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Unfassbarer Höhlenmensch*

In der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts hat das Interesse zum Phänomen des Schneemenschen seinen Höhepunkt erreicht. Die Suche nach dem legendären Relikt fand auf der ganzen Welt statt. Dabei haben wissenschaftliche Expeditionen aus verschiedenen Ländern in den entferntesten und schwer erreichbarsten Weltregionen operiert. Die Ergebnisse dieser Suche tauchten auf den Seiten der Zeitungen und Zeitschriften auf. Wo sie von seitens der Bürowissenschaftler stark kritisiert wurden und rasant im Überfluss der schnell entstandenen „Augenzeugenberichte“ verloren gingen.

 

In der Zwischenzeit erklangen klangvolle Bezeichnungen für den Höhlenmenschen, und in der Hand der PR-Journalisten verwandelten sie sich in modische Slogans und Verkaufsmarken, wobei sie große Dividenden ihren Besitzern einbrachten**. In einigen Ländern (Butan, Bulgarien, Frankreich, etc.) wurden Hotels mit dem Namen „Yeti“ eröffnet***. Es wurden Museen des „Bigfoot“ in Kalifornien (San Francisco) und in Oregon (Dallas) eröffnet. Und nicht nur das! An diesem kryptozoologischen Wunder interessierten sich auch die Bühnenkünstler. Einer der Hits der italienischen Disco-Gruppe Radiorama, die Mitte der 80er populär war, hieß „Yeti“. Obwohl, die Namen der Hotels und Pop-Lieder von den Menschen nicht immer mit etwas Realem assoziiert werden. Und es ist ja schon was ganz anderes, wenn eins den Wissenschaften unbekanntes Wesen z.B. auf speziellen Briefmarken oder auf dem Geld abgebildet wird.

 

Yeti & Co° in der Philatelie

 

Die ersten Briefmarken mit den Abbildungen des Schneemenschen wurden in Butan in 1966 gedruckt. Dem geheimnisvollen Bewohner der Himalayas wurden 15 bunte Dreiecke mit fünf sich wiederholenden Themen gewidmet. Jede von Ihnen erzählte eine Geschichte einer bestimmten „Variation“ des kryptozoologischen Wunders. Entweder war es ein zottiges Wesen, das stark an den Borneo-Orang-Utan (Pongo abelii) erinnerte. Oder ein Tier, das stark an die mystischen Schneelöwen aus den tibetischen und sikkimschen Mythen erinnerte, aus den Mäulern welcher wohl alle großen Flüsse Asiens ausströmen. Oder auch eine furchteinflößende einäugige Kreatur, die Menschen angreift und sie als Bastwisch benutzt.

 

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Bei nordamerikanischen und europäischen Philatelisten genossen diese Briefmarken einen phänomenalen Erfolg. Und die Einwohner Butans sahen in ihnen nichts Außergewöhnliches. Menschen, dessen Leben vor dem Hintergrund der grandiosen Höhen in der Begleitung von dem Geräusch herunterfallender Ströme verläuft, zweifeln nicht an der Existenz des Yeti. Sie wissen einfach, dass ein zottiges Irgendetwas, welches große Spuren nackter Füße im Schnee hinterlässt, irgendwo in der Nähe lebt.

Noch verwunderlicher kann eine spezielle Ausgabe der butanischen Briefmarken von 1970 mit 3D Effekt erscheinen, die wilden Tieren gewidmet ist.

 

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Zusammen mit solch berühmten Tieren wie der Elefant und der Tiger, das Reh und der Eber, der Schneeleopard und der Bär, ist auch dort der Yeti abgebildet. Und zwar so, wie er von den europäischen Reisenden noch Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderte beschrieben wurde. Und komischerweise erscheint auf dieser Marke der Yeti nicht als Fremdkörper zwischen all den anderen Tieren. Er sieht auch nicht dem Hollywood King-Kong ähnlich, wie einige Sammler behaupten. Es gibt auch in seiner Abbildung keine physischen Derivationen, welche seinen offensichtlich mythischen „Variationen“ zugeschrieben werden. Z.B. nach hinten verdrehte Knie und nach vorne schauende Hacken. Übrigens, solche „Macken“ in dem Körperbau des Schneemenschen sind nicht nur den Einheimischen von Nepal und Tibet bekannt. Ähnliche Legenden kursieren auch in den Stämmen der Tupi-Guarani in Südamerika. So kann man auf Briefmarken aus Brasilien eine Abbildung des Curupira unter die Augen bekommen – einer Waldgottheit des Dschungelkönigs.

