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Geburtsjahr – 1840

Also, nachdem wir in Bad Harzburg in den falschen Zug einstiegen waren, fuhren wir ins „Unbekannte“. Und, nachdem wir am nächsten Bahnhof ausstiegen, kam „Traurigkeit“ über uns.

 

Im ersten Moment…

 

 

Denn wir fanden uns auf in irgendeinem „Kaff“: zwei Bahnsteige, ein unscheinbares Bahnhofsgebäude, eine Bushaltestelle. Die Wohnhäuser irgendwo weit weg hinter Bäumen und dichtem Gebüsch. Eine Fußgängerbrücke, soweit man die einschätzen kann, ohne sie zu besteigen, führt über die Gleise beinah einfach ins Feld.

 

Aber, was soll man machen, der Zug nach Braunschweig fährt erst in einer halben Stunde. Wir näherten uns dem Aushang über dem fest verschlossenen Eingang zum Bahnhof. Und nur mit großer Willenskraft konnten wir unsere Kinnlade, die vor Erstaunen schon herunterklappen wollte, davon abhalten.

 

Absolut zufällig befanden wir uns in Vienenburg. Der hiesige Bahnhof wurde in 1840 erbaut und ist der älteste erhaltene Bahnhof in Deutschland.

Bahnhof 1

 

Der Gerechtigkeit halber muss man anmerken, dass die erste Zweigbahn in Deutschland um einiges südlicher verlegt wurde und noch in 1835 Nürnberg mit Fürth verband. Dementsprechend war der erste Bahnhof des Landes in Nürnberg. Und erinnerte sehr an die damals gängigen Stationen der Postkutschen: praktisch und ohne unnötige Überflüssigkeiten.

 

Aber in 1900 wurde der Bahnhof im Neobarock-Stil umgebaut und der Saal, in welchem sich jetzt das Reisezentrum befindet, ist als einziger Bestandteil des Gebäudes nach dem letzten Krieg heil geblieben.

 

Heute ist der Nürnberger Bahnhof einer der größten Eisenbahnknotenpunkte in Europa: 25 Bahnsteige, 466 Züge am Tag und mehr als 180.000 Reisende. Aber das ist inzwischen ein ganz anderes Gebäude, das durch nichts an den ersten Bahnhof des Landes erinnert.

 

Der Bahnhof in Vienenburg, welcher nur fünf Jahre später erbaut wurde, wurde zum ersten spezialisierten Bahnhofsgebäude in Deutschland mit einem gesonderten Raum für Gepäck und einer Wartehalle für Reisende der ersten und zweiten Klasse. Und für allein reisende Damen wurde sogar ein spezielles „Damenzimmer“ eingerichtet.

Bahnhof 2

 

Es wird angenommen, dass an diesem Bahnhof sogar der Kaiser Wilhelm I während seiner Reise nach Goslar hielt. Und das Zimmer, in welchem er eine Delegation der Stadteinwohner empfing, trägt seitdem den Namen „Kaisersaal“.

 

Also, seit dem 1. März 1869 fing von diesem Bahnhof ein regelmäßiger Eisenbahnverkehr nach Halberstadt an, was Vienenburg zu einem wichtigen Umsteigebahnhof bei Fahrten aus Berlin oder Leipzig in Richtung der nordwestlichen Gebiete im Harz machte.

 

Heute verlaufen in diesen Örtlichkeiten viele andere Eisenbahnstrecken in verschiedenen Richtungen und Vienenburg hat offensichtlich seine frühere Bedeutung verloren. Und in Anbetracht der neusten Technologien ist die Notwendigkeit des Bahnhofgebäudes praktisch komplett entfallen. Aber dieses abzureißen hat natürlich auch niemand vor.

 

Außerdem, ganz in der Nähe davon, unter freiem Himmel, befindet sich ein kleines Eisenbahnmuseum, welcher für einige Minuten fast fühlbar ermöglicht in die Atmosphäre dieser fernen Tage einzutauchen.

