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Nicht gottgewollt

Es scheint, als würde bei weitem nicht alles nach Gottes Willen geschehen. Zumal es, so traurig es auch klingen mag, höchstwahrscheinlich keinen Gott gibt.

 

 

Die zähe syrische Katastrophe

Am 22. September 2013 wurde Abu-Abdallah al-Libi getötet. Mit ihm zusammen sind weitere 12 Mitglieder der Organisation „Islamischer Staat im Irak und der Levante“ ums Leben gekommen. Al-Libi selbst war der Anführer des syrischen Teils dieser terroristischen Organisation.

Man sollte glauben, was ist schon dabei? In Syrien wurden schon mehr als 100 000 Menschen getötet und es hört nicht auf. Jeden Tag.

Es ist doch toll, dass seine eigenen islamistischen Brüder aus der freien syrischen Armee so grausam mit dem islamistischen Mitglied der Opposition umgegangen sind. Obwohl al-Libi Al-Kaida unterstützte, während seine Mörder westlich orientiert sind. Wahrscheinlich erlaubt genau dieser Umstand den tollen Kämpfern mit dem diktatorischen Regime von Asad, sich so verbissen gegenseitig umzubringen.

Auch der Westen begrüßt nicht den syrischen Diktator und versprach deshalb den Diktator mit Bomben zu belegen. Damit er sich wahrscheinlich nicht langweilt und sich nicht freut, wenn seine Gegner sich gegenseitig umlegen. Außerdem hat jemand in der Vorstadt von Damaskus am 21. August 2013 entweder 1400 oder 350 Menschen mit Sarin vergiftet. Die genaue Anzahl der Opfer differiert sehr.

Wenn man davon ausgeht, dass es für jemanden von Vorteil ist, dann wird klar, dass „die Kämpfer für die Freiheit“ am Werk waren. Asad hat diese Unverschämtheit schon mal gar nicht gebraucht. Denn Obama hat schon vorher gewarnt, dass die USA sich in den syrischen Krieg einmischen, wenn der Diktator Massenvernichtungswaffen gegen seinen Volk verwendet. Denn ohne das offene ausländische Einschreiten wird es den vereinten Demokraten-Terroristen nicht gelingen zu gewinnen. Mehr noch, sie haben angefangen, ihre Positionen zu verlieren und treten in vielen Haltungen zurück.

Andererseits kann nicht ausgeschlossen werden, dass irgendwelche Kommandeure der Armee Giftstoffe aus eigener Initiative verwendet haben. Als Variante sollte die Möglichkeit der Operation, die von dem saudischen Geheimdienst durchgeführt wird, nicht ausgeschlossen werden. In der syrischen Armee werden sich wahrscheinlich leicht ein paar Majore und Oberste finden, die für ein paar Millionen Dollar bereit sind, ein Quantum an Zivilisten mit Sarin zu vergiften, besonders wenn es Sunniten sind.

Zum Schluss sollte man noch die Version erwähnen, die in einem englischen Blog aufgetaucht ist. Angeblich hat der amerikanische Geheimdienst mit dem chemischen Angriff zu tun. Es ist jedoch nichts Originelles dabei. Wenn irgendwo irgendetwas Abscheuliches gemacht wurde, dann ist vielen klar, dass es nicht ohne USA oder zumindest nicht ohne die Zentrale Geheimnachrichtenagentur zugegangen ist.

Wer auch immer dieses Verbrechen in Guta begann, er handelte gar nicht gottgewollt. Es wurde außerdem aus dem weiteren Ablauf der Ereignisse klar, dass Obama sich nicht in noch einen Krieg einmischen möchte, oder nicht kann. Deshalb ist es ihm leicht gefallen, Russland entgegenzukommen und einzuwilligen, mit dem Bombenangriff zu warten, damit Asad die Möglichkeit hat, die Chemiewaffen abzulehnen. Danach zu urteilen, wie schnell der syrische Diktator angefangen hat, die an ihn gestellten Forderungen, wollte er mit Amerika keinen Krieg anfangen. Das sagt übrigens aus, dass in Guta Sarin wahrscheinlich ohne den Befehl von dem syrischen Präsidenten angewandt wurde.

