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Wie die Menschen lebten!

Jeder Mensch hat seine eigene Beziehung zur Kunst, zur Architektur, und überhaupt zu allem, was ihn umgibt und womit er in seinem Leben in Berührung kommt. Deswegen werde ich den Mut erweisen zu behaupten, dass von außen der Herzogspalast in Celle keinen besonderen Eindruck macht. Es gibt Paläste und Schlösser in Deutschland, die um einiges grandioser sind, in vielerlei Hinsicht.

Aber dafür von innen!

 

 

Langsam durch seine Säle in großen Filzpantoffeln kann man stundenlang „schweben“. Wenn man nirgendwo lange stehen bleibt. Wenn man aber anfängt alle Schilder durchzulesen, sich alle Porträts der ehemaligen Besitzer anzugucken, die Alltagsgegenstände, die Kronen und Juwelen, die Möbel, riskieren Sie für lange hier zu bleiben. Der Hunger und der Durst sind vergessen, sogar der Körper, der mehr an das Sitzen vor dem Computer gewohnt ist und ständig zu verstehen gibt, dass er müde ist, ist auch außer Acht.

 Celle 4

Aber man braucht noch Zeit in das Palasttheater einen Blick zu werfen, gedankenverloren im Innenhof zu rauchen. Gott sei Dank, kann man den Palast, und den anliegenden Park, ohne auf die Zeit zu achten, begehen. Sogar nachts!

Obwohl, ein bisschen Zeit braucht man noch, um durch die wunderschönen Straßen der Altstadt zu schlendern, um mit schlauem Blick die Unterschriften auf den Fronten der Häuser auf unverständlicher Sprache (wahrscheinlich Latein) zu verstehen.

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Klar, dass die Menschen in dieser Gegend zum ersten Mal lange vor 986 n. Chr. lebten, als die Stadt zum ersten Mal in den Schriften mit dem Namen Kelli („Stadt am Fluss“) erwähnt wurde. Denn schon weniger als ein Jahrhundert später wurden hier eigene Münzen gestanzt.

Ende des 13. Jahrhunderts hat Graf Otto II der Strenge aus der Familie der Welfen der Stadt Celle Privilegien erteilt. Zu dieser Zeit begann der Bau der heutigen „Altstadt“.

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Im 14. und 15. Jahrhundert war Celle die Residenz der Herzogen Sachsen-Wittenberg, und bis 1705 – der Herzogen Braunschweig-Lüneburg. Und nach dem Tod des letzten Herzogs dieser Familie ging die Stadt zu der hannoverschen Linie der Welfen über.

Der Herzogspalast steht auf einem Hügel, in einem Dreieck, das durch den Fluss Aller und ihren Nebenfluss Fuhse gebildet wird. Und in 1433 wurde ein Graben geschaffen, der beide Flüsse verbindet – und das Zentrum der Stadt verwandelte sich in eine Insel.

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Die Mehrheit der gut erhaltenen (d.h. – nicht nur ein Mal restaurierten) Fachwerkhäuser der Altstadt sind aus dem 16. Jahrhundert, was praktisch täglich Hunderte von Touristen aus verschiedenen Ländern nach Celle lockt.

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Neben dem Herzogspalast werden sie von der Stadtkirche mit dem weißen Turm angelockt, auf welchem zwei Mal am Tag der Trompeter in die Fanfaren bläst: Tribut der alten Tradition, welcher ständig die schlendernden Passanten anlockt. Bis heute wurde die in 1740 erbaute Synagoge erhalten – eine der wenigen, die die Reichskristallnacht von 1938 überlebt haben. Und der Grund dafür ist ziemlich prosaisch: daneben befand sich eine Gerbereifabrik, die zu zerstören wirtschaftlich sinnlos gewesen wäre. Und die Besitzer wurden von der neuen Regierung respektiert.

