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Die Kuriositäten der Welt des Geldes (Teil 2)

Teil II.

Auf der Welt gibt es eine Menge kurioser Skulpturen. Sie schmücken die Plätze und Parks der Städte, Gebäudewände, Dächer und, natürlich, Fontänen. Z.B. ist eine der Sehenswürdigkeiten von Brüssel – der Hauptstadt von Belgien und des Hauptquartiers der EU – eine Fontäne mit einer kleinen Bronzefigur des pinkelnden Jungen. Die Brüsseler lieben ihren „Mannekin Pis“. Besonders wenn er statt Wasser…Bier pinkelt. Und das findet an besonderen Festen statt. Jedoch kann man den Brüsseler pinkelnden Jungen nicht auf den Geldscheinen dieses europäischen Königreichs sehen. Aber der nicht weniger berühmte Dukatenscheißer hat geschafft gleich auf mehreren Notgeldern und Inflationsscheinen aufzutauchen.

 

Dukatenscheißer

 

So wurden in vergangenen Jahrhunderten die genannt, die schnell viel Geld machen konnten. Die plötzlich reich wurden oder die immer Geld hatten. Offenbar konnte ein einfacher Mensch, der von morgens bis abends auf dem Feld arbeitete und doch kaum über die Runden kam, schwer glauben, dass jemand mehr Glück hatte, als er. So entstanden Legenden über verzauberte Schätze, Zaubergegenstände wie „Tischlein deck dich“ oder Märchenwesen, die jeden Wunsch erfüllten. In dem berühmten Märchen der Gebrüder Grimm über den Schneider und seine Söhne spielt die Rolle solch eines Wesens ein Esel, der, wenn man das Zauberwort „Bricklebrit“ sagt, anfing Dukaten (Goldmünzen) zu spucken. Deswegen sein Name – Dukatenesel. Also der „Esel, der Dukaten herstellt“. Das Bild mit diesem wundervollen Märchenwesen schmückte Notgelder, die 1921 für die Gemeinde Wittgensdorf (ein Bezirk der Stadt Chemnitz in Sachsen) gedruckt wurden.

Jedoch malte der Künstler den Wunderesel nur für Papiergeldscheine. Aber man kann ihn verstehen. Zum Moment der Erschaffung dieser Notgelder in Deutschland, das an einer Krise und an Hyperinflation litt, gab es weder Golddukaten, noch gewöhnliche Münzen …

Analogisch wurde der Dukatenesel im Volksmund als Gattungsname Dukatenscheißer genannt.

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Glogau – 500 Millionen Mark von 1923

 

Die in Deutschland berühmteste Skulptur eines Männchens mit solch phänomenalen Fähigkeiten befindet sich in Goslar (Bundesland Niedersachsen). Goslar – eine kleine Stadt mit wunderbar erhaltenen mittelalterlichen Bauten und dem berühmten Marktplatz, wo alle Touristenrouten anfangen. Die Dächer der Häuser sind mit Ziegeln bedeckt, was diesem gemütlichen Ort eine besondere Verzauberung verleiht. Zu den schönsten Gebäuden auf dem Platz zählen das Rathaus und das Gildehaus (15. Jahrhunderts). Im letzteren befindet sich heute das Hotel „Kaiserworth“. In den vergangenen Jahrhunderten waren Händler dort die Herren und es wurde stark mit Textilien gehandelt. Die Geschäfte der mittelalterlichen Geschäftsmänner liefen wunderbar, was sich letztendlich auf dem Wohlergehen Goslars auszeichnete. Wahrscheinlich erscheint genau aus diesem Grund an der Ecke des Gebäudes der eigene Dukatenscheißer. Heute ist das einer der meist fotografierten Symbole der Stadt. Und in 1920 erschien sein Bild auf den örtlichen Notgeldern.

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Goslar – 25 Pfennig von 1920

 

Neben der kuriosen Berühmtheit, kann man auf den 25-Pfennig-Münzen auch einen Teil des Marktplatzes sehen, wie er Anfang des letztens Jahrhunderts aussah. Auf dem Hintergrund der Miniatur sind die Türme der Kirchen Kosma und Damian. Das Gebäude mit einer bedachten Freitreppe und Arkade – das ist das Rathaus. Und die Galerie links auf dem Bild gehört zu dem Gildehaus, wo seit Jahrhunderten an der Ecke der Dukatenscheißer hängt. Daneben ist auf dem Notgeld noch eine historische Perle des Platzes zu sehen. Das ist die Markt- oder Zentralfontäne, die von einem goldenen Adler, als Symbol der königlichen Macht gekrönt wird (das Original befindet sich im Stadtmuseum). Die Fontäne ist sehr alt. Ihre Bronzeschale ist aus dem 12. Jahrhundert. Das Bild auf dem Notgeld wird von einem gewichsten Vierzeiler begleitet, dessen Sinn einfach ist: das nützliche Männchen ist immer noch dort, aber Geld gibt es keins. Dabei wurde wieder die zu dem damaligen Moment Katastrophensituation in der Weimarer Republik (1919-1933) im Großen und Ganzen und in Goslar im Besonderen gemeint.

