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Eine „Brücke“ zwischen Hannover und Jekaterinburg

Vom 23. März bis 28. März 2018 veranstaltete das Tolstoi Hilfs- und Kulturwerk Hannover e.V. bereits zum 8. Mal das Internationale Kammertheaterfestival „MOST“ (die Brücke) im hannoverschen THEATER in der LIST. Das Festival, an dem berühmte Theatergruppen und Schauspieler aus verschiedenen Ländern teilnehmen, steht unter der Schirmherrschaft des Oberbürgermeisters von Hannover, Stefan Schostok.

 

Einer der Gäste des Festivals in diesem Jahr war der Schauspieler Alexander Fukalov aus Jekaterinburg mit einer Solo-Performance, welche auf dem Stück des modernen französischen Dramatikers und Schauspielers, Jacques Mougenots „Der Fall Posler“ („L’Affaire Dussaert“) basierte. Alexander Fukalov teilte uns seine Eindrücke über das Festival mit und äußerte seine Meinung über die Perspektiven der Partnerschaftsbeziehungen zwischen Hannover und Jekaterinburg: „Hannover ist die niedersächsische Hauptstadt und Jekaterinburg wird die „Hauptstadt des Urals“ genannt. Jekaterinburg ist eine industrielle, wissenschaftliche und kulturelle Stadt, die an der Grenze zwischen Europa und Asien liegt. Tatsächlich sehe ich viele Gemeinsamkeiten zwischen unseren Städten – wir haben den Fluss Iset, der genauso breit ist, wie die Leine in Hannover. Wir haben einen künstlichen Stadtteich, wie in Hannover der Maschsee. Aber natürlich ist es sehr wichtig, dass es intensive kulturelle Beziehungen zwischen unseren Städten gibt. Beide Städte werden herausfinden müssen, was sie einander zeigen und was sie voneinander lernen können.

Alexander Fukalov aus Jekaterinburg.

In Jekaterinburg ist alles vorhanden – Hauptsache ist es, zu verstehen, welches Thema uns vereint und dass wir anfangen in diese Richtung zu arbeiten. In Jekaterinburg gibt es eine deutsche Diaspora und auch eine „Deutsche Gesellschaft“. Jekaterinburg ist eine multinationale Stadt. Dort wohnen viele Deutsche und deren Nachkommen, die aus dem Wolga-Gebiet vertrieben wurden. Wir haben in der Stadt ganze Stadtteile, die nach dem Krieg von deutschen Kriegsgefangenen gebaut wurden. Daher kann das Thema Erinnerung als eines der Themen für die Zusammenarbeit gesehen werden.

 

Der deutsche Kinderbuchautor Otfried Preußler, der „Die kleine Hexe“ geschrieben hat, saß als 20-jähriger Kriegsgefangener in den Lagern bei Jekaterinburg und fällte dort Bäume. Als ich davon erfuhr, dachte ich, dass es interessant wäre, eine Theaterstück, basierend auf seinem Schicksal, zu inszenieren. Über einen Mann, der den Krieg überlebt hat, aber die „Kindlichkeit“ und die Liebe fürs Leben nicht verloren hat. Preußler steht heute neben solchen Säulen der Kinderliteratur wie Astrid Lindgren, Andersen und Charles Perrault.

In der Sowjetzeit gab es in Jekaterinburg (damals – Swerdlowsk) eines der größten Filmstudios des Landes – namens Swerdlowskaja. Das Studio gibt es auch heute noch. Mehrere Filmfestivals finden dort statt, darunter das Festival „Kinoproba“ für Studenten. Zum Festival „Kinoproba“ kommen Studenten aus der ganzen Welt mit ihren ersten Diplom- oder Debüt-Werken zusammen. Auch ein Dokumentarfilmfestival gibt es. Das Ural Film Festival hat bisher zweimal stattgefunden – es ist noch nicht so aussagekräftig wie zum Beispiel das Moskauer Festival, aber Werke aus vielen Ländern sind bereits vertreten.

 

Alexander Fukalov in Rathaus.