In Russland wurde der vorläufige Widerruf der Bombenangriffe als der große Sieg der russischen Diplomatie und Herr Putins persönlich dargestellt. Man munkelt sogar, dass der russische Präsident den Nobelpreis des Friedens bekommen wird. Was schon gar nicht gottgewollt wäre.

Der Krieg in Syrien geht immer noch weiter, es ist auch unklar, ob Asad alle chemischen Waffen vernichten wird, so wie es auch unklar ist, ob in Syrien Buch über diese Waffen geführt wurde und ob es in Rahmen des Bürgerkrieges möglich ist, ihre Vernichtung irgendwie zu kontrollieren. Man kann jedoch mit großer Wahrscheinlichkeit annehmen, dass von nun an diese Waffen in Syrien sehr intensiv angewendet werden. Beide Seiten werden sich dabei gegenseitig die Schuld geben. Am meisten werden selbstverständlich die Zivilisten leiden. Und auch das ist gar nicht gottgewollt.

 

 

Das göttliche All

 

In letzter Zeit ist es in Russland sehr aktuell und fast schon unabdingbar, mit dem heiligen Wasser alles Mögliche zu bespritzen. Angeblich sollen nach der Heiligung die Schiffe besser schwimmen, die Raketen besser fliegen, die Häuser nicht auseinanderfallen und die Autos, die sogar in Russland zusammengebaut wurden, nicht kaputtgehen. Interessant ist, ob die Displays und die Hauptblöcke der PCs der Berieselung unterliegen? Und was ist mit den Atomsprengköpfen? Oder noch besser, ihr Urankern? Angeblich fängt Uran beim Kontakt mit Wasser ganz stark an zu brennen. Interessant ist auch, ob alle Atome in der Bombe heiliggesprochen sind oder nur ein Teil davon, sowie die nach der Kernexplosion auseinanderfliegenden Neutronen?

Der Leiter der Föderalen Weltraumagentur Wladimir Popowkin teilte zum Beispiel mit, dass er nichts gegen das Ritual der Heiligsprechung von Raketen und Satelliten mit heiligem Wasser hätte. Dabei fügte er, als ein Mensch mit klarem Verstand, hinzu, dass Funktionssicherheit der Raketen nicht von der Heiligsprechung, sondern von der Herstellungsqualität abhängt.

Am 2. Juli 2013, gleich nach dem Start flog aus dem Kurs, brannte auf und fiel der „Proton-M“ mit drei Satelliten GLONASS runter. Man hat sehr viel Geld verloren. Bei der Ermittlung wurde festgestellt, dass der Geberblock der Umlenkgeschwindigkeit in der Fabrik falsch rum eingesetzt wurde, dabei wurde beim Geber eine „Krafteinwirkung“ benutzt. Anders ausgedrückt, kann nichts unserem technischen Genie und seinem Hauptwerkzeug, dem Vorschlaghammer standhalten.

Es ist interessant, ob dieser „Proton“ entsprechend heiliggesprochen wurde und wenn ja, wie wurde dann der Pope, der diese Zeremonie durchgeführt hat, bestraft? Obwohl es nicht gottgewollt wäre, einen Geistlichen wegen solcher Kleinigkeiten zu bestrafen.

 

 

Diese unterschiedlichen Wahlen

Es haben fast gleichzeitig in verschiedenen Ländern Wahlen stattgefunden. In Norwegen und Australien wurde die Regierung in die Wüste geschickt. Das Volk meinte, dass diese Regierungen die Verlangsamung des Wirtschaftswachstums und die Absetzung der Konkurrenz zugelassen haben. Außerdem haben sie den Vorteil des Wirtschaftswachstums versäumt.

Das heisst, es hat schon ein Wirtschaftswachstum stattgefunden, jedoch aber nicht so einer, wie ihn die Wähler gerne hätten. Wahrscheinlich ist alles ganz einfach: die alte norwegische und australische Regierung waren zu lange an der Macht und wurden ihrem Volk zu lästig. Obwohl es bekannt ist, dass das Bessere des Guten Feind ist. Australien und Norwegen sind natürlich kein Russland, wo der Präsident Gott weiß wie lange an der Macht sein kann.