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Goslar – 10 Pfennig von 1920

 

Das Männchen von der Brücke

 

Das Bild auf dem Inflationsschein der Stadt Beuel bei Bonn im Wert von einer halben Million Mark von 1923 – eines der interessantesten Geldscheine auf der ganzen Welt. Abgebildet ist ein Männchen, das Fratzen zieht und sein Hinterteil offenbart. Was könnte das bedeuten und wer hatte die Idee so etwas auf dem Geld zu malen? Das s.g. Bonner Brückenmännchen ist eines der zwei dekorativen Verzierungen der alten Rheinbrücke in der Stadt Bonn. Und sein Auftauchen dort erklärt eine weitere Geschichte. Als die Bürger Bonns entschieden die erste Überführung über den Rhein zu errichten, baten sie ihre Nachbarn hinter dem Fluss (in Beuel) um finanzielle Unterstützung. Sie schlugen vor die Ausgaben für den für beide Seiten wichtigen Bau zu teilen. Aber die Einwohner Beuels (ab 1969 zählt es zum Bezirk Bonns) stellten ihre eigenen Forderungen auf. Ihrer Meinung nach sollte die Brücke an einer anderen Stelle gebaut werden, näher an ihre Stadt. Als Antwort bekamen sie ein unmissverständliches nein. Also, als in 1898 die erste Rheinbrücke eröffnet wurde, endete diese auf der Seite von Beuel in Feldern und in Unwegsamkeit.

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Beuel – 500 Tausend Mark von 1923

 

Die Einwohner Bonns haben ihr Unbill auf die Nachbarn nicht vergessen und auf der Brücke eine Steinskulptur eines lustigen Männchens errichtet, dessen Hintern in Richtung von Beuel gerichtet ist. Jedoch, schon bald in der Nähe des Brückenmännchens tauchte noch eine komische Figur auf – eine Art Antipode – das Brückenweibchen. Das ist eine Büste einer wütenden alten Frau mit einem Pantoffel in der erhobenen Hand, als eine Art Drohung den Bewohnern Bonns. Es ist notwendig zu erwähnen, dass danach von der Seite von Beuel zu der Brücke eine Straße gelegt wurde und die „Verschuldung“ gegenüber Bonn somit beglichen wurde. Also sind beide Figuren auf der Überführung nichts weiter, als Nachbarneckereien.

Auf dem Schein unter dem Bild des Brückenmännchens steht: „Die Zeit kann mich…“ Dabei hat der Maler dieses in Form des Brückenmännchens selbst dargestellt. Jedoch ist diese „Prophezeiung“ nicht wahr geworden. Nach 22 Jahren, also im Sommer 1945, sind beide Figuren der Rheinbrücke spurlos verschwunden. Wie auch die Brücke selbst. Sie wurde am 8. März 1945 von deutschen Soldaten, die sich zurückzogen, weggebombt.

Nur vier Jahre später stellte sich heraus, was mit den Skulpturen geschah. Wie sich herausstellte, entdeckte Phillip Otto, ein Einwohner Beuels und Besitzer der Kneipe „Zum kleinen Museum“, sie unter den Ruinen der Brücke. Aus Angst, dass sie zur Beute der Schatzgräber werden, nahm er sie und vergrub sie in seinem eigenen Garten. Wenn man bedenkt, dass jede der Figuren etwa 180 kg wog, dann kann man sich vorstellen, dass es ihm nicht leicht fiel. Dort blieben sie auch bis 1949. Am Vorabend des 125-jährigen Jubiläums der Weiberfastnacht (die örtliche Art des Karnevals) offenbarte der achtbare Phillip Otto sein Geheimnis. Das Brückenmännchen und das Brückenweibchen wurden in Anwesenheit des Bürgermeisters vorsichtig aus der Erde geborgen und feierlich durch die Straßen getragen. Seitdem und bis 1960 befand sich das Männchen von der Brücke auf der Bonner Seite der neuen Überführung über den Rhein – die Kennedybrücke. Dabei war er in Richtung von Frankfurt-am-Main gedreht, gegen welchen Bonn gerade den Kampf für die Ernennung der deutschen Hauptstadt gewonnen hatte. Aber in 1960 geschah wieder ein Unglück. Am 18. März haben vier betrunkene junge Menschen aus Beuel die Figur mit Steinen beworfen. Sie fiel auseinander und einige große Stücke fielen in den Fluss. Nach diesem Akt des Vandalismus wurde das Original restauriert, aber kehrte nicht zurück auf die Brücke*. Also steht heute auf der Brücke für ihn sein moderner Zwilling ein.

