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Ostseebad Binz – Liebe auf den ersten Blick

Allerdings, um ehrlich zu sein – erst auf den zweiten. Da der erste Blick recht nervös war.
Das Restaurant von „Tante Anja“ und nicht nur…
Selbstverständlich gibt es keine „Tante Anja“ in Ostseebad Binz. Ich habe mich einfach an meine Jugend und an eine Wirtin aus einem der Restaurants in Gomel – Tante Anja, die sorgfältig darauf achtete, dass die Studenten nicht nur tranken, sondern auch den Magen mit Essen füllten, erinnert. Aber ich bin, glaube ich, etwas abgedriftet…

 

Also, meine Frau und ich erreichten Ostseebad Binz erst nachmittags, etwa gegen 15:00 Uhr und checkten sofort in der im Voraus reservierten Ferienwohnung ein, wonach wir uns auf die Suche nach einem Restaurant machten. Man muss zugeben, dass nach fünfeinhalb Stunden im Zug man einen Bärenhunger bekommt.

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Wir bogen aus der ersten Straße auf die Promenade nach links. Zwei oder drei Restaurants auf dem Weg waren zur „Siesta“ geschlossen oder öffneten erst wieder zu Abend hin. Und sonst waren nur die Tannen mit Fichten, die Pappeln mit Birken und das Meer da. Wunderschön, frische Luft, aber vom Einatmen dieser Frische wuchs der Hunger ins Unermessliche.

Nachdem wir uns auf diese Weise etwa noch eine Stunde lang „erholt“ hatten, kehrten wir zum Ausgangspunkt auf die Dünenstraße zurück, und an der Kreuzung dieser mit der Hans-Beimler-Straße entdeckten wir ein kleines Restaurant, das in 15 Minuten hätte öffnen müssen, wie das Schild neben der Tür sagte. Die Wirtin war schon dabei die Sonnenschirme vor dem Lokal zu platzieren und stellte die Tafel mit dem Tagesmenü auf…

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Als sie in unsere „hungrigen Augen“ blickte, öffnete sie gastfreundlich und einladend die Türen ihres Etablissements. Leider hatten wir nicht gesehen, wie das Restaurant hieß und den Namen der Wirtin kannten wir natürlich auch nicht.

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Ab dahin war alles fast, wie zu Hause. Wir saßen an einem Tisch in der Ecke und sahen, wie die Frau in einer Pfanne das bestellte Fleisch briet und in der anderen – Kartoffeln. Dabei schaffte sie noch Gemüsesalat zu schnippeln und uns dunkles Bier einzuschenken. Und, als ob so ganz nebenbei, erzählte sie uns die letzten Nachrichten aus dem Kurort und stellte uns ganz unaufdringlich die W-Fragen „woher, wohin, wozu“.

Kurz gesagt, wir haben, wie zu Hause gegessen: alles frisch, gerade vom Herd, begleitet von einem guten Gespräch. Und gar nicht teuer. Ungefähr 25 Euro für zwei Personen.

Leider kamen wir nie wieder zu diesem Lokal zurück. Wohl, bedauerlicherweise. Denn nach dem Mittagessen gingen wir zurück auf die Promenade. Und dieses Mal bewegten wir uns auch in die richtige Richtung fort – nach rechts. Und dort gab es alle möglichen Restaurants, sogar mehr als genug. Sie können mir glauben – einem Mann mit einem jahrelangen Magengeschwür – die Gerichte in deutschen Restaurants sind nicht schlechter, als Selbstgekochte. Oft – besser. Alleine deshalb, weil zu Hause etwas Ähnliches recht schwer zuzubereiten wäre. Und ziemlich teuer.

Nehmen wir z.B. die Fischsuppe im Restaurant „Fischmarkt“, das nur einige Minuten Fußmarsch vom Steg entfernt ist. Vier Sorten Fisch da drin! Ich könnte essen und essen… Was wir, also meine Frau und ich, auch versuchten zu machen. Aber Papperlapapp! Die ganze Portion aufzuessen hat nicht geklappt. Die, der Menükarte zufolge, für zwei gedacht war. Deswegen hat wohl der Kellner, als er unsere Bestellung aufnahm, irgendwie mysteriös gelächelt. Eigentlich hätte man für die 19 Euro für das Gericht auch vier Menschen satt kriegen können. Wenn nicht noch mehr.

