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Taufe der Rus

In der russischen Geschichte existieren viele wenig bekannte und geheimnisvolle Ereignisse. Hierbei unterscheidet sich Russland keineswegs vom Rest der Welt. Aber bei uns, aus irgendeinem Grund, je bedeutungsvoller das Ereignis für die Geschichte ist, desto weniger ist darüber bekannt. Außerdem, konnten viele Herrscher und Historiker nicht wiederstehen die Botschaften der Vergangenheit ein wenig zu korrigieren.

 

 

Das betrifft größtenteils auch die Christianisierung Russlands. Heutzutage wird üblicherweise von Wladimir I. Swjatoslawitsch erzählt, der das wilde heidnische Russland christianisiert hat.

In den Schriften heisst es, dass ursprünglich das Christentum auf den Ufern des Dnepr von Apostel Andreas gepredigt wurde. Nach Apostel Andreas wurde sogar der höchste Orden des Russischen Imperiums benannt.

Die heilige Fürstin Olga.Jedoch davon, dass dies ein später „Zusatz“ ist, zeugt die „Nestorchronik“[2], in welcher im Jahr 983 direkt gesagt wird: die Apostel waren niemals bei den Slawen.

Man kann im Prinzip von einem frühen Eindringen des Christentums in die Länder, die später Teil des Russischen Imperiums wurden, sprechen: in Krim sind Christengemeinden wahrscheinlich noch im 1. Jhd. n.Chr. entstanden. Jedenfalls, wurde genau hierher der Papst Clemens geschickt, dessen Grab dann noch lange Zeit gepflegt wurde.

Außerdem gab es in Moldawien, nach Angabe von Konstantin Porphyrogennetos[3], ziemlich viele verlassene Städte mit kirchlichen und klösterlichen Ruinen. Diese Städte werden heute auf das 4. und 5. Jhd. n. Chr. datiert.

Wahrscheinlich traten in Krim oder in diesen Städten einige Slawen über zum Christentum. Jedenfalls, war dem Heiligen Kyrill (der ursprünglich Konstantin hieß) Anfang der 60er Jahre des neunten Jahrhunderts das Evangelium und der Psalter bekannt, die in der prä-glagolitischen slawischen Sprache geschrieben wurden[4].

Über das frühe Christentum in der Rus sind nur einige wenige literarische Zeugnisse erhalten geblieben. So wird im „Leben des heiligen Stefan von Surozh“ (auch Bravlin) berichtet, dass schon bald nach 787 die Stadt Surozh (Sudak) von der russischen Heerschar des Fürsten Bravlin aus Nowgorod besetzt wurde. Unter dem Einfluss des heiligen Stefan hat der russische Fürst mit seinen Bojaren[5] vom Erzbischof Filaret die heilige Taufe erhalten. Und obwohl Filaret selbst – eine durchaus historische Persönlichkeit ist – tauchen trotzdem große Zweifel über die Existenz der Stadt Nowgorod im 8. und sogar Anfang des 9. Jhd. auf.

Außerdem, taucht das „Leben des heiligen Stefan von Surozh“ nur in slawischen Schriften auf und das griechische Original ist komplett unbekannt. Heute wird angenommen, dass die Aufzeichnung seines Lebens in der Rus im 15. Jhd. geschaffen wurde. Es existiert auch eine Version dessen Entstehens aus dem Ende des 10. Jhd. in Krim, schon nach der Taufe von Wladimir dem Großen.

Das nächste Zeugnis der Christianisierung der Rus ist das Epistel von Photios I. dem Großen von Konstantinopel. Anfang des Jahres 867 schrieb er, dass die s.g. Rus[6] den christlichen Glauben angenommen, den Erzbischof und die Pastoren akzeptiert haben.

Übrigens, mit diesem Ereignis ist die Ehrung der Mariä Schutz und Fürbitte[7] verbunden. In 866 erreichte die russische Flotte mit 200 Schiffen die Mauern von Konstantinopel. Der Imperator Michael III. und der Patriarch Photios tunkten ein Stück der Amtstracht der Mutter Gottes ins Meer. Danach brach ein Sturm aua und viele russische Schiffe sind dadurch ans Ufer gelaufen. Und genau diesem Wunder – der Niederlage der russischen Flotte – sind alle unsere russischen Mariä Schutz und Fürbitte-Kloster und –Kirchen gewidmet.