 

Die Wölfin von Aachen

 

Auf dem Notgeld der Stadt Aachen – Bundesland Nordrhein-Westfalen – ist auf den Münzen im Wert von 10 und 20 Pfennig von 1920 eins auf den Hinterpfoten sitzendes wildes Tier abgebildet.

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Aachen – 10 Pfennig von 1920

 

Das ist die berühmte Wölfin von Aachen, über welche folgende Legende erzählt wird. Als für den Bau der großen Aachener Kirche das Geld plötzlich ausging, haben die Ältesten der Stadt sich weder an die Bank noch an Wucherer gewandt. Stattdessen entschieden sie den Teufel zu rufen. Dieser schaute sich die Umstände auf der Baustelle an und gab sein Einverständnis für den Deal. Aber dafür, wie erwartet, forderte er eine reine Seele – der ersten Person, die den fertigen Dom betritt. Der Bürgermeister schloss diesen Deal und der Sohn der Hölle machte sich an die Arbeit. Dabei bemühte er sich so sehr, dass er es schaffte die Kirche vor der genannten Frist fertigzustellen. Aber die Stadtväter haben auch nicht geschlafen. Als der letzte Stein gelegt war, wurde durch die Tore der Kathedrale eine im Wald gefangene Wölfin durchgelassen. Der Teufel, der von den Menschen einen solchen „Pferdefuß“ nicht erwartet hatte, warf sich auf das Tier und drehte ihm den Hals um. Als er merkte, dass ihm eine Falle gestellt wurde, war es schon zu spät. Als Erinnerung an die Opfergabe einer unschuldigen Seele (auch wenn einer Wölfin!) haben die Aachener zwei Bronzeskulpturen gegossen. Eine von diesen zeigt eine auf den Hinterpfoten sitzende Wölfin, die andere – einen Pinienzapfen, der die unschuldige Seele symbolisiert.

Die Aachener Wölfin kann man noch heute im Hof der Kathedrale sehen. Jedoch in Wirklichkeit ist das keine Wölfin, sondern eine Bärin. Beide Skulpturen (und der Pinienzapfen auch!) wurden von Karl dem Großen (747-814) aus einem seiner Kreuzzüge von den Pyrenäen mitgebracht. Die Historiker sind sich sicher, dass die Figuren zu Zeiten des römischen Imperators Marcus Aurelius (121-180) gegossen wurden. Dabei erinnerte die „Wölfin“ den König der Franken an eine berühmte katholische Legende, welcher zufolge die Gründerväter der Ewigen Stadt von diesem Raubtier großgezogen wurden. Die Wissenschaftler haben festgestellt, dass anfänglich beide Figuren eine oder mehrere Fontänen schmückten. Übrigens, auf den Münzen kann man sogar die Öffnung auf der Brust des Tieres erkennen, aus welchem einst Wasser hinaus floss. Es ist bekannt, dass im 19. Jahrhundert die linke Pfote der „Wölfin“ ausgewechselt wurde, und später wurde die Rechte repariert. Außerdem fehlen im Maul der Bärin einige Zähne. Jedoch ist es nicht bekannt, wie sie sie verlor. Es geschah während des „Umzugs“ aus Italien, oder sie wurden als Souvenirs von den Touristen verschleppt.

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Aachen – 25 Pfennig von 1920

 

Die oben erzählte Legende hat eine ziemlich unerwartete Fortsetzung. Als der auf die Menschen wütende Teufel Aachen verließ, schlug er voller Kraft mit der Tür des Kirchentors und verlor dabei einen Finger auf der linken Hand. Wie konnte das geschehen, werden Sie fragen. Ziemlich einfach! Er gelangte dabei mit dem Finger in einen der Tiermäuler, die die schweren Tore** schmückten. Die Bronzegestalt hat dem Teufel dann den Finger abgebissen. Es heißt, dass wenn man keine Angst hat die Hand in das „richtige“ Maul zu stecken, man auch heute noch dort den Finger des Teufels ertasten kann…

 

 

Anmerkungen:

 

*Heute kann man ihn am Eingang des Bonner Restaurants „Ristorante Rossi“ sehen (Adresse: Wilhelmstraße 22).

**Später wurde dieses Tor, wohl in Verbindung des Auftauchens der Tierköpfe darauf mit der Legende über die Aachener Wölfin, als „Wolfstor“ bezeichnet. In Wirklichkeit waren das Löwenköpfe. Und früher waren in ihren Mäulern Bronzeringe.

 

Aus dem Russischen von Yevgeniya Marmer

 

русская православная церковь заграницей иконы божией матери курская коренная в ганновере

Über Rolf Meisinger (Mannheim)

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