Bahnhof 5

 

Natürlich kann der kleine Bahnhof von Vienenburg sich mit z.B. dem Hauptbahnhof von Leipzig „messen“, der Anfang des 20. Jahrhunderts erbaut wurde. Die Länge seiner Fassade beträgt 298 Meter. Und zum Zeitpunkt seiner Eröffnung (in 1915) war er einer der größten auf der Welt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er zwei Mal rekonstruiert, aber zählt bis heute nicht nur zum großen Eisenbahnknotenpunkt, sondern ist auch eine historische Sehenswürdigkeit. Nach dem letzten Umbau Ende der 90er Jahre ist hier ein dreistöckiges Einkaufszentrum entstanden, in welchem sich fast anderthalb Hundert Geschäfte und Restaurants befinden.

 

Oder auch als Beispiel für moderne Architekturideen, eine der Hauptsehenswürdigkeiten der Landeshauptstadt – Berlin Hauptbahnhof. Dieser wurde im Mai 2006 eröffnet, pünktlich zur Fußballweltmeisterschaft. Durch den jüngsten, modernsten und innovativsten Bahnhof in Europa fahren täglich 225 Fernzüge, 325 Nahverkehrszüge und mehr als 600 S-Bahnen.

Bahnhof 4

 

Die Besonderheit der Konstruktion ist, dass das Glasgebäude Sonnenstrahlen bis zur niedrigsten Ebene durchlässt und sogar unter der Erde der Eindruck eines freien Raums entsteht. Das Gebäude ist mit einer gigantischen Glaskuppel einer länglichen Form verziert – 85 mal 125 Meter. Und in die Glasoberfläche der Kuppel ist ein photogalvanisches energetisches System integriert.

 

Es gibt in dem Berliner Bahnhof auch viele andere nützliche und bequeme Novationen. Und übrigens, bei all seinen nicht kleinen Ausmaßen und den mehreren Stockwerken, ist er mit der größten Bequemlichkeit für die Reisenden gemacht wurden.

 

Was man z.B. nicht über den Bahnhof der weißrussischen Hauptstadt sagen kann. Der Autor dieser Zeilen hat vor einigen Jahren beinah seinen Zug verpasst, der vom 13. Gleis abfuhr, welches sich… direkt neben dem 3. Gleis befand. Und die Nummerierung der Gleise begann, wenn man das vom Eingang aus betrachtet, mit der Nummer 12. Versuchen Sie zu erraten, wo man den 13. und die anderen Gleise, die höher gehen, suchen soll. Es ist nicht ausgeschlossen, dass in den seit dieser Zeit vergangenen Jahren, ich vielleicht ein wenig die Nummern verwechselt habe. Deswegen seien Sie mir bitte nicht böse. Aber der Sinn bleibt der gleiche: der richtige Gleis befand sich ganz wo anders, als da wo er hätte sein sollen, wenn man logisch denkt.

 

Übrigens, in 1991 wurde das Gebäude des Minsker Bahnhofs, das etwa 120 Jahre diente, aber nicht offensichtlich alt aussah, abgerissen, und am 30. Dezember 2000, bei der Beteiligung des Präsidenten des Landes A.G. Lukaschenko, wurde der neue Bahnhofskomplex feierlich in Betrieb genommen. Dann hatte das Dach in der Wartehalle ein Leck, ab und zu fielen die Rolltreppen aus…

Bahnhof 6

 

Das erzähle ich deshalb, weil die Mehrheit der Bahnhöfe in Deutschland ultramodern im Innern sind und von außen hin aussehen, wie vor vielen Jahrzehnten. Was sowohl wirtschaftlich, als auch historisch gut überlegt ist.

 

Und wenn auch das alte Bahnhofsgebäude in Vienenburg schon lange nicht mehr genutzt wird, kommt keiner auf die Idee es unnötigerweise abzureißen. Es wurde einfach ein neues daneben gebaut. Übrigens, weder das „Damenzimmer“, noch die Toiletten konnten wir entdecken. Obwohl, wenn man ehrlich ist, haben wir nicht explizit danach gesucht: in jedem deutschen Zug gibt es damit keine Probleme.

 

Andererseits, Kaiser gibt es auch schon lange nicht mehr und die „Damen“ von heute reisen in der Regel mit Autos.

 

Aus dem Russischen von Yevgeniya Marmer

Boris Kunin. Fotos des Autors

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Über Boris Kunin

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