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„Gottesratgeber“ mit stacheliger Haut

Igel sind in vielerlei Hinsicht einzigartige Wesen. Ihre entfernten Vorfahren bevölkerten unseren Planten noch vor 65 Millionen Jahren. Und so, wie wir sie heute kennen, liefen die Igel durch Wälder und Wiesen, Steppen und Wüsten schon vor 15 Millionen Jahren. Somit gehören diese Tiere zu den ältesten Säugetieren, die bis heute erhalten geblieben sind.

 

Wer kennt nicht dieses kleine lustige Tierchen auf kurzen Pfoten mit einem spitzen Maul und einem Haufen Nadeln auf dem Rücken? Sie sind ewig „beschäftigt“: sie beeilen sich irgendwohin, erschnüffeln irgendetwas. Also erwecken den Anschein einer vollständigen Beschäftigung. Manchmal, wenn man seine Machenschaften beobachtet, möchte man fragen: „Igel, was ist, brauchst du alles mehr als andere?..“ Womöglich, genauso dieses wuselige Verhalten, zusammen mit unzufriedenem und scheinbar überheblichem Schnaufen, hat bei den alten Slawen dazu geführt, dass Mythen über eine große Weisheit des Igels entstanden sind. Denn, sogar Gott, als er die Erde schuf, hörte auf die Ratschläge des stacheligen Zwergs. Denn es gibt auf der Welt kein anderes Tierchen, das damit angeben könnte, älter und erfahrender als der Igel zu sein.

Jedoch, wenn man den Märchen Glauben schenkt, ist er nicht nur weise, sondern auch hinterlistig. Können Sie sich an Leo Tolstois „Der Igel und der Hase“, wo die beiden Tiere ein Rennen veranstalteten, erinnern? Der Hase beleidigte den Igel mit der Bemerkung, dass er schiefe Beine hätte. Worauf der Igel erwiderte, dass er ohne Probleme den Hasen überholen kann. Aber bevor sie ihren Streit entschieden, schaffte der listige Igel mit seiner Frau zu sprechen, damit sie sich am Ende der Strecke versteckte. Als der Hase loslief, versteckte sich der Igel am Start. So tauchten der Igel und die „Igeline“ abwechselnd „vor“ dem Hasen beim Ziel auf, bis dieser aufgab und den absoluten Sieg seines stacheligen Gegenspielers anerkannte.

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Bild 1 Buxtehude – 25 Pfennig aus 1920

 

Leo Tolstoi übernahm diese Geschichte von den Gebrüdern Grimm. Und sie, ihrerseits, übernahmen diese bei dem deutschen Autor Wilhelm Schröder (1808-1878)*. In Deutschland war dieses Märchen so beliebt, dass in 1920 die Figuren sogar die Notgelder der Stadt Buxtehude (ein Regionszentrum in Niedersachsen) schmückten. Wo laut Schröder einst auch die Märchenrennen stattfanden.

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Bild 2 Buxtehude – 25 Pfennig aus 1920

 

Abbildungen des Igels auf den Münzen der Welt

Heute sind der Wissenschaft 23 Igelarten bekannt, die in sieben Geschlechter aufgeteilt und in zwei Familien vereint sind, die dementsprechend „echte Igel“ und „Rattenigel“ (oder Haarigel) heißen. Die Unterscheidung der zweiten Familie ist das Fehlen der Nadeln auf dem Körper. Meistens besiedeln diese Tiere die feuchten Wälder von Südostasien. Auf mäßigen Breitengraden** kommen dann die uns von der Kindheit bekannten stacheligen Igel. Solche, wie der osteuropäische Igel (Erinaceus concolor), dessen Abbildung sich auf der silbernen Silbermünze der Republik von Weißrussland in Höhe von 20 Rubel aus 2011 befindet. Interessant ist, dass im Auge des Tierchens ein Swarowski-Kristall steckt. Was sozusagen sein Bild „lebendig“ macht.

Puc 3 Weissrussland 20Rubel 2011 

Bild 3 Republik von Weißrussland – 20 Rubel aus 2011

 

Es gibt auch eine goldene Version dieser Münze (50 Rubel) Davon gibt es nur 1000 St. Und darauf besteht das Igelauge schon aus einem echten Brillianten!***

Das allgemeinbekannte Tierchen – erinaceus europaeus. Es hat kleine Ohren und relativ kurze Nadeln (bis 3 cm). Die größten Exemplare dieser Art kommen selten über eine Länge von 30 cm. Man kann ihn im Wald oder in der Waldsteppe vorfinden. Die sympathische Abbildung der ganzen Familie der europäischen Igel schmückt die Silbermünze von 20 Zloty von 1996. Dabei hat der Maler dort den „durchschnittlichen“ Wurf gezeigt, der bei diesen Tieren etwa fünf Kinder beträgt. Seltener werden sieben oder sogar acht Igel geboren. Die Igelbabys kommen nackt und blind zur Welt. Und auch wenn es komisch erscheint, die Nadeln kommen einige Stunden nach der Geburt schon durch. Während die Augen erst am 16ten Tag sich öffnen.

