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Über Investmentsteuern, „Matratzensafes“ und Fußball

Der cypriotische Präsident Nikos Anstasiades und die Verwaltung der Europäischen Union haben endlich eine Einigung bezüglich des Finanzhilfeplans und der Vorbeugung des finanziellen Kollapses im Land gefunden. Beide Seiten haben vereinbart, dass die cypriotischen Banken in „gut“ und „schlecht“ aufgeteilt werden. In die „guten“ werden alle Bankguthaben bis 100 Tausend Euro überwiesen, die einer „Beschneidung“ unterworfen werden, in die „schlechten“ kommen alle Bankguthaben von juristischen und Privatpersonen, die mehr als 100 Tausend Euro betragen.

 

Davon sollen zwangsmäßig 15% abgezogen werden. Der Rettungsplan der Insel beinhaltet außerdem Eingrenzungen der Kapitalbilanz, damit nach der Eröffnung der Banken die Investoren nicht abhauen. Vom Bankkonto in den Bankautomaten abheben können dann Privatpersonen maximal 100 Euro am Tag. In der Presse wurde oft die Information darüber verbreitet, dass ein Löwenanteil der Guthaben in den cypriotischen Banken den Russen gehört, unter welchen auch Oligarchen sind, die das Geld, um es milde auszudrücken, nicht auf ehrliche Weise verdient haben. Aber wie sich herausgestellt hat, befindet sich in den cypriotischen Banken auch das schmutzige Geld aus Europa, aus Amerika und auch aus Asien. Diese außerordentlichen Maßnahmen für die Versteuerung der Guthaben dienen der Suche nach den für die cypriotische Regierung fehlenden 5,8 Milliarden Euro für das Empfangen der Hilfe in Höhe von 10 Milliarden Euro von der EU und den IWF. Dieses Geld soll angeblich für die Vermeidung der Staatspleite der Insel reichen.

 

Selbstverständlich konnte die ganze Aufregung um die cypriotischen Banken nicht an den Europäern unbemerkt vorbeigehen, vor allem der Bewohnern der problematischen südeuropäischen Länder. Z.B. wird in Spanien immer öfter der Satz wiederholt, dass es besser sei das Geld in den Matratzen zu lagern, als in jeder ach so sicheren Bank. Wahrscheinlich hat der Spanier Francisco Santos, als er sich auf seiner mit Geld gefüllten Matratze wälzte, die Idee für einen neuen Platz für den Safe gehabt. Er sagt: „Die Matratze ist immer in der Nähe, aber das ist kein sicherer Lagerplatz: es ist leicht herauszufinden, wo das Geld ist und es zu stehlen. Aber auf einer Matratze mit einem eingebauten Safe können die Menschen nicht nur komfortabel schlafen, sondern auch ruhig“. Der unternehmensfreudige Santos hat die Herstellung der „Sparkasse Meine Matratze“ auf seiner Fabrik DeSS eingeleitet und tritt in den Werbefilmen als Präsident der erfunden Bank auf. Und es scheint, dass auch wenn bald einige von uns nicht so einen Safe von Santos kaufen, wir einfach ihre Ersparnisse in die von unseren Großeltern geprüften Lagerorte bringen…

Übrigens, auf Cypern, trotz alledem, wir die Gründung der s.g. „Solidaritätsfonds“ geplant, wo das Geld der örtlichen Rentenfonds angelegt werden soll. Diese wenig sympathische Maßnahme hat sehr schroff die deutsche Kanzlerin Angela Merkel kritisiert. Aber, trotz ihrer gut erwogenen Position bezüglich des cypriotischen Problems, sind viele Cyprer aus Protest mit Plakaten „Merkel, du klaust unser Geld!“ auf die Straßen gegangen. Es ist kein Geheimnis, dass die Inselbewohner und die auf Cypern lebenden Ausländer die Schuld an ihren Problemen dem viel Geld für ihre Rettung investierenden Deutschland geben und nicht der eigenen Regierung. Sie glauben wirklich, dass Deutsche mit Hilfe der aktiven wirtschaftlichen Expansion auf ihre Kosten ihren eigenen Lebensraum erweitern. Diese Haltung zeigen auch schon seit einer Weile die Griechen, die sich in einer sehr schweren wirtschaftlichen Situation lange vor der cypriotischen Krise auffanden. Jetzt soll der Fußballtrainer Otto Rehhagel das Image der Deutschen aufpolieren und die Angst der Griechen und Cyprer vor dem „teutonischen Druck“ nehmen, der im Mai nach Athen als Übermittler des guten Willens fährt. Und nicht um sonst wurden während der antiken olympischen Spiele alle Kriege beendet – nicht nur Fußball, sondern Sport überhaupt kann Wunder bewirken, wie mit dem Zauberstab bringt er uns aus dem Sturm und den Katastrophen des schweren modernen Lebens in eine Welt der ehrlichen und offenen Sportwettstreits.

 

 Aus dem Russischen von Yevgeniya Marmer

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