Start // Artikeln // Lebensstil // Reisen // Paris als Seelenzustand
Integrationszentrum Mi&V e.V. – Mitarbeit und Verständigung

Paris als Seelenzustand

Das erste Mal war ich in Paris vor fünf Jahren. Obwohl damals meine „Bekanntschaft“ mit dieser unglaublichen Stadt nur flüchtig war – praktisch im wahrsten Sinne dieses Wortes. Denn in der im Reisebüro bestellten Reise war die Hauptattraktion der Besuch von Disneyland, und in der französischen Hauptstadt musste ich mich mit einer kurzen Busexkursion zu den berühmten Sehenswürdigkeiten zufriedenstellen, die man unbedingt sehen muss, wenn man schon hier ist.

 

Natürlich, zu einer der Hauptattraktionen gehört der Eiffelturm. Auf dem Platz Trocadéro, von welchem sich ein wunderbarer Ausblick auf die „Eiserne Dame“ (so respektvoll-ironisch nennen diese Konstruktion von Eifel die Pariser selber) bietet, legten wir damals die einzige „Fotopause“ ein. Ich muss sagen, es war ziemlich früh für einen Sonntag – 9 Uhr. Aber auf dem Platz fand schon ein tobender Handel mit Souvenirs statt.IMG 0463

 Ich machte halt bei einem der erstbesten Stände, und zur großen Freude des Verkäufers, nahm ich praktisch alles, was in die Hände passte, mit, und leerte mein Portemonnaie gnadenlos. Die Eindrücke von diesem minimalem Anteil an der Pariser Großartigkeit waren einfach so unendlich groß, dass ich wollte, dass mich an dieses Gefühl der Euphorie die Teetasse, die Geldbörse, der Schlüsselanhänger, der Stifthalter, der Bilderrahmen, das T-Shirt, der Becher, und mein kleiner persönlicher Eifelturm erinnerten… Und dann sprang mich eine anderer Akquisiteur plötzlich an, und auf akzentfreiem Russisch, dessen Kenntnisse ich seiner Hautfarbe nach niemals erwartet hätte, fragte er: „Bist du aus Russland?“

Wie er herausgefunden hatte, woher ich kam, blieb für mich ein Geheimnis (damals lebte ich noch wirklich in Russland), denn nach Paris kam ich in einer deutschsprachigen Touristengruppe und auf Russisch hatte ich in dem Moment mit keinem gesprochen. Ich gab zu, dass ich aus Russland sei. Mein unerwarteter Gesprächspartner erzählte mir, dass er vier Jahre in Moskau gelebt hatte, an der Uni eingeschrieben war, und jetzt… Bilder mit Pariser Sehenswürdigkeit auf dem Platz Trocadéro verkaufte. Seine Erzählung beendete er mit einer Art Prophezeiung: „Du wirst definitiv noch mal hier her kommen, und nicht nur ein Mal. Der, der einst in Paris war, kehrt immer wieder hier her zurück“.

Ich weiß nicht, inwiefern die ganze Erzählung des Straßenverkäufers der Wahrheit entsprach, aber eines kann ich mit Sicherheit sagen: seine Prophezeiung hat sich erfüllt. Zu katholischen Weihnachten war ich wieder in Paris! Und dieses Mal war meine „Bekanntschaft“ mit der Stadt viel tiefgründiger. Und – mehrdeutig…

Paris… Tinte herausholen und weinen…

Ich hoffe, Boris Pasternak verzeiht mir meine solch freie Interpretation seines unvergesslichen Werkes „Februar“, aber in diesen wenigen Tagen, in denen ich in der französischen Hauptstadt war, drehte sich in meinem Kopf der gleiche Satz: „Paris… Tinte herausholen und weinen…“. Weinen, weil ich nicht mit der Tinte so umgehen kann, um die wunderbaren Pariser Sehenswürdigkeiten zu skizzieren. Fotografieren, natürlich, ist in diesem Fall keine schlechte Sache. Aber – wie schön wäre eine Skizze mit Tinte mit der Abbildung des wundervollen Notre Dame de Paris, der Basilika Sacré-Cœur, dem Louvre mit seinen Glaspyramiden, der Grand Opera, die heute als Oper „Garnier“ bezeichnet wird, dem Eifelturm!.. Es gibt viele Orte in Paris, die künstlerische Fantasie auch in von Kunst entfernten Menschen erwecken…