Nach dem Wunder mit der Zerstörung der Flotte der Rus in Konstantinopel wurde eine Botschaft geschickt, mit der Bitte um die Taufe. Aller Wahrscheinlichkeit nach, wurde diese Botschaft vom Waräger[8]-Fürsten Askold von Kiew geschickt.

Aber wahrscheinlich, wurden nur die Rus getauft, die an der Grenze zu Krim gelebt haben.

In diesem Fall haben Askold und seine Bojaren die Taufe entweder 873 oder 874 unter dem Imperator Wasilij I. angenommen. Die Taufe der Rus zu dieser Zeit erwähnen byzantinische und russische Quellen. Zeugnisse darüber hat auch die Archäologie. In der Region um Kiew wurde der heidnische Brauch der Feuerbestattung im 9. Jhd. von der Beerdigung mit einer Erdbestattung abgelöst.

Trotz dessen, dass viele Russen Askold als Feind bezeichnen, erachten die polnischen Quellen ihn für den Nachfahren von Kiy[9]. Andererseits, russischen Schriften nach, waren gerade Askold und Dir die ersten, die über die Polanen regierten. Anscheinend, wurden vor ihnen Kiew und die Polanen von den Chasaren[10] regiert.

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Zur Bestätigung der Chasaren-Herrschaft über Kiew spricht auch die Existenz eines ganzen Stadtteils – Židovský, der in der Gegend des heutigen L’viver Platzes lag. Dort befanden sich auch die Židovský Stadttore. Wie uns bekannt ist, gehörten die Chasaren dem Judentum an. Neben der Archäologie und der Ortsnamenkunde, gibt es über die Anwesenheit der Juden im 9. und 10. Jhd. in der Stadt auch schriftliche Zeugnisse.

So ist die erste schriftliche Erwähnung von Kiew im Brief eines jüdischen Kaufmanns nach Prag enthalten. Und im „Leben des heiligen Theodosius des Kiewer Höhlenklosters“ wird darüber erzählt, wie der heilige samstags das Stadtteil Židovský besuchte und dort mit den Juden wettete, in der Hoffnung von ihnen getötet zu werden um auf diesem Weg zum Märtyrer zu werden. Was, ob glücklicher- oder unglücklicherweise, das weiß ich nicht, nicht passiert ist.

Sogar nach Svjatoslaws Märschen behielten die Chasaren und das Judentum einen großen Einfluss in Kiew. Dieser war so beachtlich, dass unter der Herrschaft von Wladimir dem Großen die Möglichkeit diskutiert wurde, ob die Rus das Judentum annehmen. Bis ins 12. Jhd. hinein trugen die großen Fürsten von Kiew den Titel des Khagan[11]. Diesen Titel trug auch der Herrscher des Chasaren-Khaganats. Auf dem Pfeiler des Mittelschiffs der Sophienkathedrale blieb die Aufschrift über den Tod des Khagans Jaroslaw (des Weisen) erhalten. Anscheinend, nach der Befreiung von der chasarischen Abhänigkeit, haben die Polanen[12] das chasarische Staatssystem und ihre Titulaturen übernommen.

Diese Annahme gibt die Möglichkeit Dirs Rolle zu erklären. Zusammen mit Askold getötet, wurde er aber an einem anderen Ort beerdigt. Es ist unwahrscheinlich, dass Dir ein naher Verwandter von Askold war, aber er kann durchaus, laut der chasarischen Tradition, der Oberheerführer des Fürsten von Kiew gewesen sein. Bei den Chasaren hiess das „schad“.

Vielleicht nimmt das Amt des Kriegsführers in der Rus von hier ihren Anfang… Aus der Geschichte sind uns die einflussreichen Kriegsführer Sveneld und sein Sohn – Lut Sveneldson, Dobrynya – Onkel von Wladimir Svyatoslaw, und andere bekannt. Jedoch, mit der Zeit wurde die Rolle der Kriegsführer in der Staatsverwaltung kleiner.

