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Integrationszentrum Mi&V e.V. – Mitarbeit und Verständigung

Der endlose Basar

„Es ist interessant, für wessen Geld es brennt…“
G.W.Konn

 Maidan geht weiter und endet nicht. Und immer wieder kommen unterschiedliche und ziemlich unangenehme Umstände auf. Und dabei fing alles doch so gut an! Irgendjemand hat entschieden, dass man unbedingt gegen das nicht unterschriebene Assoziierungsabkommen mit der EU protestieren müsse.

Die Bedingungen dieses Abkommens hat nicht mal in der Regierung einer sorgfältig durchgelesen. Durchgelesen, sich an den Kopf greifen, zur Seite legen – eine irdische Sache. Jemand ist auf den Maidan gegangen. Es passierte nichts Besonderes bis zu der Nacht vom 29. Zum 30. November, als „Berkut“ grausam die protestierenden Studenten zusammengeschlagen hat. Warum so brutal ist eine andere Frage. Es gibt keine Information und es sieht so aus, als würde es auch keine geben. Offensichtlich ist nur, zumindest für den Autor dieses Textes, dass so eine Brutalität nicht einfach so aufkommt.

Die Bevölkerung wachte auf, das Zusammenschlagen von Kindern ist etwas Ernstes. Zwar sind es keine Kinder mehr, aber auch noch keine Erwachsene. Unreife Menschen wurden gemütvolle Geschichtchen erzählt über das Regime in die EU ohne Visum, massenhafter Arbeit dort und über die attraktiven Chancen was die materielle Situation dort angeht. Die Studenten glaubten das. Sie haben sich geirrt, aber es ist selbstverständlich kein Grund zur Metzelei. Was die wirklichen Gründe sind, weiß ich nicht. Meine Vermutungen teile ich nicht mit, denn es gibt nichts, was sie untermauert. Wichtig ist eins – die Bevölkerung ist aufgestanden und die Aktivität auf dem Maidan ist rapide gestiegen. Somit entstand der oppositionelle Quader. Der Boxer Klitschko, der nicht in der Lage ist, das Land zu regieren, der missratene Speaker der Werchowna Rada Arsenij Jazenjuk, der missratene Innenminister Jurij Luzenko und Oleg Tjagnybok, den man nicht vorstellen muss.

Die Opposition hat es nicht geschafft, die Initiative auf sich zu ziehen und Maidan hat sich wieder etwas beruhigt. Also musste schnell das Lenin – Denkmal zerstört werden, danach wie bestellt, wurde Tatjana Chernowol zusammengeschlagen. Ihr Charakter und Manieren sind zwar nicht einfach, aber auch kein Grund für körperliche Gewalt. Das funktionierte alles nicht mehr wirklich und somit entschied jemand (wer?), dass man zur Werchowna Rada gehen muss, gerade dann, als keiner dort war. „Berkut“ lässt es natürlich nicht zu, ist ja seine Arbeit. Und dann ging es los!

Man musste nicht lange nach Pflastersteinen suchen, sie sind unter den Füßen, „Molotowcocktail“ auch. Es stellte sich raus, dass er sich im Gebüsch ganz in der Nähe befand. Es wurde gleich da auf dem Gruschewski gemacht.
Heute wurde dieses Viertel gesäubert. Der Kommandant von Maidan spricht von Opfern. Die Abgeordnete Lesja Orobez war im Stadtleichenhaus. Die Gerüchte von Opfern hat sie nicht bestätigt. Wozu gab es diese Gerüchte überhaupt?

Die Regierung verspricht für Ausnahmezustand zu sorgen. Dann versprechen sie dem Vorstand der EU diesen Ausnahmezustand nicht einzuführen. Es scheint, als würde man auf der Bankowaja nicht wirklich die entstandene Situation verstehen und weiss einfach nicht, wie man reagieren soll. Alle, mit denen ich darüber gesprochen habe, erklären sich die Situation mithilfe des offenen Nichtprofessionalismus derer, die dafür verantwortlich sind. Darüber, dass die hohe Posten gekauft werden, wird schon längst offen geredet. Wie es sich herausstellte, sind zehn Menschen in der Lage die Verwaltung für innere Angelegenheiten in Angriff zu nehmen, es gab Fälle. Die Repräsentanten von Maidan haben damit nichts zu tu, das geschah schon vorher. Die Schuldigen wurden nicht bestraft.

Korruption ist auch, dass auf dem Maidan sehr gut die Frequenzen bekannt sind, auf denen die Polizei miteinander spricht, es werden die Aktivitäten von „Berkut“ kontrolliert, usw. Wenn das Korruption ist, woher hat man dann das Geld für die Bestechung? Wer steht dahinter? Wozu ist das? Es gibt wieder keine Antworten.

Die Situation von Janukowitsch scheint ziemlich kompliziert zu sein. Er hat praktisch niemanden, der ihn innerhalb des Landes unterstützt. Wenn er es schafft etwas der Polizei und der Armee zu versprechen, dann hat er kaum Chancen. Wenn nicht, dann gibt es noch weniger Chancen. Er kann nirgends oder fast nirgends hin.

Man hat den Eindruck, als wurden die Geschehnisse auf dem Maidan schon vorher geplant und jetzt werden sie von irgendjemandem gekonnt dirigiert. Mehr noch, er wird von beiden Seiten dirigiert. Es scheint, als wäre Janukowitsch diesem „jemand“ des Öfteren auf die Füße getreten. Oder eher nicht ihm sondern seinem Auftraggeber.  Es ist nichts Erstaunliches, es gibt heute viele von solchen. Eine Sache verwirrt jedoch – ein Mensch, auch wenn es Rotschild ist, hat nicht das Geld und diese Möglichkeiten. Dieses Geld und diese Möglichkeiten hat nur der Staat.

Und eins noch. Der auf dem Maidan entstandene „Erste Sektor“ – die radikalen Nationalisten- ist nicht groß, aber hervorragend ausgerüstet und organisiert. Darin sind die Organisationen „Trisub“, „Sich“ „Belyj Molot“ und andere enthalten. Tjagnibok mit seiner „Swoboda“ ist angeblich mit ihnen, aber scheint, als hätten die Radikalen ihn zur Seite geschoben und zählen ihn nicht zum ernsthaften Spieler. Es sind nicht viele, einigen Angaben nach zwischen 700 und 1000, sie sind gut organisiert, vorbereitet und energisch. Die Geschehnisse bezeichnen sie als nationale Revolution.
Alles was man sieht und liest, hinterlässt ein komisches Gefühl. Es scheint als würde man uns alle, die auf den Maidan und die, die dort nicht sind, irgendwohin treiben, dass wir alle etwas tun, was vorher schon bestimmt wurde und können nichts dagegen machen.

 

 

Foto von Iwan Sedlovskij

 

Daniil Tkachukovsky (Kiew)
Aus dem Russischen von Yevgeniya Marmer

русская православная церковь заграницей иконы божией матери курская коренная в ганновере

Über IF: Daniil Tkachukovsky (Kiew)

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