IMG 0505 

Jedoch, den ersten unvergesslichen Eindruck während dieser Reise machte auf mich… der berühmte Kölner Dom. Unsere Busreise nach Paris ging durch Köln, wo das Reisebüro, dessen Dienste wir leider nicht in Anspruch nehmen konnten, um ein Uhr morgens (!) irgendeinen komischen „Trick“ mit den Passagieren durchführte, und einen Teil in einen anderen Bus umsetzte… Während diese langandauernde Prozedur vollführt wurde, musste man die Absicht, im unbequemen Sitz weiter zu schlafen, vergessen – die unaufhörliche Bewegung im Bus ließ keinem Ruhe. Was sollte man also machen? Aus dem Fenster gucken… Ich schaute und… vergaß die Dutzenden Touristen, die mit großem Lärm mir ihren Reisetaschen in dem engen Bus an mir vorbeigingen.“Eingehüllt“ in Beleuchtung, ragten die Spitzen der beiden Türme des gotischen Doms in den Himmel (der Kölner Bahnhof befindet sich ganz in der Nähe dieses wunderbaren Bauwerks). Und obwohl ich nicht weit von Ulm wohne und schon oft den höchsten in Europa gotischen Dom Ulmer Münster gesehen habe, verblüffte mich dieser Blick aus dem Fenster. Es ist IMG 0513bekannt, dass die kirchlichen Bauten im gotischen Stil genauso gebaut wurden, um die Kirchengänger in furchteinflößenden heiligen Schrecken zu versetzen und zu zeigen, wie nichtig der Mensch im Vergleich zu Gott ist. Aber damals verstand meine schläfrige Vorstellung diese Landschaft anders. Ich stellte mir vor, dass aus dem unendlich weiten Ozean… ein Skelett eines uralten Tieres, die es heute nicht mehr gibt, emporragte. Und davon erschien mir der Anblick noch furchteinflößender und gleichzeitig verzaubernd, sodass ich den Blick nicht abwenden konnte… (Übrigens, aus irgendeinem Grund erweckt Notre Dame de Paris nicht die gleichen Horrorgefühle, obwohl, das auch Gotik ist…). Und dann, plötzlich, ertönte aus den Lautsprechern, die über den Sitzen befestigt waren, eine ziemlich aufgeweckte, für diese „nachmitternachtliche“ Zeit, Stimme des Reiseführers David, der uns am „Bord“ auf der Reise nach Paris willkommen hieß.

Ich muss sagen, mit seiner Arbeit ging unser junger (wahrscheinlich noch Student eines historischen Studienganges) Reiseführer sehr verantwortungsbewusst um. Er wählte passende Musik aus, suchte Lieder, in dessen Text die Namen der berühmten Pariser Sehenswürdigkeiten auftauchen (und, wie es sich herausgestellt hat, muss man gar nicht Französisch sprechen, um zusammen mit Joe Dassin „Aux, Champs Elysees“ zu singen, wenn man durch die Champs Elysees fährt), belustigte uns mit Witzen, interessanten und ungewöhnlichen Fakten über Paris und die Pariser, die wohl nicht in jedem Reiseführer stehen… Z.B., wussten Sie, dass einer der heftigsten Gegner des heutigen Wahrzeichens von Paris – dem Eifelturm – der berühmte Guy de Maupassant war. Und, trotz alledem, aß er oft zu Mittag in dem Restaurant, welches sich auf einer der Etagen des Turms befindet (übrigens, heute befinden sich auf den vier Etagen des Turms zwei Restaurants und eine Bar, ein Museum, unzählige Souvenirshops, Aussichtsplattformen, und im Winter auch eine Eisbahn!). Auf die Frage warum, antwortete er: „Das ist der einzige Platz in Paris, von wo aus man diesen Horror nicht sehen kann!“