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Unter Askold und Dir wurde das Christentum zur Staatsreligion in Kiew. Nach dem misslungenen Marsch auf Konstantinopel in 873 (874) kehrten Askold und Dir mit einer kleinen Gefolgschaft zurück nach Kiew. Die militärische Niederlage verschlimmerte den so schon bedeutenden Nicht-Ertrag.

Das alles trug zu der Besetzung Kiews in 882 von Fürst Oleg von Nowgorod bei. Obwohl, in Bezug auf Oleg kann man annehmen, dass er nur ein Kriegsführer unter dem jungen Fürsten Igor war.

In der Joachimchronik[13] wird folgendes gesagt: „Der selige Askold wurde von den Kiewern verraten und getötet, und begraben, wo die Kirche des heiligen Nikolaus stand, aber Svjatoslaw zerstörte sie, so heisst es“. Zu beachten ist Askolds Titulatur – „selig“. So nennen Christen nur Christen. Anderen Quellen zufolge, ungefähr 200 später, errichtete ein gewisser Olma über Askolds Grab eine neue Kirche des heiligen Nikolaus.

Interessant ist, dass Dir viel näher an das Zentrum von Kiew begraben wurde – hinter der spätesten Kirche der heiligen Irina – also in der Gegend der heutigen Sophienkathedrale.

Allem Anschein nach, triumphierte in Kiew nach Askalds Tod wieder das Heidentum. Übrigens, die Anbetung der Waräger des Perun[14] lässt annehmen, dass sie ursprünglich gar nicht aus Skandinavien waren. Anscheinend, waren die Waräger-Fürsten Abodriten[15] oder Prußen[16]. Jedenfalls, genau bei den alten Prußen und Litauern wurde Perun (oder Perunas) besonders verehrt. In Skandinavien ist über diesen Gott nichts bekannt.

Es gibt jedoch keine Angaben über Christenverfolgungen in Kiew nach Askold. Unter Olegs Herrschaft hat sich die Macht der Fürsten von Kiew territorial vergrößert: die Drewlanen[17], die Radimitschen[18] und die Sewerjanen[19] zahlten Tribute Kiew. Einigen Quellen zufolge, zum Ende von Olegs Herrschaft, wurde der Einfluss der heidnischen Priester (rus: Volkhvy) deutlich geringer.

Ungefähr in 912 oder 922 wurde Igor zum Großfürsten von Kiew.

Die Verwandtschaft dieses Fürsten mit Rjurik [20] erweckt große Zweifel. Jedenfalls, starb Rurik in 879 und folglich, im Moment der Besetzung Kiews durch Oleg (882), konnte Igor bestenfalls drei oder vier Jahre alt sein, denn als er in945 gestorben ist, war er nicht sonderlich alt.

Wie konnte Igor zum Moment seines Todes nur den einen Sohn Svjatoslaw haben ist absolut unklar. Wenn man die traditionelle Version in Betracht zieht, dann war zum Moment der Geburt des Erstgeborenen Svjatoslaws (930-933) Igor schon über fünfzig Jahre alt. Und seine Frau Olga – über 45 Jahre. Was, ehrlich gesagt, recht komisch ist.

Es ist bekannt, dass Igor und Olga in 903 geheiratet haben. Es gibt eine Version, die besagt, dass Svjatoslaw in 920 geboren wurde. Das ist durchaus möglich. Und später hat dann sein jüngerer Bruder das Licht der Welt erblickt – Gleb. Die Geburt der Kinder siebzehn Jahre nach der Hochzeit ist durchaus möglich.

Erstaunlich ist, dass Olga nicht das Leben verlassen hat, um ihrem Mann in den Tod zu folgen, wie das die slawische Tradition verlangte, und entfernte auch ihren fünfundzwanzig Jahre alten und somit erwachsenen Sohn von der Machthabe. Wenn er in 920 geboren wurde. Aber, wenn Svjatoslaw schon bald nach der Hochzeit der Eltern auf die Welt kam, dann war er in 945 schon über vierzig. Und von einer Herrschaft Olgas nach Igors Tod konnte keine Rede sein. Wenn, natürlich, Svjatoslaw nicht geistig behindert war.

