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Münchhausen und das Geld

Die erstaunlichen und absolut unerwarteten Geschichten des Baron Münchhausen haben wir als Kinder sehr gerne gelesen. Und, trotz dessen, dass wir Kinder waren, verstanden wir sehr gut, dass das alles nur erfundene Geschichten sind. Fantasien, geboren von einem ziemlich auffälligen Literaturcharakter. Aber wie gerne wollten wir glauben, dass das uns Erzählte auch in Wirklichkeit möglich ist.

Dass mit Hilfe eines einzigen Stücks Speck man eine ganze Entenschar aufspannen auf einen Faden kann, einen Hirsch mit einem Kirschkern erschießen, sodass auf seiner Stirn ein Kirschbaum wächst oder sich selbst an den Haaren aus dem Sumpf herausziehen. Dazu noch mit einem Pferd, wie das auf dem Notgeld aus Rinteln und Bodenwerder abgebildet ist.

 

 

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Bild 2 Deutschland /Bodenwerder – Notgeld – 20 Pfennig von 1922

 

Denn bei Münchhausen hat das geklappt. Und wie! Das waren unglaubliche Geschichten. Auch wenn darin nicht die Baba-Jaga, und Koschtschej der Unsterbliche vorkamen. Darin nahmen teil echte lebendige Wesen aus der uns – kleine Leser – umringenden Welt. Und nichtsdestotrotz, schienen die Abenteuer des Barons, absolut unglaublich. Denn sich vorzustellen, dass man einfach einen Wolf nach außen drehen kann wenn man ihn an der Zunge nimmt, nur auf einem halben Pferd reiten oder auf einer Kanonenkugel fliegen, ohne sich wehzutun, ist sogar für Kinder schwierig.

 

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Bild 3 Deutschland/Rinteln – Notgeld – 50 Pfennig von 1920

 

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Bild 4 Deutschland/Bodenwerder – Notgeld – 50 Pfennig von 1922

 

Münchhausen hatte einen historischen Prototypen. Er hieß Hieronymus Carl Friedrich von Münchhausen*. Dieser Mensch wurde am 11. Mai 1720 in Bodenwerder geboren, wo sich bis heute behutsam an ihn erinnert wird. Das Haus, in dem der künftige Lügen-Baron zur Welt kam, – das ist das heutige Rathaus der Stadt. Dort kann man wohl die einzige Abbildung Münchhausens sehen, die zu seinen Lebzeiten gemacht wurde**. In Bodenwerder wurden auch andere erinnerungswertvolle Orte erhalten, die mit Münchhausen als historische Person verbunden sind. Z.B. der Gasthof „Schulenburg“, der einst seiner Familie gehörte. Heute befindet sich darin das Museum Münchhausens mit einer Menge an interessanten Ausstellungsobjekten. Mit seinem Namen wird auch das Archivhaus in Rinteln verbunden, das man auf dem Notgeld dieser Stadt im Wert von 50 Pfennig sehen kann.

 

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Bild 5 Deutschland/Rinteln – Notgeld – 50 Pfennig von 1920

 

Das ist seinerseits ein originelles Gebäude, das früher als Lager für wichtige Dokumente gedient hat und heute unverändert geblieben ist. Nur dass statt der Holzgitter an den Fenstern, wie auf den Notgeldern ausgewiesen, jetzt Glas drin ist. In den vergangenen Jahrhunderten wurden Wertpapiere und Dokumente nicht selten vor Feuer in solchen „Zubauten“ versteckt. Obwohl Steinmauern nicht immer Sicherheit garantiert haben. Das nächste Gebäude, neben dem Archiv, gehört, wie das heute so schön gesagt wird, zum gleichen architektonischen Komplex. Und trägt ebenfalls Münchhausens Namen. Seine Abbildung schmückte das Notgeld aus Rinteln im Wert von 25 Pfennig.