IMG 0660

Man kann nicht verneinen, dass keine andere Stadt auf der Welt so oft als Hintergrund für Bücher und Filme benutzt wird. Und wenn man in Paris spazieren geht, erinnert man sich ständig: „So, hier die Glaspyramide vor dem Louvre, die mit ihrer Spitze in den Boden zeigt und, nach mutigen Annahmen von Dan Brown in dem weltberühmten Bestseller „The Da Vinci Code“, direkt auf den geheimen Stellplatz des Sarges mit den Überresten der Maria Magdalena zeigt. Man würde schon gerne wissen, ob dort wirklich der Heilige Gral versteckt ist?.. Und die Notre Dame de Paris, die von Victor Hugo in seinem Buch „Der Glöckler von Notre Dame“ so liebevoll besungen wird, und in einem wunderbaren weltberühmten Musical verwandelt wurde, der zur Klassik des Genres gehört… Wenn damals, als wir in der Uni im Fach „Europäische Literatur“ dieses Buch behandelten, ich beim Lesen nicht die Seiten überflogen hätte, auf welchen Hugo so detailliert die Notre Dame beschrieb, dann hätte ich jetzt viel mehr darüber gewusst. Ich sollte das noch mal lesen… Übrigens, was ist denn das genau mit den Wasserspeiern[1]? Viele von ihnen sehen aus wie Seifenreste – die Regenfälle der letzten acht Jahrhunderte haben sie nicht verschont, bei einer ist sogar der Kopf abgefallen – ich hoffe doch, niemand, außer ihm, ist zu Schaden gekommen… Ach, und hier wurde, anscheinend, die atemberaubende Szene des Spionagethrillers „From Paris with Love“ mit John Travolta gedreht… Und auch, möglicherweise, lebte auf dem Dach dieses malerischen Hauses die finanziell instabile (und moralisch überhaupt nicht stabile, aber sehr rührende) Heldin des Romans von Anna Gavalda „Einfach zusammen“, Kamilla… Und hier ist der Monmartre, das „Heiligtum“ der Künstler und meiner geliebten Amelie aus dem gleichnamigen Film… Über „Der letzte Tango in Paris“ und „Moulin Rouge“ werde ich wohl lieber nichts sagen, vor allem, weil man so ewig weiterzählen könnte… Klare Sache, so viele schöne und mit geschichtlichem Sinn erfüllte Orte, gibt es wahrscheinlich in keiner anderen Welthauptstadt. Deswegen, wahrscheinlich, wenn man jemandem sagt, dass man davon träumt hier zu leben, kriegt man ein verständnisvolles Nicken als Antwort – wer träumt denn nicht davon?..

IMG 0471 Und außerdem, z.B. welche Frau träumt nicht davon die Platinkarte zu besitzen und, wie echte Weltberühmtheiten und Reiche, einfach durch das 8. Pariser Arrondissement zu schlendern und alles zu kaufen, was man will?.. Denn dieses Viertel ist berühmt für sein „Goldenes Dreieck“, dass mit den Straßen Avenue Georg V., Champs Elysees und Montaigne gebildet wird. Genau hier befinden sich die berühmtesten Modehäuser und Boutiquen PrêtàPorter von Paris: Dolce und Gabbana, Jil Sander, Prada, Valentino, Chanel, Lacroix und viele andere Marken. Das „Goldene Dreieck“ zählt zum aristokratischen „Königreich“ des Shoppings, und hier dominiert traditionell der gute Geschmack, der auf reiche Kunden abzielt. Das Viertel hat auch noch einen anderen Namen – „Shick! Shek! Shok!“. Denn viele reiche Männer, oder eher ihre Frauen, kaufen hier sehr teure schicke Sachen, ohne auf die Preisschilder zu achten. Dann bekommen sie den Scheck, und nicht selten, einen entsprechenden Schock… In diesem 8. Arrondissement befindet sich auch die Boutique von Louis Vuitton – der größte Laden auf der Champs Elysees. Außerdem gibt es hier noch einen Laden – auch einer ziemlich berühmten, aber nicht so einer teuren Marke – „Naf Naf“. Dort arbeitet schon seit drei Jahren meine Freundin Eugenia. An einem unserer Aufenthaltstage in Frankreich haben wir uns mit Eugenia nach fünf Jahren wiedergesehen. Ohne Pause „zwitscherten“ wir miteinander, spazierten durch die Straßen unter glänzenden festlichen Lichtern in Richtung der Champs Elysees, wo sich der Weihnachtsmarkt ausbreitete. Wir gingen an der Boutique von „Louis Vuitton“ vorbei und Eugenia warf die Hände in die Luft: „Ich erzähl dirIMG 0624 gleich was! Ein Mal, haben meine Freundin, die auch aus Russland kommt, und ich, uns an unserem freien Tag schick gemacht und schlenderten durch diese Straße in der Hoffnung irgendwelche Prominenten hier zu treffen. Und dann, genau hier, wurden wir von ihnen angehalten… den Chinesen! Ein Mann und eine Frau mittleren Alters, versuchten uns zu erklären, was sie von uns wollen, mit Hilfe von einer komischen Mischung aus Englisch, Französisch, wahrscheinlich Chinesisch und Gesten… Es hatte sich herausgestellt, dass sie eine „Mission“ hatten – in dieser Boutique zwei Taschen für zwei Tausend Euro und zwei Portemonnaies für je 500 Euro zu erwerben. Und zwar nicht irgendwelche, sondern ganz bestimmte, sie zeigten uns auch ein Foto. Und versprachen uns, wenn wir diese für sie finden, dann würden sie jeder von uns 50 Euro dafür geben. Sie gaben uns das nötige Geld (wie hatten sie denn keine Angst, dass wir mit ihrem Riesengeld einfach abhauen würden?!), und wir gingen hinein, und taten so, als wären wir Frauen von Oligarchen. Wir hatten unseren Spaß, als wir vor den Verkäuferinnen zickige Schätzerinnen der Produktion von Louis Vuitton vorspielten und kauften dann genau die Sachen, die die Chinesen haben wollten. Wozu sie diese brauchten und warum konnten sie diese nicht selber kaufen? Weil Chinesen nicht in diese Boutique hineingelassen werden und ihnen keine Firmenware verkauft wird, weil sie diese exklusiven Produkte nachmachen und sie somit entwerten… Schuldig, ich habe was illegales getan, aber, man will hoffen, dass Louis Vuitton davon nicht Bankrott geht“…