Unter Igor, in 945, nach einem weiteren misslungenen Marsch auf Konstantinopel, wurde noch ein Friedensvertrag mit den Griechen abgeschlossen. Hier sind nur die Namen der Mitglieder der Verhandlungen interessant (fast alle feindlich), aber auch dass ein Teil der Russen in der Kathedrale des heiligen Elias vereidigt wurden. Folglich, war in Kiew das Christentum unter Igor, und vielleicht auch unter Olga, so weit verbreitet, dass es in der Stadt eine Kathedrale gab. Und die Existenz der Kathedrale bedeutet, dass es in der Stadt auch mehrere Kirchen gab.

Im Herbst 945, zur Zeit des Marsches auf die Drewlanen, wurde Igor getötet. Einigen Schriften zufolge, war in diesem Jahr Svjatoslaw – Igors Sohn, nicht älter als 15 Jahre. Aber das bedeutet, dass er 930 geboren wurde. Also, 27 Jahre nach Igors und Olgas Hochzeit. Anstatt von Svjatoslaw regierte seine Mutter – Olga. Sie schaffte es die Drewlanen nochmals zu unterwerfen und führte eine administrative Reform im Land durch.

In 959 wurde Olga in Konstantinopel getauft. Aber möglicherweise fand das auch in 945 statt, gleich nach Igors Tod. Anderen Quellen zufolge, wurde Olga von bulgarischen Priestern getauft. Jedenfalls, in der byzantinischen Beschreibung des Empfangs der russischen Archoness Elga beim Imperator wird der Geistliche der Großfürstin von Kiew erwähnt.

Zurück in der Heimat, hat Olga (nach der Taufe – Elena) versucht in der Rus das Christentum einzuführen, aber musste mit einem entschiedenen Wiederstand von Seitens ihres eigenen Sohnes – Svjatoslaw, kämpfen.

Jedenfalls, in 969 ist Olga als Christin gestorben und wurde kirchlich bestattet. Zu dieser Zeit war sie älter als 80. Ein ziemlich hohes Alter. Ihrem Sohn Svjatoslaw war das Christentum völlig fremd. Während des Marsches auf Byzanz befahl er seinen eigenen Bruder Gleb wegen seines christlichen Glaubens zu töten. Außerdem schickte Svjatoslaw den Befehl nach Kiew in der Stadt alle Kirchen zu zerstören. Nur der Tod Svjatoslaws in 972 erlaubte nicht das Christentum in der Rus komplett zu liquidieren.

Wie es oft passiert, führte der Tod des Herrschers zum Ausbruch eines Bürgerkriegs. Vor dem Marsch auf Bulgarien, ernannte Svjatoslaw seinen älteren Sohn Jaropolk I. zum Regenten von Kiew, seinen zweiten Sohn – Oleg – zum Statthalter der Ländereien der Drewlanen. Und seinen jüngsten Sohn Wladimir schickte Svjatoslaw um Nowgorod zu regieren.

In 977 wurde Oleg Svjatoslawich von Drewlanen von Jaropolk I. in der Schlacht bei Ovruch geschlagen. Als Wladimir davon erfahren hatte, suchte er Zuflucht bei den Schweden. Jaropolk I. besetzte Nowgorod. In 980, nachdem er ein Heer zusammengestellt hatte, kehrte Wladimir zurück in die Heimat.

Schon bald erkämpfte er Nowgorod zurück, besetzte Polozk und ging nach Kiew. In den drei Tagen auf der Strecke von Smolensk ist Jaropolks I. Heer auf Wladimirs Seite übergetreten. Wie Schreiber beteuern, mochten die Kiewer Jaropolk I. dafür nicht, dass er den Christen den „großen Willen“ erteilt hatte. Bald wurde Jaropolk I. auf verräterische Weise getötet, und Waldimir wurde zum Großfürsten von Kiew.

Der heilige Apostelgleich Fürst Wladimir.Der neue Großfürst versuchte das Heidentum in Kiew zu verstärken. Auf dem Hügel hinter dem Fürstenturmhaushof[21]wurden die Statuen der slawischen Hauptgötter aufgestellt: Perun, Chors, Dažbog, Stribog, Simargl und Mokusha. Es fällt ins Auge, dass Veles fehlt, der in der Zeit der Herrschaft von Igor zu einem der Hauptgötter des slawischen Pantheons zählte.

