem Helden angegriffen. Herakles beschoss ihn mit drei Pfeilen, die alle ins Ziel trafen. Aber sie sprangen vom Fell des Tieres ab, ohne ihn zu verletzen. Dann hat der Sohn des Zeus ihm auf den Kopf mit seinem Morgenstern geschlagen… „Betäubt von dem schrecklichen Schlag, fiel der Löwe zu Boden. Herakles warf sich auf ihn, umklammerte ihn mit seinen starken Armen und erwürgte ihn“.

Es ist interessant, dass die modernen Münzenabbildungen dieses Kampfes sich praktisch nicht von den antiken Münzen unterscheiden. Um sich darin zu vergewissern, reicht es die römischen Dinar (zum ersten Mal in 268 v. Chr. Gestanzt) mit den albanischen Münzen in Höhe von ½ Leka aus 1926 und den spanischen 10 Euro aus 2011 zu vergleichen.

Puc 9 

Bild 9 Albanien – ½ Leka aus 1926

 Puc 10

Bild 10 Spanien – 10 Euro aus 2011

 

Laut einer alten Legende, wurden die Nemeischen Spiele, die entweder ein Jahr vor oder nach den Olympischen ab 573 v. Chr. stattfanden, das erste Mal auf dem Peloponnes genau nach dem Sieg Herakles über den Nemeischen Löwen veranstaltet.

 

Die Gibraltarserie

 

Man kann annehmen, dass in der fernen Vergangenheit auf den griechischen und römischen Münzen ihre Abbildung die zwölf Heldentaten des Herakles fanden. Leider, sind bis heute nur einige erhalten worden. Aber in 1998 wurde diese Lage von Gibraltar, dem britischen Territorium im Süden der pyrenäischen Halbinsel, „korrigiert“. Im Laufe von drei Jahren wurden dort 12 bimetallische Münzen (vier im Jahr) mit dem Wert von zwei Pfund jede, gestanzt, welche den ganzen „Zyklus“ der berühmten Heldentaten zeigen. Die Nachfrage dafür bei den Sammlern war so hoch, dass man sie heute im Verkauf alles zusammen gar nicht finden kann. Der Preis einzelner Münzen erreicht 200 Euro. Sie zu betrachten ist ein reines Vergnügen. Z.B. auf der Münze, die die dritte Heldentat (Stymphalische Vögel) Herakles zeigt, schießt der Held Pfeile auf die Wesen ab, die stark an die fliegenden Saurier aus der Juraperiode erinnern.

 Puc 11

Bild 11 Gibraltar – 2 Pfund aus 1999

 

Die Stymphalischen Vögel hatten Kupferschnäbel und –krallen und die „Federn dieser Vögel bestanden aus harter Bronze und wenn sie hochfolgen konnten sie diese abwerfen, wie Federn, auf den, der es wagte sie anzugreifen“.

Nicht weniger schrecklich waren die Pferde des Diomedes (achte Heldentat). Der König von Thrakien Diomedes fütterte sie mit Menschenfleisch, warf ihnen zum Fraß alle Ausländer vor, die in sein Land kamen, Herakles stahl die Pferde von den Thrakiern und vertraute sie seinem Partner Abder, dem Sohn des Hermes, an. Aber der arme Junge konnte nicht mit den schrecklichen Tieren zurechtkommen und sie rissen ihn auseinander. Diese Szene ist auf der gibraltarischen Münze abgebildet.

Puc 12

Bild 12 Gibraltar – 2 Pfund aus 1999

 

Man kann nicht ohne Lächeln noch eine Münze aus dieser Serie betrachten. Die, die über die goldenen Äpfel der Hesperiden berichtet. Der Legende zufolge gab es nur drei. Sie wuchsen auf dem goldenen Baum, das Hera am Tag ihrer Hochzeit mit Zeus von Gaia geschenkt wurde. Jedoch auf der Münze hält Atlas in seinen Händen einen Korb voller Äpfel! Welche übrigens mehr an gewöhnliche Kartoffeln erinnern, als an Früchte vom göttlichen Baum, weswegen der antike Held ans Ende der Welt gehen musste.

Puc 13 

Bild 13 Gibraltar – 2 Pfund aus 1999

 

 

Anmerkungen:

 

*Der Name „Herakles“ bedeutet „berühmter Held“. Bei seiner Geburt nannten ihn Zeus und Alkmäne Alkid. Der Name Herakles wurde ihm von der Prophetin Pythien aus dem Orakel von Delta gegeben (das Orakel beim Tempel des Appollon in Delta).

**Einige antike Autoren glauben, dass es 13 waren. Und meinen damit den Fall, als Herakles in einer Nacht fünfzig Töchter des Königs Tespius liebte. Sie wurden alle schwanger und gebaren Söhne.

 

 

Rolf Meisinger (Mannheim)
Aus dem Russischen von Yevgeniya Marmer

 

 

русская православная церковь заграницей иконы божией матери курская коренная в ганновере

Über IF: Rolf Meisinger (Mannheim )

Auch lesen

Kipling: Ost und West

Zum 160. Jahrestag von Rudyard Kipling„Oh, Ost ist Ost, und West ist West, und es …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Яндекс.Метрика