 

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Bild 6 Deutschland/Rinteln – Notgeld – 25 Pfennig aus 1920

 

Neben dem Museumshaus von Münchhausen kann man in Bodenwerder auch das Gartenhaus des Baronen besuchen – das s.g. Lügenpavillion. Er wurde nach Münchhausens Verordnung in 1763 erbaut, und genau dort entzückte er seine Gäste mit Erzählungen über seine harmlosen Gefabel. Noch im Dienst der russischen Krone, *** begeisterte er seine Kollegen und Freunde mit seinen unglaublichen Geschichten. Für die Russen nahm Münchhausen an vielen Militärkampagnen teil. Er kämpfte in 1738 zuerst mit den Türken (Russisch-Türkischer Krieg 1735-39), und dann, in 1741, auch mit den Schweden (Russisch-Schwedischer Krieg 1741-43). Man sollte nicht zweifeln, dass im Leben dieses Menschen genug Abenteuer stattgefunden haben. Nicht nur einmal stieß er mit Todesgefahr zusammen. Außerdem war er ein passionierter Jäger und verpasste niemals die Möglichkeit auf Wildenten zu schießen.

Wohl haben die Umstände, wenn auch nicht erwirkt, dann zumindest den auch so großen Wunsch des Baronen zu erfinden und zu fantasieren verschärft und verstärkt. Natürlich ist es weniger wahrscheinlich, dass der historische Baron Münchhausen seine Zeitgenossen darin versicherte, dass er einst einen Bären fing, indem er die Deichsel des Karrens mit Honig einschmierte. Der Bär hat wohl angefangen sein Lieblingsessen zu naschen und ohne es zu merken spießte er sich selbst auf. Und zwar so, dass der listige Jäger nur in die Deichsel eine Gehre einschlagen musste, damit der Bär nicht wieder abhaut.

 

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Bild 7 Deutschland/Rinteln – Notgeld – 25 Pfennig von 1920

 

Das erste Buch über die Abenteuer des Barons wurde noch zu seinen Lebzeiten veröffentlicht. Sie wurde 1785 anonym in London von einem deutschen Auswanderer Rudolf Erich Raspe (1737-1794) gedruckt. Es hieß „Erzählungen des Baron Münchhausen über seine unglaublichen Abenteuer und Kampagnen in Russland“. Es wird gesagt, dass Münchhausen wegen diesem Buch außer sich war. Denn der Baron wurde dort nicht nur als Angeber dargestellt, sondern auch als dreister Lügner. Aber, womöglich, wurde Münchhausen auch von dem Fakt erzürnt, dass auf seine Verfasserschaft ein Anschlag verübt wurde.

Und ein Jahr später, in Deutschland (Göttingen) hat das Licht der Welt das Sammelband von Gottfried August Bürger (1747-1794) mit dem Namen „Unglaubliche Abenteuer auf See und auf Land, Reisen und lustige Abenteuer des Baron Münchhausen, wie er sie selber mit einer Flasche Wein für gewöhnlich erzählt“ erschienen. Das war eine etwas überarbeitete Version des englischen Buches von Raspe. Übrigens, genau davon wurde später die Übersetzung „Münchhausen“ ins Russischen gemacht. Und was ist mit Hieronymus Carl Friedrich? Leider, am Ende seines Lebens wurde er umso mehr von Unglück verfolgt. Meistens in Familienangelegenheiten. Und in 1797 ist er verstorben. Er wurde in seinem heimatlichen Bodenwerder beigesetzt, in der Familiengruft in der Klosterkirche Kemnade. Übrigens, man möchte unbedingt dran glauben, dass er sich im Sterbebett an seine fantastischen Abenteuer erinnerte.

 

Anmerkungen:

* Hieronymus Carl Friedrich Freiherr von Münchhausen.

 

** Das Porträt ist mit 1750 datiert. .

 

*** In der Russischen Armee diente Karl Friedrich von Münchhausen insgesamt 12 Jahre, bis er den Titel des Rittmeisters in einem Eliteheer verdient hat.

 

Aus dem Russichen von Yevgeniya Marmer

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Über IF: Rolf Meisinger (Mannheim )

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