In 983 besiegte Wladimir die Jatwinger[22] und nahm ihre Ländereien ein. Es wurde entschieden den Göttern eine Dankopfergabe zu bringen. Die Person für das Opferritual wurde ausgelost.

Dieses Mal fiel das Los auf Fedor, Sohn des Waräger-Christen Johann. Vater und Sohn wiedersetzten sich diesem Los und starben bei einem Kampf in ihrem eigenen Haus.

Später, auf dem Platz ihres Todes, wurde die Kirche des Zehnt[23] erbaut.

Die Waräger Johann und Fedor wurden zu den ersten Märtyrern des russischen Landes. Heute ruhen sie im Kiewer Höhlenkloster in den Höhlen des heiligen Antonius. Deren Gräber werden ehrerbietig geküsst, um eine Schwangerschaft zu erwirken. Interessant ist, wer die Leichen dieser ersten Märtyrer Russlands dort erhalten hat und wie.

Wladimir hat schon bald herausgefunden, dass die Herrscher anderer Länder die Heiden nicht respektieren. Außerdem, entsprach das Heidentum weder der Größe, noch den Bedürfnissen des Landes.

Ungefähr um 987 entstand die Frage um die Wahl eines einheitlichen Glaubens für das ganze Land. Als Möglichkeit standen zur Debatte die monotheistischen Religionen dieser Zeit: der Islam, der Judaismus und das Christentum. Wobei es das letztere in zwei Varianten gab – östlich und westlich.

Über den genauen Ort der Taufe von Wladimir gibt es nur wenige Nachrichten. Laut der Joachimchronik wurde Wladimir von den Bulgaren getauft. Und das geschah wahrscheinlich in der Stadt Wassylkiw. Wenn nicht die christliche Namensgebung der Stadt wäre, dann könnte man annehmen, dass es auch so in Wirklichkeit war. Man muss eine überaus große Fantasie besitzen, um so ein wichtiges Ereignis mit einer so kleinen und unbedeutenden Stadt zu verbinden.

Anderen Quellen zufolge wurde Wladimir in Chersones getauft, nachdem er die Stadt besetzt hatte, und nachdem die byzantinische Prinzessin Anna dort ankam. Diese Prinzessin war die Tochter des bulgarischen Zaren Petr und Maria-Irina, der Enkelin des Imperators Roman I. Deswegen werden ihre Kinder, Boris und Gleb, in den Geschichtsquellen oft als Kinder der Bulgarin bezeichnet. Also täuschten die Herren Romaioi[24] die naiven Barbaren, und übelten ihnen an Stelle der Tochter des Imperators die Großenkelin des längst verstorbenen Basileus[25] unter. Übrigens, der Großfürst von Kiew wurde mit dem byzantinischen Hoftitel „Stolnic“[26] geehrt. Es scheint, dass Wladimir die Stadt Chersones im Rahmen des Vertrags mit den byzantinischen Imperatoren Wasilij und Konstantin besetzt hat. Und dieser Vertrag wurde geschlossen, da die Imperatoren in großem Maße die Hilfe des Kiewer Fürsten für die Unterdrückung des Aufstandes von Bardas Phokas[27] benötigten. Aller Wahrscheinlichkeit nach, wurde Chersones von den Russen am 23. April 990 eingenommen. Aber zu dieser Zeit zählte Wladimir schon zu einem Verwandten des Imperators.

Die Massentaufe der Kiewer wurde am 1. August 990 durchgeführt. Sie wurden alle in den Fluss Pochayna gejagt und danach als Christen proklamiert. Obwohl es heute offiziell heisst, dass die Taufe von Kiew in 988 stattfand. Aber in der frühen russischen Chronologie gibt es viele Ungenauigkeiten und umstrittene Daten.

Den größten Eindruck beim Volk machte der Sturz der alten Götter. Die Statuen wurden zum Dnepr geschleppt und hinein geworfen. Einige unbewanderte Kiewer liefen zum Ufer und baten ihre alten Götter, dass sie wieder hochschwammen. Die Statue des Perun ist aufgetaucht und ans Ufer geschwemmt worden, an der Stelle wo jetzt die Metrohaltestelle Vydubychi ist. Die heldenhaften fürstlichen Anhänger aber beseitigten diese Unzucht und brachten den hölzernen Gott bis zu den Felsen im Fluss.