 Aber man sollte nicht annehmen, dass Paris das Paradies auf Erden sein. Es gibt hier auch einen anderen Anlass um „die Tinte herauszuholen und zu weinen“. Genauer gesagt, erst weinen über den Zustand des Asphaltbelags auf den Straßen, über den IMG 0588Müll auf den selbigen, über die schmutzigen Haltestellen und den Metrowagen… Und dann „Tinte herausholen“ und, nach geliebter deutscher Tradition, schreiben, schreiben und schreiben – Beschwerden an entsprechende und nicht entsprechende Instanzen, in gerechtfertigtem Zorn fragend: „Wohin gehen die Gelder der französischen Steuerzahler (und in diesem Fall der millionenhohen Armee der Touristen)?!“ Über den Stadtrand braucht man gar nicht sprechen: unser Hotel befand sich genau dort, am Pariser Stadtrand (und hiermit wieder unsere „Dankbarkeit“ dem Reisebüro). Was soll man sagen… Bestenfalls erinnert es an Bezirke in Moskau, in denen sich die Endstation der Metro befindet – irgendwelche „Textilschiki“… Schlimmstenfalls… Na, ich weiß nicht… Was ich mit Sicherheit sagen kann ist, dass man in Deutschland sich so etwas nur schwer vorstellen kann, dass direkt an den Straßenrändern Obdachlose aus Kartons und anderem Kram sich „Wohnungen“ konstruieren, auf Seilen irgendwelche alten Tücher aufhängen… Also „Wunderhof“ forever!

Übrigens, nicht weit davon ist der „Flohmarkt“ – ein einzigartiger Handelspunkt, wo überwiegend, ehrlich gesagt, unnötiger Kram verkauft wird, aber hier kann man auch einige unterschiedliche seltene Sachen erwerben, und zwar für sehr kleines Geld… Unser Reiseleiter David machte einen Witz bezüglich des „Flohmarkts“: „Wenn Sie in Paris beklaut wurden, dann kommen Sie sofort hierher, schon nach einer halben Stunde werden Sie Ihren Verlust hier finden“.

Versailles und Fontainbleau

Wahrscheinlich, ist das auch besser so, dass unsere Reise im Dezember stattfand, wenn in Paris noch nicht viele Touristen sind, wie im Sommer… Außerdem hatten wir Glück mit dem Wetter – bei +15° Spaziergang an der frischen Luft im Winter (kann man jetzt schwer glauben, dass es so war, nicht?) ist ziemlich angenehm. Deswegen hat uns der Fakt, dass Versailles zur Restauration geschlossen war, nicht besonders gestört. Und den von außen angucken ist auch schon eine große ästhetische Freude. Und wenn auch das weltberühmte Meisterwerk der Landschaftsarchitektur – die riesengroße Schlossparkanlage – in den „Winterschlaf“ gefallen war, und auf den Beeten nur wenige Muster hinterlassen wurden, die wie Teppiche aus kältebeständigen Pflanzen aussahen. Hier gibt es zu jeder Jahreszeit etwas zu gucken… Was für ein majestätisches Schloss mit wundervollen Basreliefs und pittoresken Skulpturen von antiken Helden aus griechischen und römischen Sagen!.. Und diese ruhige Glätte des Teiches mit den Schwänen!.. Und diese gebogenen Treppen, diese wunderbaren Alleen!.. Man hört beinah das Rascheln von Reifröcken und die wohlerzogenen Stimmen in gepuderten Perücken, begleitet von Kavaliers und Rittern und goldbestickten Wamsen, die auf eine Einladung des ersten Besitzers dieses luxuriösen Palastes des Sonnenkönigs Ludwig XIV hier verweilten… Echo der Vergangenheit, erfüllt von übermäßiger Pracht und Intrigen, der Größe der Gesten, der Falschheit und der Ehre, der seelischen Feigheit und des heldenhaften Edelmuts… Die für uns so entfernte und unbekannte Welt, aber so verlockend… Deswegen, wahrscheinlich, gibt es in jeder Lesergeneration Verehrer der Kunst von Alexander Dumas…

