Start // Artikeln // Kultur // Geschichte // Zeitreise
Integrationszentrum Mi&V e.V. – Mitarbeit und Verständigung

Zeitreise

Wie sich herausgestellt hat, sind Zeitreisen nicht immer mit Fantasie verbunden. Es war ein guter Samstag ausreichend und wir sind, ausgeschlafen und ausgiebig gefrühstückt, ins Auto gesprungen (nicht in die Zeitreisemaschine, sondern in einen gewöhnlichen alten „Opel“) und haben gemeinsam ausgerufen: „Lasst uns fahren!..“.

 

 

Nur ein bisschen mehr als eine Stunde Fahrt, aber es ging natürlich nicht ohne Abenteuer mit dem Navi – ein Pflichtprogrammpunkt bei jeder Fahrt, – wenn man sich nur einige Kilometer von der Autobahn entfernt findet man sich in einer ganz anderen Zeit wieder, etwa 300 oder sogar 500 Jahre vor der heutigen Zeit…

 

Die Vergangenheit wohnt, in der Regel, im Museum, aber an einem sonnigen Herbsttag möchte man lieber spazieren und die letzten Sonnenstrahlen genießen, deswegen wurde kein einfaches Museum ausgewählt, sondern eins unter freiem Himmel. Somit, in der Zeit reisend, und überhaupt nicht auf den Spaziergang auf frischer Luft verzichtend, waren wir in zwei solchen Museen unter freiem Himmel: in einem großen und in einem kleinen. Ich werde sie nicht vergleichen, aber sie sind beide interessant, kognitiv und, zweifellos, verdienen die Aufmerksamkeit der Besucher.

 

Das Museum in der Lüneburger Heide.

 

Das Museumsdorf Hösseringen befindet sich auf dem Gebiet alter fürstlicher Anwesen umringt von Wäldern, zwischen Celle und Uelzen, und nimmt eine Fläche von 10 ha ein. Die hohen Kiefern und der Laubwald erfüllen die ganze Umgebung mit frischester Luft, sodass bei uns, Stadteinwohnern, der Umfang des Sauerstoffes anfangs sogar leichtes Schwindeln hervorruft.

DSC08008

Ursprünglich wurden die Mechanismen von Tieren in Bewegung gebracht,

die im Kreis gingen, aber später wurden Motoren benutzt.

DSC08013

In den 26 Bauten, die für die Landwirtschaft in der Lüneburger Heide der vergangenen Jahrhunderte (ungefähr ab 1600 bis 1950) typisch sind, befinden sich unterschiedliche Ausstellungen, die über das Leben und den Alltag dieser Zeit erzählen.

DSC07989

Die Ausstellung, die der Herstellung von Milchprodukten gewidmet ist.

Die Videos zeigen und erzählen alles über die Herstellung von Öl und Schmand in diesen entfernten Zeiten.

DSC07991

Die Kollektion hat an die 45000 Objekte: von gewöhnlicher Nadel bis zur großen Mühle. Hier kann man sehen, wie die Schmiede, die Bäckerei, das Sägewerk, die Imkerei, der Steinbruch, das Feuerwehrhaus, der Schafsstall, die Weberei, verschiedene landwirtschaftliche Bauten der vergangenen Jahrhunderte, aber auch unterschiedliche Werkzeuge der Bauernarbeit und Alltagsgegenstände aussahen.

 DSC08014

Der Webstuhl für die Wolle der Lüneburger Schafe.

DSC08015 

An einigen Stellen werden die landwirtschaftlichen Grundkulturen, wie Kartoffeln, Roggen, Kohl und Erdäpfel angebaut, es gibt einen kleinen See mit Gänsen und, ohne Angst vor diesem Wort, ein Ferkelchen mit all seinen Aromen…

DSC08023

Holzhaufen.

DSC08029

Deutsche „Annehmlichkeiten auf dem Hof“ unterscheiden sich nicht von unsere russischen, und die schiefen Zäune, „wachsen“ wohl überall.

Einen bedeutenden Teil des Territoriums nimmt ein hügeliges Gebiet ein, bewachsen von Heidekraut. Deswegen ist die optimale Besuchszeit des Museums wohl zur Blütezeit des Heidekrauts – von Ende August bis Anfang September.

DSC08041

Die Schmiede mit all den notwendigen Werkzeugen.

DSC08042

 

DSC08068

Die Schreinerei.

Alles in dem Dorf befindet sich in dem ursprünglichen Zustand, so weit entfernt von dem Wohl der Zivilisation, sodass die ersten Schritte durch das Museum einen konfus machen. Ein komische Frage entstand in meinem Kopf zwanzig Minuten nachdem wir durch die ziemlich moderne Eintrittskasse-Souvenirshop das Museum betraten: „Wie soll man denn hier spazieren?“ Denn nirgendwo gibt es die gewohnten gepflasterten Straßen, sondern stattdessen – durcheinander von den Besuchern gestampfte kaum sichtbare Pfade. Spaziere, wie du willst, – von Haus zu Haus, von Schuppen zu Brunnen. Nur die Unterschrifttafeln bei den einzelnen Objekten lassen einen nicht das 21. Jahrhundert vergessen.

DSC08049

Der typische Teil des für das 17. Jahrhundert typischen Baus, der in sich den Wohnraum, den Stall und den Lagerraum auf dem Dachstuhl vereint.

DSC08077

Brümmerhof – ein großer und wohlhabender Hof des 18. und 19. Jahrhunderts

DSC08078

Ein besonders „wertvolles“ Objekt wurde sogar angeschraubt, damit die Bewunderer des Altertums es nicht mitnehmen.

DSC08085

Die Imkerei.

DSC08086

Die Bäckerei.

DSC08092

Keller-Lagerraum, hier wurde Eingesalzenes und Zuschnitte gelagert.

DSC08093

Früher befand sich alles unter einem Dach eins Bauernhauses – heute kann man sich nur schwer vorstellen, wie man in so einem Haus leben konnte, wo es so dunkel und kalt ist.

DSC08096

Der Durchmesser der Räder dieser Karren ist fast so groß wie ein Mensch!

 

Ungewöhnlich kleine Zimmerchen und Schlafzimmerzellen, das Feuer im Zentrum des großen Hauses, der Esstisch und hier auch gleich die Pferde und die Karren, und auf dem Dachstuhl – Heuhaufen und die Ernte.

 

Es ist schwer in einem kleinen Artikel über alles Gesehen zu berichten und detailliert die Atmosphäre des Altertums und die Nähe zur Natur zu überbringen. Und es absolut unmöglich mit Hilfe von Worten die Gerüche zu übermitteln, in die Sie buchstäblich eintauchen, – die Aromen des Heus, des Feuers, des Honigs und der Milch. Allein von diesen Gerüchen stockt einem der Atem! Ich bin sicher, dass die Leser, die jemals auf dem Land gelebt haben oder dort waren, meine Gefühle teilen werden. Man sagt ja nicht um sonst, dass es besser ist ein Mal zu sehen, als Hundert Mal davon zu hören, – ich rate Ihnen unbedingt dieses Museum unter freiem Himmel zu besuchen.

 

 

Fortsetzung folgt….

 

Fotos des Autors.

Aus dem Russischen von Yevgeniya Marmer.

 

 

русская православная церковь заграницей иконы божией матери курская коренная в ганновере

Über IF: Jana Kamalov

Auch lesen

Kipling: Ost und West

Zum 160. Jahrestag von Rudyard Kipling„Oh, Ost ist Ost, und West ist West, und es …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Яндекс.Метрика