 

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Sofort fallen ins Auge die unnatürlich verdrehten Beine des furchteinflößenden Wesens. Die Indianer sind sich sicher, dass mit ihm nicht zu scherzen ist, und dass der yetiähnliche Dämon nicht nur einen Tod von Jägern und Holzfällern auf dem Gewissen hat. Interessant ist auch, dass die erste Erwähnung des Curupira von spanischen Missionaren noch auf 1560 zurück geht.

 

Die wilden Männchen von Lichtenstein

 

Die Mythen des alten Europa sind auch voll von wilden zweibeinigen Kreaturen, die von oben bis unten mit Fell bedeckt sind. Sie werden sowohl in profanen Chroniken, als auch in Briefen zwischen religiösen Persönlichkeiten und Monarchen erwähnt. Eine deutsche Saga berichtet darüber, wie Holzfäller im Wald einen wilden Menschen gefangen haben und ihn als Geschenk ihrem Regenten überreichten. Der von Fell bedeckte Wilde wurde in einen Käfig gesetzt und dem Volk vorgeführt. Aber der Gefangene wollte kein Essen von den Menschen annehmen und ist schon bald vor Hunger gestorben. Um der Strafe zu entgehen, haben die Wächter gesagt, dass der Halbtier-Halbmensch vor Sehnsucht nach seinem Zuhause gestorben ist…

In 1997 ist im kleinen Fürstentum Lichtenstein eine Briefmarke mit der Abbildung der Figuren der örtlichen Folklore aufgetaucht – die Wildmannli. Wenn man den Legenden Glauben schenkt, so lebten Sie in Höhlen ganz oben in den Bergen. Die komischen Kreaturen mit „Fell, wie beim Bären“ hüteten die Tiere der Alm. Und sie molken sogar die Kühe, wenn wegen starken Gewittern die Menschen nicht in die Berge gehen konnten. Und genauso hat der Maler die geheimnisvollen Alpen-Bewohner abgebildet.

 

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Legendäres Foto

 

In 1951 hat der herausragende englische Reisende Eric Shipton auf dem Menlung-Gletscher (in den Himalayas) im Schnee eine geheimnisvolle Fußspur entdeckt. Der Form nach unterschieden sich die Fußspuren kaum von menschlichen. Aber sie hatte eine beeindruckende Größe – 33×45 cm! Der Engländer fotografierte die Spur des nackten „gigantischen“ Fußabdrucks, nachdem er als Messvergleich (und auch zur besseren Überzeugung!) seinen Eispickel daneben platzierte. Später wurde dieses Foto in der „Times“ veröffentlicht. Seitdem ist dies das berühmteste Foto der Fußspuren des Yeti. Und sogar die streitbaren Skeptiker erkennen an, dass der fotografierte Fußabdruck ziemlich echt aussieht. Außerdem haben die Bergsteiger von solchen Funden keinen praktischen Nutzen, und deswegen sollte man die kaum der listigen Fälschung verdächtigen. Und in 1992 wurde das berühmte Foto auf einem Briefmarkenblock der Malediven aus der Serie „Die Geheimnisse des Universums“ verewigt.

 

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Ein Wesen aus einem Eisblock

 

Unter den Sammelobjekten zum Thema der kryptozoologischen Geheimnisse gibt es einen denkwürdigen Briefumschlag, auf welchem ein berühmter „Eismensch“ aus Minnesota abgebildet ist. Seinerzeit wurde dieses geheimnisvolle Artefakt unbekannter Herkunft von zwei berühmten Forschern beobachtet –Bernard Heuwelmans und Ivan T. Sanderson. Die Wissenschaftler waren sich sicher, dass wenn sie es auch nicht mit einem eingefrorenen Leichnam des Bigfoot zu tun haben, dann zumindest mit einem der unbekannten affenartigen Vorfahren des Menschen. Proben des Gewebes und der Haare durften sie aber nicht entnehmen. Aber Sanderson kletterte auf den Eisblock und zeichnete ein Porträt des geheimnisvollen Wesens. Mehr schaffte er einfach nicht. Er zitterte am ganzen Körper, seine Knie froren an dem „Eis-Sarkophag“ fest. Heuwelmans musste sogar einen Eispickel benutzen, um seinem Kollegen zu helfen sich zu befreien. Die von Sanderson gemachte Zeichnung wurde dann auf dem Briefumschlag aus Minnesota abgebildet.