IMG 0554 Aber jetzt – lebt wohl, ihr wunderbaren, geschmiedeten, vergoldeten Gitter, auf Wiedersehen wunderschöne antike Götter, wir müssen weiter fahren, zum Treffen mit anderen einzigartigen historischen Sehenswürdigkeiten Frankreichs, die von der JUNESCO als Welterbe anerkannt wurde,- und mit dem Schloss Fontainebleau. In diesem Schloss aus der Epoche der Renaissance, das sich im französischen Département Seine-et-Marne befindet, wohnten viele französische Monarchen, angefangen mit Ludwig VII, bis hin zu Napoleon III. Drei Monarchen sind in dem Schloss geboren – Phillip IV. der Schöne, Heinrich II Valois und Ludwig XIII. Ab 1137 haben die königlichen Generationen dieses wunderschöne Bauwerk stets verschönert. Und jetzt ist er in dem s.g. Stil „Schule von Fontainebleau“, der in der unglaublichen Pracht zusammen mit exquisitem Geschmack deutlich wird, gebaut. Besonders auffällige Beispiele dieser Schule kann man in der zweiten Etage des Schlosses beobachten – in den königlichen Gemächern, der Galerie von Franz I., dem Thronsaal, dem Ratsaal, dem großen Ballsaal…

IMG 0557 Im Laufe der Jahrhunderte wurde die königliche Residenz mit neuen Galerien vervollständigt. Und mit der Zeit hat sich der Palast in einen großen Lagerraum künstlerischer Werke verwandelt. Hier flirtete mit seinen Fräulein Ludwig XIV., dieses Schloss liebte besonders seine Mutter – die Königin Anna von Österreich, die allen aus „Die drei Musketiere“ bekannt ist. Aber am öftesten hört man den Namen „Fontainebleau“ in Zusammenhang mit Napoleon Bonaparte. Er lebte hier fast die ganze Zeit. Wenn man durch die Räume des Schlosses geht, kann man sich sehr gut den kleinen Korsikaner vorstellen, der energisch durch die lagen Flure und schönen Säle des Palastes marschiert, inspiriert von einer neuen Idee der Welteroberung und seinen wahrlich napoleonischen Plänen. Hierher kehrte Bonaparte meistens mit einem Schild zurück, aber nicht auf dem Schild von den Schlachtfeldern. Und genau hier unterschrieb er seinen Verzicht auf den Thron. Und im Hof des Schlosses, auf der Treppe, die mit wunderschönen pittoresken Balustraden geschmückt ist und in Form eines Hufeisens ausgeführt ist, brachte ihm letztendlich kein Glück, der große Korsikaner verabschiedete sich von seiner alten Garde, und seitdem heißt der Hof „Hof des Abschieds“.

IMG 0497Kein einziger Anblick in meinem ganzen Leben, hat in mir je so viel Begeisterung erweckt. Ich bin ein Mensch, der, zu meinem eigenen Beschämen, sich bis jetzt nicht besonders für die Weltgeschichte interessiert hat, und ich war erschüttert von dieser Großartigkeit! Außerdem, nach Angaben unseres Reiseleiters, ist praktisch alles hier – die schicken Möbel, die seidenen Tapeten auf den Wänden, die Teppiche, der königliche Thron, also die ganze schicke Inneneinrichtung – im Original erhalten. Und wie bedauerlich war es, als der Akku meiner Fotokamera gerade dann ihren Geist aufgab!..