Die Altstadt hat während des letzten Krieges kaum gelitten und der Eisenbahnknotenpunkt wurde von den Alliierten am 8. April 1945 zerbombt. Heute, selbstverständlich, erinnert an diese Bombardierungen nichts mehr. Sie sind nur in den Geschichtsdokumenten geblieben und in der Erinnerung der Überlebenden des blutigsten Krieges in der ganzen Menschheitsgeschichte.

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Und der besonderen Schönheit ihrer Stadt sind die Einwohner in vielerlei Hinsicht dem letzten ihrer Herzogen zu Dank verpflichtet – Georg Wilhelm Braunschweig-Lüneburg (1665-1705). Während seiner Regentschaft wurden in Celle französische und italienische Gärten geschaffen und ein Palasttheater im Barockstil errichtet.

Der Herzog hinterließ keine Erben, aber die hannoverschen Welfen, haben als Wiedergutmachung für den Verlust des Status der Residenzstadt Celle viele administrative Gebäude geschenkt, solche wie das Appellationsgericht, ein Gefängnis und ein Landesgestüt.

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Seit dieser Zeit verwandelte sich Celle in die Stadt der Anwälte und Beamten. Und bis heute werden hier, im Landesgericht der Sozialfürsorge Niedersachsens, Sitzungen abgehalten, auch im Obersten Landesgericht, der Kompetenz welcher der größte Teil dieses Bundeslandes unterliegt. Und das, wie Sie verstehen, ist noch nicht die vollständige Liste der einst der Stadt erteilten Privilegien. Zumindest damals wurde das so empfunden.

Übrigens, auch zu unserer Zeit befinden sich viele Autobauunternehmen, Firmen, die sich auf Bohr- und Erdölförderproduktionstechnik spezialisieren, Elektronikfirmen, Holz- und Metallverarbeitungsfirmen, Musikinstrument- und Lebensmittelherstellungsfabriken, Firmen, die polygrafische Farbe herstellen, etc. in Celle. Oder haben dort ihre Filialen und Niederlassungen.

Und neben dem Tourismus hat für die Stadt eine wichtige wirtschaftliche Bedeutung die Züchtung von Orchideen. Unter dem Dach der ehemaligen Herzogsresidenz liegt gemütlich die Internationale Management Akademie.

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Wie viele andere alte deutsche Städte, hat Celle in den vergangenen Jahrhunderten eine Menge an nur für sie typischen Festen, Paraden, verschiedenen Folklorefestivals gesammelt. Die am besten in Erinnerung bleibende ist die s.g. „Hengstparade“, die traditionell Ende September, Anfang Oktober durchgeführt wird. Augenzeugen erzählen mit „Schaum vorm Mund“ über den feierlichen Marsch der Hengste des Niedersächsischen Gestüts im festlichen Pferdegeschirr, der Vielfalt der antiken Kutschen und Fuhren. Und die von den Hengsten durchgeführte „Pferdequadrille“ steht über allen Belobigungen.

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Ehrlich gesagt, ich selbst war nicht da. Aber ich will auf jeden Fall versuchen das selber zu sehen und dann meine persönlichen Erfahrungen mit Ihnen zu teilen. Zusammen mit einer Menge Fotos, wie Sie verstehen.

Und bis dahin gehen Sie, wenigstens in Gedanken, durch die engen, gewundenen mittelalterlichen Gassen von Celle, genießen Sie den Reichtum der ehemaligen Herzogsresidenz, der kühlen Schattenparks.

Und noch besser – finden Sie die Zeit und machen Sie das alles in Wirklichkeit. Um danach z.B. mit dem früher beschriebenen Goslar oder anderen deutschen Städten, Schlössern und Palästen, in den Sie waren zu vergleichen.

Boris Kunin. Foto des Autors.

 Aus dem Russischen von Yevgeniya Marmer

 

русская православная церковь заграницей иконы божией матери курская коренная в ганновере

Über Boris Kunin

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