Aber auch der russische Wähler wird langsam von den immer gleichen Gesichtern, Parteien und Namen müde. So erreichte bei den Wahlen in Moskau der ehemalige Stellvertreter des Bürgermeisters der Hauptstadt Sergej Sobjanin den Sieg, für den 51,37% der Moskauer abgestimmt haben, die an den Wahlen teilgenommen haben. Das ist ein nicht unwichtiger Faktor. Denn das Erscheinen bei den Wahlen lag bei 32,07%. Mit anderen Worten, der gute Mann Sergej Semjonovich Sobjanin wurde von 17% der Moskauer gewählt, die ein Stimmungsrecht hatten.

Aber auch das ist für einen selbstnominierten Kandidaten kein so schlechtes Ergebnis. Wie amüsant es auch sein mag, aber S. Sobjanin zählte nicht als Kandidat der regierenden Partei „Einiges Russland“. Obwohl er Mitglied des höchsten Rates dieser Partei ist. Es scheint, als würde diese Partei zu etwas ganz Unanständigem werden.

Interessant ist auch, dass Sobjanin als ein Altgläubiger sich beim letzen Osterfest nicht geschämt hat, die nikonianische Hauptkirche in Moskau zu besuchen. Irgendwie ist es nicht gottgewollt. Aber was macht man nicht alles in Gesellschaft von Putin und Medwedjew?

Den zweiten Platz bei den Moskauer Wahlen nahm der Bürger Nawalnyj Alexej Anatoljewich ein. Er nahm 27,24% der Stimmen ein, was für einen ausgefuchsten Oppositionären ein anständiges Resultat ist. Es haben nicht mal seine äußerst nationalistische Ansichten und das Urteil im Fall Kirowles gestört.

Erstaunlich, dass einige, ziemlich anständige Menschen für Nawalnyj abgestimmt haben. Amüsant ist, dass Alexej Nawalnyj, ein extrem linksorientierter Nationalist, als ein Kandidat des rechten „RPR-PARNAS“ ernannt wurde. Deine wundervollen Taten, oh Herr!

Wenn der Mensch also die mittlere Reife in der Alabinsky Schule in der Militärsiedlung Kalininez, die sich in der Gegend von Moskau in der Nähe des Dorfes Taraskowo befindet beendete, dann hat er den direkten Weg in die Universität von Patrice Lumumba. Diese behielt ihre hauptsächliche Richtung der Arbeit, indem sie zur Russischen Universität der Völkerfreundschaft wurde. Oder besser gesagt die Richtung des Dienstes.

Es stellte sich jedoch heraus, dass diese Bildungseinrichtung nicht genug war, um zu einem berühmten Oppositionären zu werden. Es musste noch die Fakultät der Finanzen und Kredite in der Finanzakademie in Gegenwart der Regierung der Russischen Föderation absolviert werden. Jetzt weiss man also, wo die Kader für die Freiheitskämpfer geschmiedet werden!

Für den Abschluss der Bildung und für die Persönlichkeitsformung musste man auch noch in der Yale Universität studieren. Aber nicht lange, nur ein halbes Jahr.

Ziemlich interessant ist der Sieg von Jewgeni Wadimowich Roisman bei den Wahlen des Bürgermeisters von Jekaterinburg. Schon allein die Tatsache, dass am Ural eine Person mit dem Nachnamen Roisman einen von den Vorgesetzten mit dem Nachnamen Silin besiegte, sagt Vieles. Wo bewegt sich Russland hin, wenn in ihrer tiefsten Provinz der traditionelle Antisemitismus nicht mehr funktioniert?

Und wohin rollt das regierende „Einiges Russland“, wenn es bei den Wahlen von irgendeiner „Bürgerplattform“ besiegt wird, deren Kandidat genau der Roisman war? So kann auch der Milliardär Prohorow die Präsidentschaftswahlen gewinnen. Um Gottes Willen, natürlich.

Nicht gottgewollt wurde mit dem „Einigen Russland“ auch in Krasnojarsk umgegangen, wo es 12 Plätze in der Stadtversammlung bekam. Gleichzeitig wurden 14 Abgeordnete aus der Partei „Patrioten Russlands“ gewählt. Weitere fünf Plätze bekam „Gerechtes Russland“, vier die „Bürgerplattform“. Ein Mandat bekamen die Kommunisten.

