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Integrationszentrum Mi&V e.V. – Mitarbeit und Verständigung

Das Leben mit zugenähten Hosentaschen

„Lebst du noch, mein altes Mütterchen?“

Das vom Volk Geliebte aus S. Esenin.

Obwohl der Dichter sehr talentiert war, ist es auch ihm nicht gelungen vorauszusehen, wie sein Wort erwidert wird. Auch wir konnten das nicht. Während die sowjetische Macht regierte, wurden wir zwar mit Mühe und Not, aber doch noch von der Medizin versorgt.

Man wurde sogar zu Hause besucht, wenn es nötig war. Heutzutage muss man sich eine Krankenversicherung zulegen und wenn man kein Geld hat, braucht man auch keine Hilfe zu erwarten. Der größte Teil der ukrainischen Bevölkerung hat es nicht. Die, die es doch haben, erzählen immer öfter von den schicken Polikliniken mit Bildern, Rezeptionen mit Blumen in riesigen Vasen und mit zierlichen Damen in Arbeitskleidung und zwar so, dass es sich einem als unmöglich erweist, sie zu zitieren. In diesen Polikliniken wird nämlich nicht mehr behandelt, sondern das Geld aus der Nase gezogen. Zwar machen es nicht alle, aber sehr sehr viele.

 

Tja, nun ist die Medizin versicherungspflichtig. In Russland hat man schon seit Längerem gemerkt, dass der riesige Anteil des Budgets, der für die Medizin zugeteilt wurde, noch nicht in die Kluppe genommen wurde. Somit haben sich die „jungen Kaufmänner“ da ran gemacht, indem sie dabei den Bedürfnissen und Nöten des Volkes entgegenkommen. Wie üblich wurde diese Unverschämtheit als Qualitätsverbesserung der medizinischen Behandlung des Volkes benannt.

Zunächst einmal fing man an, die vorhandenen medizinischen Einrichtungen zu schließen. Und wenn die Stadteinwohner noch irgendeine Wahl haben, so müssen die Menschen aus den ländlichen Gebieten die Kranken mit Notfällen oder Gebärende in die Bezirks- oder gar kilometerweitentfernte regionale Zentren bringen. Und das auf russischen Straßen!

So sterben dann die Menschen, ohne auch nur irgendetwas zu bekommen. Und auch wenn sie doch angekommen sind…Die Krankenbehandlung ließ auch früher schon zu wünschen übrig und jetzt…Somit müssen die Verwandten nach den Kranken sehen. Und wann soll man arbeiten? Es ist schwierig die zwei Sachen zu vereinen. Die Krankenschwestern muss man im Auge behalten, denn sie könnten das Geld nehmen und würden dabei nichts machen. So wird in Russland die Qualität der medizinischen Behandlung erhöht.

Das Wesentliche ist aber, dass es keine Zahlen und keine Daten gibt. Die Normen der Krankenbetten und medizinischer Angestellte pro Einwohner kann man noch herausfinden, deren tatsächliche Anzahl wird so geheim gehalten, wie nicht mal die Papiere der Gewaltstrukturen geheim gehalten werden.

Inspiriert von dieser Aktion, hat sich die ukrainische Regierung auch an die medizinische Reform rangemacht. Die Art der Maßnahme, die Motive und auch die Ergebnisse waren dieselben. Mehr noch, um zu zeigen, dass wir nicht schlechter und sogar besser als Russland sind, wurden auch die Stadtpolikliniken ins Visier genommen. Diese Polikliniken ist die letzte Zuflucht für die gebildeten Ärzte des Vorrentenalters und für die veraltete, aber vielfältige und was wichtig ist, funktionierende Ausstattung.

Man muss jedoch anmerken, dass die Ausstattung allein noch nichts heisst, die Ergebnisse der instrumentellen Behandlungen benötigen eine Interpretation und dies kann ausschließlich ein Mensch machen. Ein Mensch der Erfahrung und die nötige Qualifikation besitzt.