Puc 4 Polen 20Zl 1996 

Bild 4 Polen – 20 Zloty aus 1996

 

In den Steppen des südlichen und südöstlichen Daurien[1] überkreuzt sich das Areal des osteuropäischen Igels mit dem Areal des daurischen Igels (Mesechinus dauuricus). Im letzten halben Jahrhundert wurde ein starker Abstieg der Anzahl dieser Population beobachtet. Was dazu diente, dass diese Art in das Rote Buch Russlands eingetragen wurde. Der daurische Igel ist von Größe her nicht viel kleiner als sein europäischer Bruder. Aber es gibt bemerkenswerte Unterschiede. Z.B. ist er weniger stachelig. Weil seine Nadeln nach hinten gerichtet sind. Er hat auch nicht die für europäische Igel typischen Streifen nackter Haut auf dem Kopf. In 1999, nach der Bestellung des Banks von Russland wurde eine silberne Erinnerungsmünze**** in Höhe von 1 Rubel aus der Serie „Rotes Buch“ gestanzt, welche den daurischen Igel verewigt.

 Puc 5 Russland 1Rubel 1999

Bild 5 Russland – 1 Rubel aus 1999

 

Interessant ist, als die Maßnahmen zur Erhaltung dieser Art besprochen wurden, so wurde zusammen mit der „Vergrößerung des Netzes besonders geschützter Gebiete“ und der „Verringerung der Menge und der Maßstäbe der Wald- und Steppenfeuer“ auch die folgende Alternative angeboten wurde – „Begrenzung des leinenlosen Hundehaltens“… Das Gebiet der Verbreitung des daurischen Igels schließt auch die Gebiete der nordöstlichen Mongolei und Nordchinas. Wo zu seinen Nachbarn auch der Ohrenigel (Hemiechinus auritus) zählt. In 2012 erblickte im Rahmen der Serie „Schutz des Tieres der Welt“ in der Mongolei das Licht der Welt eine sehr interessante silberne Erinnerungsmünze. Darauf ist ein eingerollter Ohrenigel, oder eher ein Igelbaby abgebildet. Die Auflage der nun numismatisch seltenen Münze betrug 2500 St. Übrigens, in ihrem Fall wurden auch Einsätze von schwarzen Swarowski-Kristallen genutzt. Und wieder als Augenersatz bei dem Tierchen.

Puc 6 Mongolien 500Tugrik 2012

Bild 6 Mongolei – 500 Tögrög aus 2012

Die Unterscheidungsbesonderheit dieser Säugetiere, wohl wegen des Namens, sind die langen (bis zu 5 cm) Ohren. Neben der Mongolei, können Vertreter der Art (oder Geschlechter) der Ohrenigel auch in Pakistan und Afghanistan getroffen werden. Sie bevorzugen trockene Steppen und Halbwüsten, aber unbedingt in der Nähe von Gewässern: Flüsse, Kanäle und Aryks[2]. Nicht selten leben sie in der Nähe von Menschen. Sie ernähren sich, wie alle Igelarten von Insekten, Würmern, Scheichs, kleinen Nagetieren und Vogeleiern. Der Ohrenigel kommt auch in den Republiken von Zentralasien vor. Jedoch wurden dort zu seinem Ehren keine Münzen herausgegeben. Dafür aber vor Kurzem (7. Juni 2013) wurde in Kasachstan eine Silbermünze aus der Serie „Rotes Buch von Kasachstan“ mit der Abbildung des langnadeligen Igels (Hemiechinus hypomelas) herausgebracht.

Puc 7 Kasachsta 50Tenge 2013 

Bild 7 Kasachstan – 500 Tenge 2013

 

Dabei befindet sich das Bild des stacheligen Endemiten auf beiden Seiten der 500 Tenge-Münze. Nur auf der Vorderseite (Avers) wurde er vom Maler stilisiert abgebildet. Und vom Design her ist die hintere Seite (Revers) der kasachischen Münze der mongolischen ähnlich. Der Igel ist dort auch eingerollt abgebildet. Womöglich, ist genau so eine Abbildung des Igels auf Münzen beider Länder nicht zufällig. Denn in Zentralasien wird seit Anbeginn der Zeit dieses Tier mit der Sonne assoziiert. Und die Stacheln des Igels erinnerten die alten Wanderer an Sonnenstrahlen. D.h., dass der eingerollte Igel und der borstige Igel nichts anderes sind, als das antike Solar-(Sonnen-)symbol.