Eigentlich kann man in jedem Restaurant von Ostseebad Binz lecker und ausreichend zu zweit für bis zu 25 – 30 Euro zu Mittag essen, Bier und Trinkgeld für den Kellner inklusive. Und, wenn Sie dem letzteren etwas Nettes tun wollen, bestellen Sie das dunkle Bier „Köstritzer“. Es wird in der ehemaligen DDR produziert, und die örtlichen Einwohner zählen es traditionell zu ihrem eigenen. Und empfinden oft Sympathie für die Urlauber, die ihre Vorlieben teilen. Übrigens, das Bier ist wirklich richtig gut. Obwohl natürlich, über Geschmäcker lässt sich streiten.

Binz ist auch sehr beliebt von den Schweden. Deswegen werden die Menükarten in vielen Etablissements in zwei Sprachen gedruckt: Deutsch und Schwedisch.

Die Russen bevorzugen die Türkei und Spanien

Denn die Sprache der heimatlichen Birken und Espen auf der Promenade ist eher noch etwas „Exotisches“. Und erweckt bei den anderen ehrliche Unverständnis: „Wie, ein Russe hat kein Geld gescheut, um hierher zu kommen?“

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Die Deutschen, bei Erwähnung von Binz oder Rügen, rollen voller Begeisterung die Augen: nach dem Motto, dieser Urlaub ist für Menschen, die verstehen, worum es im Leben geht. Für Gourmets, wenn Sie so wollen.

Die Mehrheit der Ausländer (und unsere Landsleute auch) kommen nach Deutschland, um Stadtbesichtigungen zu machen. Berlin, Dresden, München, die Schlösser Bayerns, eine Fahrt auf dem Rhein… Ein Tag hier, einen halben Tag da, noch einen Tag in einer dritten Stadt, usw. Dutzende von absolut gleichen Fotos neben den gleichen Denkmälern, im Hintergrund „typisch“ deutsche Landschaften.

Obwohl natürlich, die meisten Reisebüros in Deutschland auch nichts anderes an bieten. Die am meisten begehrten Urlaubsorte benötigen aber keine Werbung: deren guter Ruf lebt im Volk und wird durch Mundpropaganda vorangetragen. An die, die es hören wollen.

Also, das Ostseebad Binz ist eines der prestigeträchtigsten und wohl respektabelsten Urlaubsorte auf der deutschen Insel Rügen. Dieses kleine Kurstädtchen liegt im östlichen Teil der Insel zwischen der Bucht, mit dem schwer aussprechbarem Namen – Prorer Wiek und dem beinah genauso „schlecht klingenden“, zumindest für das russische Ohr, See – den Schmachter See.

Zum ersten Mal wird das Ostseebad Binz in den Geschichtsschriften Anfang des 14. Jahrhunderts erwähnt, und in den 50ger Jahren des 19. Jahrhunderts sind hier die ersten Urlauber zum ersten Mal aufgetaucht. Im letzten Jahrzehnt des vorletzten Jahrhunderts wurde der Kurort intensiv weiterentwickelt: es wurden viele Hotels und Kurhäuser und auch neue Straßen gebaut. Und in 1985 wird in Binz die Promenade „eröffnet“ – ein Fußweg für Spaziergänge am Ufer entlang – die Strandpromenade. In 1902 wird der erste Steg erbaut, der 600 Meter hinaus ins Meer geht. Bedauerlicherweise wurde dieser drei Jahre später während eines Sturms zerstört und der Wiederaufbau dauerte länger, als der Bau. Während des letzten Krieges wurde der Steg wieder zerstört und in der ersten Ausführung nie wieder hergestellt. Der moderne Steg ist 370 Meter lang und wurde erst 1994 errichtet. Also schon nach der Wiedervereinigung Deutschlands. Damals wurde auch die aktive Wiederherstellung und Entwicklung der Binzer Infrastruktur vorangetrieben.

Zu Zeiten der DDR war die Insel komplett für Bummler geschlossen. Dort befand sich ein großes sowjetisches Militär-Kontingent – die Militär-Basis der sowjetischen Marine. Eigentlich konnte von Urlaub gar nicht die Rede sein. Wobei vor dem Zweiten Weltkrieg die Insel Rügen und auch im Besonderen die Stadt Binz der Wallfahrtsort für die Créme de la Créme der deutschen Gesellschaft waren.

Über die Stadt schrieben Humboldt und Thomas Mann, Freud und Günter Grass. Und Sie schrieben, wie Sie sich denken können, auf Basis der persönlichen Erfahrungen. Und man kann sie verstehen! Rügen (über das man am besten gesondert und detailliert schreiben sollte) ist die größte Insel und der sonnigste Ort des Landes. Ich möchte betonen, dass „sonnigster Ort“ nicht immer „wärmster Ort“ bedeutet. Zumindest in der für die meisten gewohnten Bedeutung.