Wenn bei der Taufe von Kiew in den Schriften keine blutigen Exzesse erwähnt werden, musste in Nowgorod ein Teil der Häuser verbrannt werden, um die Bürger dazu zu zwingen sich taufen zu lassen. Es gab auch andere Opfer.

Eine lange Zeit florierte in der Rus ein Doppelglaube. Offiziell waren alle Christen. Aber das war nur die äußere Religiosität. Jedenfalls werden heidnische Feste bis heute gefeiert. Auch wenn unter anderen Namen.



[1] Rus (ostslawisch Русь, griechisch Rossia, lateinisch Ruthenia) ist eine historische Bezeichnung für ein Gebiet in Osteuropa, auf dem die Ostslawen ursprünglich beheimatet waren (aus Wikipedia).

[2] Die Nestorchronik (russisch Несторова летопись/Nestorova letopis‘  häufiger russisch Повесть временных лет/Povest´ vremennych let – zu dt. „Erzählung der vergangenen Jahre“) ist die älteste erhaltene ostslawische Chronik. Sie ist eine der wichtigsten schriftlichen Quellen für die Geschichte der Kiewer Rus (aus Wikipedia).

[3] Konstantin VII., genannt Konstantin Porphyrogennetos (griechisch Κωνσταντῖνος Ζ′ Πορφυρογέννητος ‚der Purpurgeborene‘,), war von 913 bis 959 byzantinischer Kaiser (aus Wikipedia).

[4] Ein hyptothetisch prä-glagolitsches/präs-christliches slawisches Schreibsystem, das typischerweise als „cherty i rezy“ (rus. «черты и резы») (Striche und Schnitte) bezeichnet wird (aus Wikipedia).

[5] Bojaren oder Boljaren waren Adlige unterhalb des Ranges eines Fürsten (Knjas) oder Zaren (aus Wikipedia).

[6] Die Rus sind ein historisches Volk der gleichnamigen Region, dessen Ursprung nicht genau geklärt ist (aus Wikipedia).

[7] Mariä Schutz und Fürbitte, kirchenslawisch Покровъ Pokrowa, ist ein religiöses Fest der orthodoxen und byzantinischen Kirchen. Es feiert Maria, Mutter Jesu als Schutzheilige und Fürsprecherin (aus Wikipedia).

[8] Der Begriff Waräger oder Rus ist nach heutigem allgemeinem Verständnis eine von Griechen und Ostslawen stammende Bezeichnung für Skandinavier, die in Kontakt mit den slawischen Völkern Osteuropas und dem byzantinischen Reich standen. Die Waräger wurden zuerst in der Nestorchronik erwähnt (aus Wikipedia).

[9] Kyi (auch Kiy, Kij or Kyj), Shchek and Khoryv (Ukrainisch: Кий, Щек, Хорив) sind die drei legendären Brüder, die laut der Nestorchronik die Gründer der mittelalterlichen Stadt Kiew (heute: ukrainische Hauptstadt) waren.

[10] Die Chasaren waren ein ursprünglich nomadisches und später halbnomadisches Turkvolk in Zentralasien (aus Wikipedia).

[11] Großkhan oder Khagan ist im Mongolischen und den Turksprachen ein Titel, der dem Kaisertitel entspricht und somit noch über dem eines Khans steht. Sein Territorium wird als Khaganat oder Großkhanat bezeichnet, manchmal jedoch auch ungenau als Khanat, das eigentlich kleiner ist (aus Wikipedia).

[12] Der Name Polanen entstammt ursprünglich von Polan ab, was im Altslawischen die Bezeichnung für einen „Feldbewohner“ war. Mit Polanen werden zwei slawische Stämme bezeichnet: In den Quellen, wie Nestor, werden östliche Poljanen erwähnt, die um das Gebiet des heutigen Kiews lebten. Die Poljanen gingen während der Staatsbildung der Kiewer Rus in anderen ostslawischen Stämmen unter. Die westlichen Polanen (polnisch Polanie) wurden der mächtigste der westslawischen Stämme auf dem Gebiet des heutigen Polens (aus Wikipedia).