 Ja, natürlich, man denkt auch darüber nach, auf Kosten welcher unglaublicher finanzieller Mittel all diese Errichtungen der Paläste auf dem Hintergrund der unglaublichen Armut der Bevölkerung stattfanden. Die Starken dieser Welt werden des Öfteren und zu allen Zeiten von ihren eigenen Ambitionen geleitet. So ist es auch in unserer Zeit. Und wenn das auch zynisch klingen mag, aber nach den französischen Königen sind der Welt so viele unbeschreiblich schöne architektonische Denkmäler erhalten geblieben. Und was bleibt der Welt nach heutigen Neureichen, die ihr Vermögen auf Tausenden gebrochenen Schicksälen erbaut haben? Nur Staub…

 „Disneyland“: wenn Märchen aufleben…

IMG 0603 Wenn die Schlösser von Versailles und Fontainebleau aus Märchen für Erwachsene sind, dann ist der größte Vergnügungspark in Europa – „Disneyland“ – die Welt, die eine Menge unvergesslicher Eindrücke den Kinder, und auch ihren Eltern schenkt. Wir hatten das Glück uns dort zum zweiten Mal aufzufinden an Weihnachten – am 25. Dezember. Natürlich, für das wichtigste katholische Fest wurde eine großartige Überraschung vorbereitet: weihnachtliche Parade der von allen geliebten Disney Gestalten mit Santa Clause im Schlitten, gezogen von Rentieren. Und obwohl ein für den Winter untypisches Wetter herrschte, kreisten plötzlich über den Köpfen von Tausenden Zuschauern Schneeflocken – wirklich, wie im Märchen! Natürlich hatten die Veranstalter dieses Festes ihre eigenen Tricks, aber darüber wollte man gar nicht nachdenken. Man wollte in diese Atmosphäre der sorgenlosen Kindheit und unbeschreiblichen Freude eintauchen. Aber die Realität befahl wieder auf die Erde zurückzukommen, wenn vor jeder Attraktion, die man ausprobieren wollte, man eine Stunde in der Schlange anstehen musste

IMG 0517

– zwischen weinenden Kindern und nervösen Eltern… Und dann auch unser Kleiner, der schon von diesem ganzen Lärm ziemlich müde war, fügte seine „Noten“ in den gemeinsamen „Chorus“ mit ein… Und wie sehr du auch versuchst sich selbst und deine Gruppe aufzumuntern (denn man will sich nicht eingestehen, dass die 55 Euro, die jeder Erwachsene für die Eintrittskarte gezahlt hat, für die Katz waren), geschieht das irgendwie nicht überzeugend…

 

IMG 0593Ja, selbstverständlich, ist es hier sehr schön, es werden viele interessante Ideen bei der Gestaltung des Parks umgesetzt und die Attraktionen (einige konnten wir auch ausprobieren), größtenteils, übersteigen alle Erwartungen durch die Menge der Emotionen. Aber irgendwie, trotzdem, entsteht betont das Gefühl: „Wir verdienen an euch Geld…“ Auch unzufriedene Gesichter des Personals, und auch schon ordentlich benutzte „Technik“, die übermäßigen Preise auf Süßigkeiten und Souvenirs sprechen davon ziemlich offen…

 Darin besteht auch das Glück von Kindern – sie erfreuen sich am Leben ohne „wenn“ und „aber“. Und wenn sie erwachsen werden, suchen sie in allem Fallen und einen versteckten Sinn… Also sollte man vielleicht von den Kindern lernen? Deswegen werde ich von meinem Sohn lernen. Und wenn er älter wird, werden wir unbedingt noch mal nach Paris fahren, und nach „Disneyland“. Weil Paris in deinem Herzen für immer bleibt, wie die wahre Liebe. Du liebst, obwohl du verstehst, dass alles nicht einfach und wolkenlos ist. Und, trotzdem – liebst du, mit allen Macken, denn hinter den Vorzügen siehst du nicht mehr Marotten.

 

 

Diana Revazova-Mayer

Foto des Autors

Aus dem Russischen von Yevgeniya Marmer



[1] Die Wasserspeier von Notre Dame, fr. Gargouille

 

русская православная церковь заграницей иконы божией матери курская коренная в ганновере

Über Diana Revazova-Mayer

Auch lesen

CCF24111 734E 4E4B A485 EAC274C84FF3

Singapur: Reise in ein Land der Zukunft

Welche Stadt der Welt gilt als am freundlichsten? Internetportal travelbird meint: das ist Singapur, dessen …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Яндекс.Метрика