 

Die Symbolhaftigkeit des Igels

Den Igel kann man in der Heraldik einiger antiker europäischer Familien auftreffen. Z.B. auf den Familienwappen der polnischen Szlachta (16. – 17. Jhd.), wo er nicht nur den Widerstand und den Schutz symbolisierte, sondern auch den Kampf mit dem Bösen. Es ist bekannt, dass die Igel keine Angst vor den Schlangen haben. Und bei der ersten Möglichkeit treten sie mit ihnen den Kampf an. Dabei sind sie den Schlangengift und anderen Giften nicht erlegen. Wahrscheinlich hat der in der Vorstellung der diese beobachtenden Menschen der Igel eine Art Image des Schlangenkämpfers erhalten. Ähnliche Glaubensrichtungen waren auch in einigen mittelalterlichen Kulten verbreitet. Es ist bekannt, dass die Serben bei sich ein Igelherz als Schutz trugen, und die Makedonier befestigten sein Fell und das getrocknete Maul an die Mütze und an die Kleidung zum Schutz vor bösen Blicken. Gleich mehrere Igel aus auf dem heraldischen Schild vom Birmingham Handelstoken (münzenähnliches Zeichen) in Höhe eines halben Penny aus 1792 zu sehen. Was ist das? Vielleicht, einer Art Erfolgsgarantie bei Handelsoperationen?

 Puc 8 Birmingham Halfpenny 1793

Bild 8 Birmingham (England) – ½ Penny aus 1792

 

Eine alte slawische Legende erklärt die Entstehung der Igel auf eine ziemlich sonderbare Art. Und zwar, dass sie aus den Haaren des Teufels (Satans) geboren worden wären, als er sein Fell kämmte. Aus diesem mythologischen Grund ist auch die Beziehung der Menschen zu diesem erstaunlichem und ziemlich nützlichen für die Erhaltung des Gleichgewichts in der Natur (im Wald und im Garten) Tierchen zu allen Zeiten lange nicht einseitig. Für die einen war es die Ausgeburt der dunklen Mächte – im mittelalterlichen Europa hieß es, dass Hexen sich in Igel verwandeln konnte und in dieser Form stahlen (aussaugten) die Milch von den Kühen. Bei anderen symbolisierte der Igel Reichtum und Wohlstand, z.B. in China und Japan. In der akkadischen Mythologie hatte er die Rolle des Attributs der Kriegsgöttin Ishtar. Und bei den Slawen gab der Besitzer von harten und spitzen Stacheln Ratschläge in der Wohnkultur der ganzen Welt dem Allmächtigen selbst.

 

Bild 9 Die Cookinseln – 5 Dollar aus 2011 – Der Igel aus dem Trickfilm

 

Anmerkungen:

* Als erstes wurde es in 1840 in der Zeitung „Hannoversches Volksblatt“ veröffentlicht.

** Zwischen den subtropischen und subpolaren Breitengraden der Nord- und Südhalbkugel.

*** Gestanzt in Deutschland. Das Design wurde in Weißrussland von S. Nekrasov ausgearbeitet.

**** Die Maler A.S. Kunaz und A.W. Baklanow



[1] Daurien (russisch Даурия, auch Dahurien, seltener Davurien) oder Transbaikal bzw. Transbaikalien ist eine gebirgige Region im Osten Russlands/Sibiriens. Sie liegt zwischen dem Baikalsee und dem Oberlauf des Amur. Oft wird auch der Nordosten der Mongolei dazugezählt. Das Gebiet erstreckt sich in Nord-Süd-Richtung über etwa 1000 Kilometer vom Patomhochland und dem Nordbaikalplateau bis zur russischen Grenze, von West nach Ost ebenfalls über etwa 1000 Kilometer vom Baikalsee bis zum Zusammenfluss von Schilka und Argun zum Amur. Der Name leitet sich vom mongolischen Volk der Daur ab, die früher diese Region bewohnten. Die bedeutendsten Städte der Region sind Tschita und Ulan-Ude (aus Wikipedia).

[2] In Zentralasien ist ein Aryk ein ziemlich kleiner Aquädukt (Anmerkung des Übersetzers).

русская православная церковь заграницей иконы божией матери курская коренная в ганновере

Über IF: Rolf Meisinger (Mannheim)

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