Im Großen und Ganzen haben die Wahlen gezeigt, dass obwohl „Einiges Russland“ in den meisten Regionen dominiert, die Anzahl der Stimmen, die dafür abgegeben werden, jedoch weiterhin sinkt. Und auch die Quote des Herrn Putin sinkt, obwohl sie immer noch die 60% übersteigt. Interessant ist, dass Wladimir Wladimirowich nicht in das „ER“ eintrat. Interessant auch, wo die für Putin persönliche vaterländische Front abgeblieben ist? Irgendwie blieb diese Front bei den letzten Wahlen unbemerkt. Mal wieder ein totgeborenes Kind für den „Anführer der Nation“.

 

Der bittere Geschmack des Sieges

Auch in Deutschland wurde gewählt. Ordnungsgemäß siegten die Christdemokraten und Frau Angela Merkel persönlich. Es ist interessant, dass im Russischen das Wort Kanzler ausschließlich maskulin ist. Wie man es zu einem femininen Nomen machen soll, was den Deutschen ziemlich erfolgreich gelungen ist, ist dem russischen Menschen völlig unklar. Es scheint, als wäre Frau Merkel die einzige gescheite Politikerin in unserer modernen Welt. Unter ihrer Anführung überlebte Deutschland ziemlich erfolgreich die Weltwirtschaftskrise. Der Anzahl der Baustellen nach zu urteilen, lebt es auch heute noch ziemlich glücklich. Deshalb sammelte Merkels Partei eine Rekordanzahl von Stimmen in den letzten 20 Jahre – 41,5%.

Man sollte glauben, dass man allen Grund zur christlich-demokratischen Freude hätte. Pech jedoch, dass Frau Angela Merkel nicht in der Lage ist, eine neue Regierung zu bilden.

Die Sache ist die, dass die beständigen Verbündeten der Christlich-Demokratischen Partei – die Freie Demokratische Partei nicht die 5% Schwelle überschreiten konnte und somit nicht in den Bundestag gelang. Dafür sind die Sozialdemokraten (25,7%), die Linken (8,6%) und die Grünen (8,4%) durchgekommen. Wobei die Linken, obwohl sie weniger Stimmen bekommen haben als bei den letzten Wahlen, die dritte Partei im Parlament geworden sind, worauf sie ganz stolz sind.

Ordnungsgemäß könnten die drei Oppositionsparteien eine Koalition und somit eine Regierung bilden. Es wird aber wohl kaum passieren. Viel zu stark sind die Widersprüche zwischen den Sozialdemokraten und den Linken. Man erinnere sich an die siebziger, als die Linken gerufen haben: „Wer uns verraten? – Sozialdemokraten!“

Somit wird die Variante der großen Koalition am wahrscheinlichsten sein: die Sozialdemokraten und die Christlichen Demokraten. Frau Merkel wird dabei zum dritten Mal die Regierung anführen.

Wo sind nur die Befürworter der Liberalen abgeblieben? Wie paradox es auch klingen mag, haben sie zu den Christlichen Demokraten gewechselt und haben somit den Verlust der Stimmen der regierenden Partei ergänzt. Die Stimmen der Wähler sind auch an die neue Partei „Alternative für Deutschland“ gegangen. Die Partei wurde im April 2013 aus den Oppositionären der Teilnahme von BRD an der Eurozone gegründet. Übrigens ist ein Mitglied der Parteiführung die Professorin der Universität Sankt-Petersburg Irina Smirnova.

Es wurde angenommen, dass die Alternative bei den Christlichen Demokraten bis zu 24% der Stimmen wegnimmt. Zum Glück ist das nicht passiert. Sie haben nicht mal 5% erreicht. Somit wird es in dem Bundestag keine Liberalen geben. Und das, müssen Sie zugeben, ist nicht ganz gottgewollt. Dafür entstand im politischen Leben Deutschlands eine ziemlich interessante Intrige.

 

Aus dem Russischen von Yevgeniya Marmer

 

 

 

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Über IF: S. Alexandrov (Hannover)

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