[13] Die Joachimchronik (rus: Иоакимовская Летопись), ist eine Chronik, die von dem russischen Historiker Vasily Tatishchev im 18. Jhd. Entdeckt wurde. Es wird angenommen, dass diese Chronik eines Sammlung aus dem 17. Jhd. von früheren Quellen ist, die die Ereignisse im 10. und 11. Jhd. bezüglich der Nowgoroder Republik und der Kiewer Rus bschreiben (aus Wikipedia).

[14] Perun ist der oberste Gott der slawischen Mythologie. Er ist der Gott des Gewitters, des Donners und der Blitze. Zu seinen Symbolen zählen die Schwertlilie, die Axt und die Eiche (aus Wikipedia).

[15] Die Abodriten (auch Abotriten, Obotriten/Obodriten, Bodrizen) waren ein mittelalterlicher elbslawischer Stammesverband (einer Untergruppe der Westslawen) auf dem Gebiet des heutigen Mecklenburg und Holstein (aus Wikipedia).

[16] Die Prußen (nach der Eigenbezeichnung *Prūsai) waren der baltische Volksstamm, auf den der geografische Name Preußen zurückgeht (aus Wikipedia).

[17] Die Drewlanen oder Drewljanen (ukrainisch Деревляни, russisch Древляне) waren ein ostslawischer Stamm, der zwischen 6. und 10. Jahrhundert die Gebiete von Polesien in der Nordukraine bewohnte (aus Wikipedia).

[18] Die Radimitschen oder Radimitschi (russisch Радимичи, weißrussisch Радзімічы) waren ein ostslawischer Stamm zwischen dem oberen Dnepr und der Desna (aus Wikipedia).

[19] Die Sewerjanen (ukrainisch Сіверяни, russisch Северяне) waren im Frühmittelalter ein ostslawischer Stamm, entlang der Flüsse Desna, Sejm and Sula angesiedelt. Nach ihnen wird das historische Gebiet Sewerien benannt (aus Wikipedia).

[20] Der warägische Fürst Rjurik (veraltet auch Rurik, skand. Hrørikr ‚berühmter Herrscher‘) (in kyrillischer Schrift Рюрик; * um 830; † um 879) gilt als Gründer des russischen Staates im Jahre 862 (aus Wikipedia).

[21] Turmhaus (rus. терем), die obere bewohnbare Etage жилой der alten russischen Fürstenhäuser, der über dem Keller und den Zimmern der ersten Etage war. Ein anderes Wort für Dachboden (aus Wikipedia).

[22] Die Jatwinger (auch Jadwinger, Jotwinger/jotvingiai, Sudauer/sudūviai, Jatwägen, Pollexaner) waren ein westbaltischer, mit den Prußen eng verwandter Stamm im historischen Gebiet Sudauen/ (prußisch sudawa, sudowia ‚sumpfiger Ort‘, daher auch Sudauer), heute geteilt zwischen Polen, Litauen und Weißrussland (aus Wikipedia).

[23] Die Kirche des Zehnt oder die Kriche der Entschlafung der Jungfrau (Ukrainian: Десятинна Церква, Desiatynna Tserkva; Russian: Десятинная Церковь, Desyatinnaya Tserkov‘) war die erste Steinkirche in Kiew (aus Wikipedia).

[24] Romaioi ist eine andere Bezeichnung für byzantinische Griechen oder Byzantiner (aus Wikipedia).

[25] Basileus, altgriechisch βασιλεύς (basileús) (Genitiv βασιλέως (basiléōs)), neugriechisch βασιλιάς (vasiljás: „König“) war der Titel der Kaiser des Byzantinischen Reiches sowie mehrerer mykenischer und griechischer Herrscher und Könige (aus Wikipedia).

[26] Stolnic war ein bojarischer (Rumänischer Adel) Rang und ein Amt im Gericht in der Geschichte Rumäniens: in Moldawien und der Wallachei. Dieser Titel entspricht ungefähr dem Senschall (“Altknecht”) und stammt wahrscheinlich von dem slawischen Titel stolnik ab (von dem Wort stol, “Tisch”), eine Person die für die königliche Tafel verantwortlich ist (aus Wikipedia).

[27] Bardas Phokas war ein byzantinischer General und Rebell (aus Wikipedia).

 

Aus dem Russischen von Yevgeniya Marmer

 

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Über Sergej Aleksandrow (Hannover)

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