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Weihnachtsmärchen – das ganze Jahr lang!

Natürlich nicht in dem Sinne, dass in dem bayerischen Rothenburg ob der Tauber Weihnachten 365 Tage im Jahr gefeiert wird. Oder der hiesige Weihnachtsmarkt, welcher von vielen Reiseführern als der älteste in Deutschland bezeichnet wird, auch ohne Ferien und Wochenenden offen ist. Es wurden einfach fünf Häuser, die einst dem hiesigen Adel gehörten, zu einem Komplex verbunden, welcher als Deutsches Weihnachtsmuseum bezeichnet wird.

 

 

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Und nur in Rothenburg gibt es den einzigen Laden im Land mit Weihnachtsschmuck namens „Käthe Wohlfahrt“, welcher das ganze Jahr lang offen ist, als Beweis dafür, dass im Stadtleben immer Platz für Märchen und Wunder bleibt. Diesen Laden lohnt es sich auch einfach so zu besuchen, ohne ewas zu kaufen – denn das ist echt eine Freude sowohl für Kinder als auch für Erwachsene.

 

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Klar ist, dass der Laden nur schwer mit den fünf Tausend Ausstellungsobjekten des Weihnachtsmuseums konkurrieren kann, aber die Möglichkeit Weihnachtsschmuck rund ums Jahr kaufen zu können ist zumindest interessant.

Obwohl, das Museum sollte man lieber nicht während der Weihnachtszeit besuchen. Denn einige Stunden in der Schlange zu stehen… Dann bleibt für nichts Anderes Zeit. Vor allem, wenn man bedenkt, dass die Besucher in der Regel von weit her kommen: die Werbung leistet ihren Dienst. Außerdem – sollen mich die Verfasser der unzähligen touristischen Prospekten entschuldigen – der Weihnachtsmarkt in Rothenburg beeindruck… nicht besonders.

Überhaupt nicht!

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In Hannover z.B. ist dieser größer, besser und interessanter. Und dieser ist auch allem Anschein nach nicht der größte und schönste in Deutschland.

Außerdem passen das Wetter im Dezember und der Längengrad nicht sonderlich zu langen Spaziergängen. Also sollte man lieber das Weihnachtsmärchen von Rothenburg sich lieber im Sommer anschauen.

Oder Ende September, wenn hier das jährliche Stadtfest stattfindet. Und die Rothenburger, verkleidet in Kostüme ihrer Vorfahren, mittelalterliche Gerichtsprozesse, Jahrmärkte und andere alltägliche Szenen aufführen. Durch die Straßen wandern Ritter, königliche Schützen, Bauern und Handwerker; Nutztiere werden verkauft. Und abends erleuchten Feuerwerkslichter den Rothenburger Sternenhimmel.

 

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Und am Dreifaltigkeitsfest (ab 1881) versinkt die Stadt im „Suff“. Hunderte Bürger in

Kostümen des 17. Jahrhunderts nehmen an der Zeremonie der Leerung des Weinkrugs teil, im improvisierten militärischen Kreuzzug und dem Errichten des Kriegslagers. Das Fest kulminiert in dem s.g. „Meistertrunk“. Diese Szene erzählt darüber, wie der mutige Bürgermeister der Stadt Rothenburg rettete, indem er mit einem Schluck ein dreilitergroßes Weinglas leerte. Dieses Glas wurde ihm von dem im Jahr 1631 die Stadt belagertem Graf Tilly angeboten und versprochen die Stadt zu befreien, wenn irgendjemand es schafft drei Liter Wein zu trinken und auf den Beinen stehen zudann bleiben. Der mutige Bürgermeister Nusch blieb nicht nur stehen, sondern führte auch das Gespräch mit dem Grafen fort. Die Stadt wurde nicnicht geplündert, den Bürgern wurde nicht geschadet.

 

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Und wie kann man hier nicht bedauern, dass die nachfolgenden Kriegskonflikte nicht auf diese Art endeten.

Denn schon zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges litt Rothenburg bedeutend an Belagerung und Zerstörung. Und in den folgenden zwei Jahrhunderten erging es seinen Bewohnern nicht so gut, wie früher. Und in 1802 hat Rothenburg komplett seine Freiheit wegen Napoleon verloren und gehörte von nun an Bayern.

 

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Obwohl, seit Ende des 19. Jahrhunderts, wird die Stadt viel mehr von Touristen besucht. Und die Regierung Rothenburgs erließ das Gesetz, dass die alten Gebäude nicht umgebaut werden dürfen, unter anderem auch die Fachwerkhäuser. Übrigens, der letzte Weltkrieg (hoffentlich wirklich der LETZTE überhaupt!) hat die Stadt fast kaum berührt, und die teilweise zerstörten Gebäude wurden schnell renoviert.

