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Ein schicksalhaftes Lied

/Zum 75-Jährigen Jubiläum des berühmten sowjetischen Liedsängers M. Magomajew/

 Absolut gerechtfertigt waren die für ihn aufgestellten Karriereprognosen zum weltberühmten Opernstar. Eine ungewöhnlich ausdrucksstarke Stimme, ausgeprägte Schauspielbegabung, feuriges Temperament, gekoppelt mit attraktivem Äußeren, das die Frauen schwach werden ließ – all das hatte dem noch sehr jungen Magomajew großes, allgemeines Interesse geschenkt. Im Jahre 1964 wurde Magomajew mit einer Gruppe besonders begabter, junger Sänger zu einem Praktikum in die berühmte Mailänder Scala geschickt. Hier wurde Magomajews Neigung zum italienischen, klassischen Gesangsstil gefestigt. Nicht weniger wichtig für Magomajews weitere Biografie war seine Liebe zum Italienischen Lied – sowohl zum modernen- als auch zum Volkslied.

 

Später, schon in der Heimat, als Magomajew den Komponisten Babadschanjan traf, kam es zu einem erstaunlichen Zusammentreffen. Bis dahin waren sowjetische Lieder nicht unbedingt Magomajews Spezialgebiet, und auch Babdschanjan war eher in der sogenannten “E – Musik“ unterwegs. Aber beide liebten und fühlten den Liedgesang, ohne den richtigen Zugang dazu zu bekommen.  Magomajew machte Babadschanjan mit dem modernen Italienischen Lied bekannt, da er zum Glück Noten und Aufnahmen in großer Anzahl aus Italien mitgebracht hatte.

Dem Komponisten gefiel diese Musik außerordentlich. Damit begann Ihre langjährige, ungewöhnlich produktive Zusammenarbeit.

Man wurde buchstäblich überwältigt von den ungewöhnlich vielen italienischen Liedern in sowjetischen Konzertsälen, die einen solchen Melodieverlauf hatten, dass man dafür eine Opernstimme brauchte.

Andererseits hat Magomajew sich nie von der Oper getrennt. In seinen Konzerten waren immer die unterschiedlichsten Bariton Arien zu hören – von  Figaro bis Aleko.

Magomajew war ein Multitalent. Er komponierte einige sehr bekannte Lieder, malte hervorragend und war sehr vielfältig auf der Bühne.

Auf einer Konzertreise war ich mit Magomajew in einer Stadt, mehr noch, wir wohnten in einem Hotel. Ich war dann auf seinem Konzert und wurde Zeuge, wie Frauen, außer Sinnen, während der Vorstellung ihren kostbaren Schmuck abnahmen und auf die Bühne warfen. Danach hatte Magomajew ihn im Hotel am Empfang abgegeben, denn seine Erfahrungen zeigten, dass am nächsten Tag die zu sich gekommenen Frauen ihren Schmuck zurückfordern würden.

Magomajew war ein glückliches Zusammentreffen des verdienten beruflichen Erfolges mit unglaublich attraktivem Äußerem, mit Anerkennung im ganzem Land und Unterstützung von den damaligen Machthabern beschieden.

Andererseits gab es in seinem Leben auch Schattenseiten. Er wurde beschuldigt, in irgendwelchen finanziellen Spekulationen beteiligt zu sein und erhielt das unsinnige Verbot, nur in Aserbaidschan auftreten zu dürfen. Aber seine Neider frohlockten nicht lange. Bald wurde dieses Verbot von dem damaligen Chef der KGB J. Andropow aufgehoben. Andropow wollte Muslim Magomajew auf einem Jubiläumskonzert seiner mächtigen Organisation sehen.

In dieser Zeit war es für Bühnenartisten wichtig, den Frauen der wichtigen Parteifunktionären zu gefallen – und da war Magomajew ohne Zweifel immer ein Favorit Nummer eins.

Dabei war Muslim Magomajew auch ein Liebling von Leonid Breschnew, und was fast noch wichtiger war, vom ersten Sekretär der Kommunistischen Partei Aserbaidschans, G. Aliev. Das Volk in Aserbaidschan feierte Magomajew als seinen Nationalhelden. Wenn Aliev aus irgendwelchen Gründen mit dem Zug aus Moskau nach Hause fuhr, hatte ihn Magomajew oft einen Teil des Weges begleitet. Die beiden hatten fast freundschaftlichen Umgang miteinander.

Als I-Tüpfelchen hat M. Magomajew im Jahre 1973 die damals höchste Auszeichnung bekommen: Volksartist der UdSSR. Er war erst 31 Jahre alt.

Aber Erfolg, Geld, Ruhm und Zuneigung der Machthaber, all das sind schlechte Ratgeber für die persönliche Entwicklung. Der Künstler entspannte sich, und als sein Auftreten sich seinem Alter anpassen musste, fand er nicht den nötigen Status. So ging seine Bühnenkarriere schnell und früh zu Ende. Dafür bleibt er im Gedächtnis seiner zahlreichen Verehrer (und besonders Verehrerinnen) immer jung und leidenschaftlich.

Die Lieder, denen er seine Stimme gab, werden auch jetzt noch gesungen. Und seine Interpretationen, auch wenn nur als Aufnahmen, beeindrucken in der heutigen Zeit genauso.

Muslim hat irgendwann gesungen: „Solange ich mich erinnern kann, lebe ich“.

Heute  könnte gesagt werden: Solange wir uns an ihn erinnern, ist er lebendig.

 

 

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Über IF: Sergej Kolmanovski (Hannover)

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