 

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„Kryptonumismatik“

 

Heutzutage sind Münzensammlern mindestens drei Münzen mit der Abbildung des Schneemenschen bekannt. Die erste wurde 2008 in der Mongolei herausgebracht. Das sind silberne 500 Tögrög aus der Serie „Geheimnisse der Welt“ mit einer Auflage von 2500 Stück. Diese Münze ist in ihrer Art einzigartig und wurde sofort ausverkauft, wodurch sie sofort zur Rarität wurde. Die Abbildung des Almast (Name des mongolischen Hominoid) ist mit einem Animationseffekt ausgeführt. D.h. wenn man den Blickwinkel ändert, zwingt man sozusagen den Schneemenschen sich zu „bewegen“.

 

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Ein Jahr später wurde nach Bestellung der Cookinseln eine Erinnerungsmünze im Wert von einem neuseeländischen Dollar aus der Serie „Mystische Tiere“ mit dem Bigfoot (Sasquatsch) gestanzt, die wie ein buntes Zinnlöten aussieht. Die Auflage der Münze aus versilbertem Kupfer betrug 5000 Stück. Auf den Münzen dieser Serie kann man das schottische Seemonster Nessi sehen. Und ebenfalls die Gorgone Medusa, und sogar Baba Jaga aus den russischen Märchen.

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Und letztendlich die kanadische Nickelmünze im Wert von 25 Cent mit einer bunten Applikation, die in April 2011 „auf die Welt kam“. Auf den dort abgebildeten Sasquatsch können wir von oben schauen. Was eine wunderbare Gelegenheit bietet auch seine Fußspuren im Schnee zu sehen. Wie offiziell auf der Webseite des Royal Canadian Mint steht, „ist diese Ausgabe die erste aus der Serie von drei Münzen, die für junge Sammler (Kinder) gedacht sind“. Interessant ist auch, dass in der Packung mit der Münzen auch ein buntes, sehr geschmackvoll gestaltetes Faltblatt mit einer ausziehbaren Karte war, die zeigte wo zum letzten Mal der geheimnisvolle zottige Bewohner der kanadischen Wälder gesichtet wurde.

 

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Wünschen wir ihnen Erfolg

 

Als ich diesen Artikel zu Ende schrieb, hat mich Grigorij Panchenko kontaktiert – Mitglied der Internationalen Vereinigung der Kryptozoologie und Vorsitzender der ukrainischen Abteilung. Er teilte mir mit, dass Ende Juli in dem Kaukasus eine von ihm organisierte Expedition gestartet wird mit dem Ziel der Suche nach dem Relikt-Hominoid. Forscher aus verschiedenen Ländern planen bis Ende August einige erfolgversprechende Regionen zu erforschen, wo mehrmals die einheimische Version des Yeti – der Almast, oder seine Spuren gesichtet wurden. Übrigens, Panchenko ist einer der wenigen Kryptozoologen, die das Glück hatten live einen seiner „Schützlinge“ zu beobachten. Dieser Fall wird detailliert in dem Buch von Dmitrij Bajanov „In the Footsteps of the Russian Snowman“ beschrieben.

Man will sehr hoffen, dass die Ergebnisse der Expedition nicht nur Grigorijs Erwartungen und die seiner Kollegen übertreffen, sondern auch einen Punkt hinter die langjährigen Diskussionen bezüglich der Existenz des Schneemenschen in dem Kaukasus machen. Aber bis dahin lassen Sie uns ihnen Erfolg, unvergessliche Abenteuer und verblüffende Fotos von dem geheimnisvollen Wesen wünschen!

 

 

Anmerkungen:

 

*Homo troglodytes oder der „Höhlenmensch“ ist ein geheimnisvoller Hominoid nach der Definition von Carl von Linné (1707-1778).

** Den Namen Yeti trägt einer der Fluggesellschaften in Butan („Yeti Airlines“) und seit Kurzem (2009) auch einer der Automodelle von Skoda („Skoda Yeti“).

*** In den USA, in dem Örtchen Willow Creek (Kalifornien) gibt es das Hotel „Bigfoot“, in dessen Restaurant man den „Bigfoot Burger“ genießen kann.

 

 

Aus dem Russischen von Yevgeniya Marmer

 

 

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Über Rolf Meisinger (Mannheim)

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