Und diese engen krummen Gassen, die bis zur unserer Zeit nicht wussten, was Asphalt ist, locken schon seit 200 Jahren Touristen und Kinematographen aus aller Welt her. Die Letzteren sagen oft, dass Rothenburg das einzige erhaltene Teilchen des mittelalterlichen Deutschlands ist. Wenn nicht von ganz Europa.

 

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Über die letzte Behauptung lässt sich streiten. Aber, sollte man denn?

Außerdem ist das hiesige (und das einzige in Deutschland) Mittelalterliche Kriminalmuseum, welches mancmal als Museum der Kriminalistik bezeichnet wird, passt wunderbar in die Landschaft hinein. Genau durch solche Straßen kann man sehr gut einen Verbrecher-Convoy durchführen: hier können die nicht weglaufen.

 

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Die umfassende Ausstellung des Museums erzählt detailliert (und anschaulich) von den „rechtlichen gesellschaftlichen Beziehungen“ des 12. bis 18. Jahrhunderts. Holz“kragen“ für die Damen, eiserne Schandemasken in Form einer Schweineschnauze, mit einem Rüssel, langer Zunge und anderen „Schmuckstücken“, „Sauffass“, in welches Schenkenstammgäste eingeschlossen wurden, Keuschheitsgürtel, Stuhl mit Dornen, andere Folterinstrumente und Schandeattribute.

Übrigens, der Großteil der heutigen Museumsstücke war für… Frauen bestimmt. D.h. irgendwo Romanzen, Gedichte und Blumensträuße und irgendwo… Oder existierte das alles „friedlich“ nebeneinander?

Was den Keuschheitsgürtel anbelangt, so glaubte der Autor dieser Zeilen vor seiner Reise nach Rothenburg nicht an seine reale Existenz. Sondern – eine Erfindung derc Schriftsteller und Filmemacher.

 

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Es stellte sich aber heraus, dass das historische Realität ist. Und zwar sehr gut verarbeitet. In den Augen der Männer natürlich. Sie selbst trugen DAS ja nicht.

Und die Holzzelle, in der der diebische Bäcker „gebadet“ wurde war eine sehr gute Erfindung. Das erste Mal wurde ja nicht zum Tode gebadet: ein Mal eintauchen und wieder rausholen. Aber was für eine Erfrischung! Und über den Sinn des Lebens dachte mander dann nach. Und nicht nur darüber.

Wahrscheinlich ist es für die heutige Generation „angenehm“ zu denken, dass es auch damals böse Menschen gab, wie auch übrigens ehrlich Arbeitende. Worüber anschaulich die reiche Ausstellung des AltRothenburger Handwerkerhäuschen berichtet.

 

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Es wurde in 1270 gebaut. Und heute zeigen elf Zimmern des Museums detaillert die Einrichtung der Handwerkerwohnungen, erzählen über ihre Tätigkeiten. Sieben Jahrhunderte lang wohnten hier Böttcher, Maler, Verzinner, Töpfer, Korbflechter, Sieder und Maurer. Lange lebte in dem Haus ein Einsiedler, der die Zivilisationsgüter nicht akzeptierte – Wasserleitung und Elektrizität. Dadurch blieb die Perle des mittelalterlichen Baus bis heute fast ohne Änderungen. Einschließlich des 14 Meter tiefen Brunnens im Haus, welcher die Hausbewohner auch zu unserer Zeit mit Wasser versorgen könnte.

 

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Außerdem gibt es in Rothenburg noch das Puppenmuseum, in welchem 800 verschiedene alte Spielzeuge gelagert werden (Puppen, Geschirr, Puppenhäuser, Spielzeugeisenbahn, Karussells), die in Deutschland und Frankreich in den letzten zwei Jahrhunderten gemacht wurden. Das Haus selbst, in welchem diese Kollektion „wohnt“ wurde im 15. Jahrhundert erbaut.

Mit einem Wort, auf die hiesigen Bürger könnte man echt neidisch werden. Obwohl sie zu der ganzen Schönheit, wie es so oft passiert, ein wenig anders stehen, als die unzähligen Touristen. Und oft zählen sie diese sogar zu den Störenfrieden des Alltags. Sowie Bewohner von Mittelmeerregionen es vorziehen ihren Urlaub irgendwo weit weg von den zärtlichen Wellen und dem in der Sonne glitzernden Sands.

 

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Leider ist so die menschliche Natur. Welche sehr organisch Weihnachtsschmuck, Keuschheitsgürtel, Puppen und das antike rote Auto, mit welchem, wie die Rothenburger behaupten, an Weihnachten Santa Clause kommt, miteinander kombiniert,

 

Boris Kunin

Aus dem Russischen von Yevgeniya Marmer

Foto des Autors.

 

русская православная церковь заграницей иконы божией матери курская коренная в ганновере

Über IF: Boris Kunin

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