 

Es gibt leider noch eine tragische Seite der Geschichte, die unsere Länder verbindet. Im Jekaterinburg-Gebiet wurde Zar Nikolaus II. und seine Familie erschossen. Die Frau von Nikolaus II., die hessische Prinzessin Alix, und der Zar selbst hatten in Deutschland zahlreiche Familienangehörige. In diesem Jahr jährt sich diese Tragödie zum hundertsten Mal. Sonderausstellungen, Konferenzen und andere Veranstaltungen werden zu diesem Thema vorbereitet. Auf dem Platz, wo die Zarenfamilie ermordet wurde, wurde eine Kirche als Denkmal errichtet, das von den meisten Touristen besucht wird.

Viele Menschen verbinden den Ural mit Bazhovs Märchenerzählungen. Interessant ist, dass Malachit, Smaragde und andere Edelsteine ​​immer noch in der Nähe von Jekaterinburg abgebaut werden.

 

Was das Festival „MOST“ betrifft – das ist eine sehr wichtige Maßnahme. Wie jedes Festival dient es dem Ausbau neuer Beziehungen. Auf diesem Festival habe ich die Möglichkeit erhalten, die Arbeit von Kollegen aus Litauen, Deutschland, der Ukraine und verschiedenen Städten Russlands zu sehen, von denen ich bisher nur gehört habe. Normale anständige Menschen, die sich mit ihrem Privatleben, der Kreativität, ihren Kindern und ihrer Arbeit beschäftigen, brauchen keine Kriege und keinen Streit. Wir sollen uns stattdessen treffen, kommunizieren, voneinander lernen und interessiert sein. Im Theaterinstitut, wo ich arbeite, wird im April zum ersten Mal ein Kammertheaterfestival stattfinden. Ihre Teilnahme haben bereits Theater aus Kasachstan und Weißrussland bestätigt. Vielleicht werden auch einige der Teilnehmer des Festivals „MOST“ zu uns kommen.

 

In Jekaterinburg arbeite ich mit der Theaterplattform des Jelzin-Zentrums und dem Zentrum für moderne Dramaturgie zusammen. An diesen kreativen Veranstaltungsorten finden verschiedene Theaterwerkstätten und Seminare statt, einschließlich solcher über moderne deutsche Dramaturgie.

 

Im Rahmen einer Städtepartnerschaft wäre es interessant, Bücher von zeitgenössischen Autoren gemeinsam zu veröffentlichen – mit Übersetzungen ins Deutsche und ins Russische – eine hervorragende Möglichkeit, die Kultur „hier und jetzt“ wahrzunehmen. Nicht erst zehn Jahre später … jetzt hat uns endlich ein Roman erreicht … Sondern so – heute ist das Buch in Deutschland erschienen, hat gute Kritiken erhalten, morgen kommt es schon in Russland in einer guten Übersetzung heraus.

 

Im Jelzin-Zentrum, wo ich arbeite, führen wir zahlreiche Veranstaltungen durch. So kann jede Veranstaltung, auch eine, die mit Deutschland verbunden ist, eine Resonanz finden und mit einer Ausstellung, einem Film oder einem Theaterstück präsentiert werden. Und das Interesse der Bewohner von Jekaterinburg ist enorm. Zum Beispiel fand im Oktober letzten Jahres in der Kunstgalerie des Jelzin-Zentrums mit großem Erfolg die Ausstellung „Leben oder schreiben. Varlam Schalamow“ statt. Die Autoren der Ausstellung, die deutschen Kuratoren Christina Links und Wilfried F. Scheller, arbeiteten mehrere Jahre daran in enger Zusammenarbeit mit russischen Museen, Archiven und privaten Rechteinhabern.

 

Heute nimmt Jekaterinburg am Wettbewerb für den Austragungsort der EXPO-2025 teil. Und die Erfahrung aus Hannover – der Stadt der Millennium-EXPO – könnte uns dabei helfen. Es ist ein weiteres mögliches Thema für unsere Zusammenarbeit.

 

Wenn sich die Fußballmannschaften aus Hannover und Jekaterinburg in einem Freundschaftsspiel treffen könnten – das wäre auch klasse! Wir haben gerade das Stadion vor der WM renoviert, also – Herzlich Willkommen!“

 

Text: Kathrin Leibmann

Foto: Dimitrij Czepurnyi, Kathrin Leibmann

 

 

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