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Alle Wege führen nach…

Binz, wie Sie sich denken können. Und enden auch dort. Oder beginnen. Abhängig davon, ob Sie ankommen oder schon (zu Ihrem Pech!) wegfahren.

Übrigens gibt es in Ostseebad Binz zwei Bahnhöfe. Durch den zweiten verläuft eine Schmalspurbahn – der berühmte Zug aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts, der „Rasende Roland“. Seine Strecke verläuft von Lauterbach Mole bis Göhren. Diesen Bahnhof kann man mit der hiesigen „Metro“ erreichen – ein kleiner Bus, der von außen eher an einen Vorstadtzug erinnert. Seine Fahrtstrecke geht durch ganz Ostseebad Binz und verbindet die beiden Bahnhöfe.

Noch ein „Zug“ (ein Auto in Form einer Lokomotive mit zwei offenen Passagierwagen mit Schutzdächern) nimmt seine Fahrt am Platz neben dem Steg auf und fährt bis zum Jagdschloss, welches sich im malerischen Wald am Rande des Kurorts befindet.

Im Großen und Ganzen gibt es in Ostseebad Binz viele Transportmittel. Viele verschiedene. Und dazu eine Unmenge an Fußgänger- und Radwegen. Übrigens, den „Zweirad-Freund“ muss man nicht unbedingt mitnehmen (obwohl viele Urlauber genau das machen): man kann Fahrräder auch vor Ort ausleihen.

Also Möglichkeiten den Appetit anzukurbeln gibt es mehr als genug.

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Das Meer, die Tannen, die Villen…

Ungefähr alle anderthalb bis zwei Stunden fahren vom Steg die Schiffe ab, auf denen man einen spannenden „Meeresspaziergang“ zum Königsstuhl vollziehen kann. Und einige Kilometer mit den eigenen zwei Beinen zu laufen ist überhaupt kein Problem. Nur zur Promenade und zurück sind es acht Kilometer.

Aber auch andere schöne Plätze gibt es mehr als genug. Originelle Skulpturen am Ufer des Schmachter Sees, dicht bewachsener Kap, der für Dutzende Meter ins Meer hinausreicht, ein Kurortpark mit schattigen Alleen, ein Blumenpark.

Und für die Liebhaber des Shoppings – tobt Euch aus! Verschiedene Supermärkte, Boutiquen… Eine kleine Werkstatt mit einem kleinen Laden für Glaserzeugnisse, in welchem die Vase oder das Tablett, die bzw. der Ihnen gefällt, sofort angefertigt werden können.

Und die Luft! Nadel- und Laubbäume, die Meeresbrise – ein wunderbarer Cocktail. Fügen Sie dem noch die komfortablen Sandstrände und die zärtliche Sonne hinzu, die, auch wenn sie sich von Zeit zu Zeit hinter Wolken versteckt, jeden Tag „Wache hält“, etwa 300 Tage im Jahr.

Und, nichtsdestotrotz, ist Ostseebad Binz vor allem voll von schneeweißen Villen, die Ende des vorletzten und Anfang des letzten Jahrhunderts erbaut wurden und mit Liebe in den letzten zwei Jahrzehnten wiederaufgebaut und restauriert wurden.

Seine Ruhe, die Ehrwürdigkeit, sogar einige Zimperlichkeit, wenn Sie so wollen. Liebhaber lauten und unbekümmerten Urlaubs würden nur um sonst das Geld für die Fahrt verschwenden. Ostseebad Binz ist der Urlaubsort für Menschen, die die Ruhe und Stille zu schätzen wissen. Die den Wert des Geldes schätzen, und zur gleichen Zeit, nicht geizen dieses für ihr eigenes Vergnügen auszugeben. Denn guter Urlaub in unserer Zeit kostet dementsprechend. In den Sommermonaten kostet eine Nacht in Ostseebad Binz ab 50 Euro pro Person. Und das auch nur, wenn Sie Glück haben. Das, wie Sie sich denken können, ohne Verpflegung…

Bedauerlicherweise, sogar die detaillreichste und wahrhaftigste Beschreibung mit einer Unmenge an Fotos ist nicht im Stande den echten Charme von Ostseebad Binz zu vermitteln. Das muss man selber sehen und fühlen. Mit Herz und Seele, wenn Sie so wollen. Denn das ist eine Stadt für die, die Erholung lieben.

Boris Kunin. Fotos des Autors

Aus dem Russischen von Yevgeniya Marmer

 

 

русская православная церковь заграницей иконы божией матери курская коренная в ганновере

Über Boris Kunin

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