Was wird uns nun vorgeschlagen? Uns werden Familienärzte und Kinderärzte vorgeschlagen (um nicht zu sagen untergejubelt), die innerhalb von zwei Wochen mal eben schnell bei den entsprechenden Kursen zu Ärzten gemacht wurden. Ein gebildeter Mensch wird es nicht riskieren, solche Kurse zu besuchen, da er versteht, dass man dort innerhalb von zwei Wochen nichts lernen wird. Denen, die es doch riskieren würden, könnte man wohl kaum die Gesundheit und das Leben des Patienten anvertrauen. An solch einen Arzt könnte man sich nur bezüglich eines Attestes wenden. Es wäre jedoch besser, sich zuerst einen Rat bei einem erfahrenen „Medikus“ zu holen, wer weiss, was sie dort sonst noch schreiben…

            Man möchte diese Menschen als „Leidensreformatoren“ bezeichnen, aber wenn man so überlegt, ist es nicht mehr witzig. Um diese Reformen gibt es echtes Leid. Die Söhne der Minister des Gesundheitswesens, die die ewigen Sieger sind, was die Beschaffung von Medikamenten für die staatlichen Krankenhäuser angeht, beschaffen Medikamente, die Kindestode zur Folge haben.

            Jedoch gilt das nicht für alle medizinischen Einrichtungen. In Kliniken, in denen die Regierung behandelt wird (die ehemaligen „Kremlleute“) fühlen sich prächtig.

            Und noch was. „Parkettböden, Ärztebögen“ wurde in den vergangenen Zeiten den Mitarbeitern des vierten Ministeriums für Gesundheitswesen der UDSSSR, denselben „Kremlleuten“ nachgesagt. Damit war gemeint, dass weder die superkomfortablen Krankenzimmer und die modernste Technik, noch Medikamente der letzten Generation von allein dem Patienten nicht helfen können. Dem Patienten kann ausschließlich der Arzt helfen. Ein vernünftiger, gebildeter, erfahrener Spezialist. Es macht Sinn, das in Erinnerung zu behalten. Die Bevölkerung weiss es. Und die anderen sollten es auch.

            Es bleibt nichts Anderes, als einen traurigen Rückschluss zu ziehen: indem die Regierung ihre Einkünfte von der Medizin und Pharmakologie erhöht, verringert sie die Einwohnerzahl. Das Tempo des natürlichen Rückgangs ist anscheinend nicht ausreichend. Eine einzige Sache lässt Hoffnung: die Bevölkerung muss nicht zum ersten Mal überleben. Wir werden also sehen wer wen…

Die Lage der Ukraine ruft keine Freude hervor. Der Produktionsstand fällt und die Bevölkerung näht auf eine natürliche Art und Weise die Hosentaschen zu. Sie will einfach nicht ihre ehrlich verdienten Mittel mit der Regierung teilen. Jedoch muss die Heimat aus der Krise gezogen werden, wir leben hier und es gibt keinen Ausweg. Wenn die Taschen zu sind, das Geld aber knapp ist, muss man Orte suchen, wo es Geld für den Aufstieg der Wirtschaft gibt. Noch während der sowjetischen Regierung angeeignete Grundlagen des Marxismus zeigen, dass es solche Orte gibt. Diese Orte heissen Banken. Derselbe Marxismus zeigt, dass der Banker immer bereit ist, Geld zu leihen, besonders wenn die Prozente für den Kredit ausreichend hoch sind.

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Ein Neubaugebiet in Kiew

 

Kiew, zum Beispiel, flimmert nur so vor Anzeigen über Kredite unterschiedlichster Art. Das sind Konsumkredite für die Bevölkerung. Um die Wahrheit zu sagen, nimmt die Bevölkerung diese selten und ungern auf, es gibt keine Dummköpfe, danach wird man es nicht auszahlen können. Es gibt aber auch Business verschiedener Ausmaße. Vielleicht nehmen ja gerade die Businessmänner Kredite auf?

