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Mit den russischen Pfaden der französischen Riviera

Ein gewöhnlicher Flug von Frankfurt nach Nizza. Kein Wunder, dass das Flugzeug „vollgestopft“ ist: In Deutschland – Frost, und an der Côte d’Azur sinken die Temperaturen nicht mal im Winter unter +10° C. Für viele Deutsche ziemlich bequem: nur eine Stunde Flug und schon bist du in einer ganz anderen Welt. Und hier erwartet mich die erste Überraschung: fast ein Drittel der Passagiere sind aus Russland. Hier und dort ist Russisch zu hören, und am Flughafen von Nizza werden die russischen Touristen von unzähligen Freunden und Reiseführern empfangen.

 Die sonnige Stadt

 

Nizza ähnelt von ihrer Atmosphäre her sehr den großen russischen Städten: breite Boulevards und Avenues, unzählige Fußgänger, Kontraste. Hier, wie in St. Petersburg: pittoreske, festliche, erst vor Kurzem restaurierte Fassaden in Kombination mit abblätternder Farbe alter Häuschen, schicke Boutiquen und Hotels mit einem Übernachtungspreis von 300 Euro pro Person pro Nacht wechseln sich ab mit türkischen und chinesischen Imbissen, wo man ein komplettes Mittagessen schon für 3 Euro bekommt. Alles bewegt sich, Häuser werden restauriert, Straßen werden erneuert, die Stadtbewohner beeilen sich zur Arbeit. Aber es gibt auch Unterschiede – Sonne, Meer, exotische Palmen und Pflanzen. Genau für diese Vorteile strömen hierher und in andere Nachbarküstenstädte – Cannes, Menton, Anthibes – die russischen Urlauber. 

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Die Engländer haben als erste die Côte d’Azur entdeckt. Sie opferten so viel Geld, dass es für die Errichtung der Promenade reichte, die heute den Namen „Englische Promenade“ trägt. Die Russen haben die Küste zu Zeiten Alexander II entdeckt, der mit seiner Frau des Öfteren die sonnige Stadt in den kalten Wintermonaten besuchte. Der Zarenfamilie folgten auch andere russische Aristokraten nach Nizza. Die Apraksins, die Judenichis, die Ljubanov-Rostovskis, die Stroganoffs, mehr als 150 Familien russischer Aristokraten… Schon bald wurde die Anwesenheit der Russen bemerkbar. Sie bauten hier ihre Häuser und Villen, organisierten Bälle, errichteten orthodoxe Kirchen. In 1930 wohnten in Nizza mehr als fünf Tausend Russen.

                                        

 Russische Spuren

Versuchen wir doch einen kleinen Spaziergang durch das „russische“ Nizza zu machen. Unser erster Halt – der Dom des hl. Nikolaus. Er ist einer der schönsten orthodoxen Dome im Ausland. 

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In 1965 ist nach einer schweren Krankheit, Nikolaj, der Sohn des Zaren Alexander II in Nizza gestorben. Um die Erinnerung an ihn zu verewigen, hat der Imperator die Villa und den Park gekauft, wo der Zarensohn immer wohnte, wenn er nach Nizza kam. Der Dom des hl. Nikolaus befindet sich auf dem Prinzen-Boulevard, der nach dem in Nizza zu früh verstorbenen Prinzen benannt wurde. Der majestätische Dom, ist zweifellos ein dominierendes Bauwerk in Nizza, seine innere Ausmachung, vor allem die Mosaik, vom russischen Meister Frolov ausgeführt, hat einen sehr hohen künstlerischen Wert. Und heute strömen in den funktionierenden Dom und auch in den nahegelegenen russischen Laden, Menschen.

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Nur zehn Minuten Fußmarsch vom Dom entfernt erwartet uns die nächste Sehenswürdigkeit – das Kunstmuseum, in den Räumen welches Gemälde berühmter europäischer Maler an den Wänden hängen. Fas Gebäude hat einst der russischen Fürstin Kochubej gehört, die veranlasste diesen prunkvollen Palast im Stil des italienischen Barock zu errichten. In den Museumsräumen sind einige Arbeiten von Maria Baschkirceva ausgestellt – eine talentierte russische Künstlerin, die nur 24 Jahre lebte.