Die große Mganga, die nationale Bank der Ukraine, behauptet, dass das Guthaben der Bänke des Landes im September des laufenden Jahres etwa 1,4 Trillionen Griwna betrugen. Wie dem auch sei haben fast 63% dieser Riesensumme mit Kreditvorgängen zu tun. Das allgemeine Wachstum der Kreditgewährung betrug von Januar bis September dieses Jahres ganze 6 %. Es ist jedoch dreimal so viel nötig. Übrigens betrug im Jahr 2000 das Wachstum der Kreditgewährung 50 % des Guthabens. Wie man so schön sagt, merken Sie den Unterschied!

Leben und arbeiten muss man jedoch jetzt. Wir vertrauen unseren Bänken verdientermaßen nicht und bitten das Ausland. Das Ausland ist nett, wer weiss, vielleicht hilft es uns ja?

Es stellt sich heraus, dass es nicht hilft. Die ausländischen Banken hauen aus dem Land schneller ab als die Bevölkerung. Im Jahr 2012 sank der Anteil des ausländischen Kapitals in dem Statutenfond der ukrainischen Banken um 3 %, von 41% auf 39%. Und innerhalb der neun Monaten des noch nicht abgelaufenen Jahres 2013 um 6% und beträgt nun 33%. Die europäischen Banken wollen bei uns anscheinend nicht wohnen und auch kein Geld geben.

Es ist aber auch klar. Die Banker wollen, dass man ihnen das Geld zurückzahlt. Bei uns ist man dies jedoch nicht gewohnt, bei uns geben das Geld nur die Schwächlinge zurück, während man bei den Starken lange darauf warten wird. Sie haben die Gewohnheit von den Darlehensgebern zu verlangen, zum Beispiel Schmerzensgeld. Es passiert auch mal, dass sie es bekommen.

Es gibt noch eine weitere Sache. Geld ist eine launenhafte Sache. Es liebt nicht nur das Konto. Es liebt aber auch noch die Stille, Sicherheit und Stabilität. Wie es um die Sicherheit des Geldes steht, werden wir gleich sehen.

Fakt Nr. 1 Im Juli dieses Jahres wurde in Frankreich der Haupt der kasachischen BTA-Bank Mukhtar Ablyasov festgenommen. Im Jahr 2009 wurde ihm die Bank weggenommen und somit ist er…verschwunden. Im Jahr 2011 haben die Briten ihm politisches Asyl gewährleistet. Die Briten sind bekannte Bürokraten, man muss ihnen einen formellen Grund geben, sonst geben sie kein Asyl. Keinen Bunker, keinen politischen.

Die Ansprüche an den flüchtigen Banker haben vor allem Russland und Kasachstan. Festgehalten wurde er jedoch auf Anweisung von, Sie werden lachen, Ukraine. Da fragt man sich doch, was gehen euch irgendwelche politischen Auseinandersetzungen an?

Fakt Nr. 2 Ende September des laufenden Jahres haben die Mitarbeiter der Einrichtung für Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität das zentrale Büro einer der größten Bänke von Ukraine, Ukrsozbank, durchsucht. Es gibt Angaben, dass es was mit der Enteignung der Geldauflage der Schuldner der Bank zu tun hat. Das Büro ist in Kiew, aber die Einrichtung, was charakteristisch ist, befindet sich in Donezk. Interessant zu erfahren, wer ihnen erlaubt hat, in Kiew zu arbeiten?

Zwei Fälle sind schon eine Tendenz, somit kann man die ausländischen Banken schon verstehen. Aber wie soll man die Regierung verstehen? Sie beklagt sich über die Schwierigkeiten der Investition und stehen sich selbst gleichzeitig im Weg! Es scheint, als sollten sie lernen, mit breit zugenähten Hosentaschen zu leben.

 

Foto von Sergej Vikman

русская православная церковь заграницей иконы божией матери курская коренная в ганновере

Über IF: Boris Zborovski, Daniil Tkatschukovski

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