Sie starb in Nizza in 1884 an einer unheilbaren Krankheit. Das Tagebuch, das Maria kurz vor ihrem Tod führte, erschüttert mit seiner Ehrlichkeit, da drin – der Durst nach Leben und nach Liebe. Es wurde nach dem Tod der jungen Frau veröffentlicht und wurde sehr berühmt.

Das Schicksal der romantischen Schönheit verführte und inspirierte viele Künstler, unter anderem auch Marina Zvetaewa. Interessant ist auch, dass das andere Kunstmuseum der Stadt – Museum von Massen – befindet sich in einer Villa, die vom russischen Aristokraten Disbach erbaut wurde. Das Universitätsgebäude von Nizza gehörte einst auch einem reichen Russen. Und auch das ist noch nicht alles. Im Nordteil der Stadt befindet sich ein Museum, das einem anderen unserer Landsleute gewidmet ist – dem herausragenden Maler des 20ten Jahrhunderts, Marc Chagall. Chagall verbrachte auf der Côte d’Azur in der Künstlerstatt St. Paul die letzten Jahre seines Lebens. Das Chagall-Museum wurde für die Platzierung von ihm erschaffener monumentaler Wandgemälde mit dem weiten Namen „Biblische Nachricht“ erbaut.   Hier kann man mehr als eine Stunde verbringen: nach dem Besuch einer ziemlich großen Ausstellung in einem Café sitzen oder sich im Park erholen, der sich um das Museum herum befindet. Das ist ein ganzer Komplex und hier gibt es immer viele Menschen.

Nach dem Verlassen des Kunstmuseums stoßen Sie buchstäblich auf ein anderes russisches Wunder-Restaurant „Transsib“, dessen innere Ausstattung an einen antiken Eisenbahnwagon erinnert. Natürlich wirten hier heute Franzosen, aber im Menü sind noch immer Blinys mit Kaviar und Bortsch enthalten.

 

 Hotel „Negresco“

Und hier ist das berühmteste Gebäude der Stadt – das Hotel „Negresco“, das in 1912 von einem russischen Reichen namens Negresco errichtet wurde. Unvergessliche Innenausstattung des Hotels wurde von den besten Malern der Welt gemacht. Den Hauptsaal des Hotels ziert russische Arbeit. Dieser riesige Kristallleuchter, der von russischen Meistern gebaut wurde und vor dem ersten Weltkrieg nach Nizza befördert wurde.

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Genauso einen Leuchter kann man auch im Katharina-Saal im Moskauer Kreml sehen. Die Innenausstattung des Hotels anschauen und ziemlich teure Souvenirs und Kunstobjekte erstehen kann jeder: die Türen des Hotels sind für alle offen. Allem Anschein nach sind heutzutage die Russen häufige Gäste des Hotels, denn in seinem Foyer liegen russischsprachige Zeitungen und Broschüren. Ein Zimmer im „Negresco“ kostet mindestens 300 Dollar pro Nacht, aber das schreckt niemanden zurück: in der Nachbarstadt Monte Carlo ist es noch teurer. 

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Wenn Sie durch die Straßen der Stadt spazieren, können Sie Schilder mit „Wir sprechen Russisch“ sehen, die Russische Sprache draußen hören. Außer den Touristen leben hier auch Einwanderer aus ehemaligen Sowjetrepubliken, vor allem aus Moldawien, russische Frauen, russische Studenten, aber von ihnen gibt es viel weniger, als z.B. von Auswanderern aus Nordafrika. Erfreulich ist, dass in Nizza und in anderen Städten der Côte d’Azur es aktive Schulen für das Erlenen der russischen Sprache und russische Kulturzentren gibt.

 

Lina Zapenskaya (Frankfurt)
Aus dem Russischen von Yevgeniya Marmer
  

                                                                          

 

 

русская православная церковь заграницей иконы божией матери курская коренная в ганновере

Über Lina Zasepskaya (Frankfurt)

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